Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Zum Problem der "Haavarah"
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 652 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wir oben unbesehen hingenommen haben. Durch diesen Boykott soll Deutschland wirtschaftlich auf che Knie gezwungen werden, dadurch, daß es nicht genügend Devisen erwerben kann, um die für seine Wirtschaft notwendigen Rohstoffe usw. im Auslande zu kaufen. In dieser Beziehung unterscheidet sich aber der reguläre Export grundlegend von dem Vermögenstransfer. Im ersten Fall erhält Deutschland für den vollen Gegenwert Devisen und kann damit, nach entsprechendem Währungstausch, ägyptische Baumwolle oder amerikanisches Kupfer kaufen. Im zweiten Fall erhält Deutschland keine Devisen, sondern wird von der »Haavarah Ltd.« in Mark bezahlt. Die Palästina-Pfunde, die die »Haavarah Ltd.« für die importierten deutschen Waren einnimmt, erhält der jüdische Auswanderer, dessen Vermögen auf diese Weise übertragen worden ist. Eine Boykottierung des Teiles der deutschen Ausfuhr, der dem jüdischen Vermögenstransfer dient, ist also in bezug auf das eigentliche Ziel des Boykotts ein Schlag ins Wasser; schlimmer noch: ein solcher Boykott ist ein Schlag ins Gesicht unserer jüdischen Brüder in Deutschland! Den Boykott auf den Vermögenstransfer ausdehnen heißt ungefähr soviel, wie einen Einwanderer daran hindern, die Kleider, die er auf dem Leibe trägt, mit ins Land zu bringen, nur weil dies Kleider in einem uns feindlichen Lande hergestellt sind. IV. Mag auch die Devisenkraft Deutschlands durch den Export, der dem Vermögenstransfer dient, nicht gestärkt werden, sicherlich aber, so wendet man weiter ein, seine innere Wirtschaftskraft. Denn durch die Bestellungen der »Haavarah Ltd.« werden deutsche Fabriken, Arbeiter usw. stärker beschäftigt, als sie es sonst wären. — Wir wollen dieses Argument an drei typischen Fällen oder Graden der Liquidierung jüdischen Vermögens in bezug auf ihre Wirtschaftsankurbelung untersuchen. .Der Übersichtlichkeit halber fragen wir nur danach, wieviele Arbeitsplätze durch die betreffenden Vorgänge zerstört oder neugeschaffen werden, und vernachlässigen weniger wichtige Sekundärwirkungen, wie die Beeinflussung der Steuereinnahmen des Staates usw. 1. Ein jüdischer Fabrikant habe 100 Arbeiter in Deutschland beschäftigt: fünfzig in seinem eigenen Betrieb und weitere fünfzig indirekt dadürch, daß er anderen Betrieben laufend Aufträge für die von ihm benötigten Roh- und Hilfsstoffe, Maschinen, Reparaturen usw. gibt. Jetzt beabsichtigt er auszuwandern und verkauft die Fabrik für 1,000.000 RM. Der Käufer hätte, wenn ihm nicht diese Fabrik angeboten worden wäre, sein Kapital von 1,000.000 RM nicht brachliegen lassen, sondern anders, investiert, z. B. in dem Bau einer neuen Fabrik. Im Durchschnitt der Fälle können wir annehmen, daß bei solcher Investierung 100 Arbeitsplätze neu geschaffen worden wären. (Über die Linterfälle, daß der Käufer sonst sein Geld in Wertpapieren oder als kurzfristiges Darlehen angelegt hätte, siehe die Fälle 2. und 3.) Hat der Käufer den Kaufbetrag dadurch freibekommen, daß er selbst auch ein Unternehmen verkauft hat, so gilt das Gesagte für diesen Käufer zweiten Grades, daß nämlich durch die beiden Käufe die Neuschaffung von 100 Arbeitsplätzen innerhalb der deutschen Volkswirtschaft unterbleibt. Der Jude möge nun die erlösten 1,000.000 RM der Zweigstelle der »Haavarah Ltd.«, der »Paltreu«, einzahlen. Diese kauft damit deutsche Maschinen für den Export nach Palästina. Durch diese Käufe werden, so wollen wir annehmen, 1000 Arbeiter für ein Jahr mehr beschäftigt. Innerhalb einer großen Volkswirtschaft läuft es auf dasselbe hinaus, ob wenige Arbeiter auf lange Zeit oder entsprechend mehr Arbeiter