Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Zur Hydrologie der Küstenebene Palästinas
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 643 (sequence 15)
- Language
- German
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In den porösen Turon- und Cenomankalken bewegt sich westwärts ein meist stark gespanntes Grundwasser, welches südlich von Ramie erheblich versalzen ist und dessen Versalzung nach Norden zu abnimmt. Es hat seinen Ursprung im Gebirge, wo es gebildet wird durch einen Teil der Niederschläge, die bis in diese Schichten gelangen. Relativ leicht kann es erbohrt werden am östlichen Rande der Küstenebene, nahe der Eisenbahnlinie Tulkarm—Ramie—Um Kalkha, und in den westlichen Vorbergen sowie in der Nähe der Aufwölbung des Turon unter der Küstenebene, wo seine Überdeckung durch Tertiärtone und -mergel nur gering ist. Über die Wassermengen, welche das Gebirgsgrundwasser führt, kann einstweilen noch nichts gesagt werden. Ein Teil des Gebirgsgrundwassers dringt auf der Randverwerfung, bzw. in direktem Kontakt in das Küstenebenen-Hauptgrundwässer ein, der Rest strömt , unter der Küstenebene weiter ins Meer. Die wasserdurchlässigen Schichten des Oberpliozän bis Alluvium, welche die westlichen Teile der Küstenebene in hohem Maße aufbauen, und deren Liegendes die Saqye-Schichten und ähnliche undurchlässige Tertiärtone und -mergel bilden, enthalten das Küstenebenen-Hauptgrundwasser, welches sich gleichfalls westwärts bewegt. Die Wassermenge, welche der ungestörte Grundwasserstrom jährlich ins Meer abführte, betrug pro Kilometer Breite, parallel zur Küste gemessen, etwa 2.5 Millionen Kubikmeter. (Diese Zahl ist nur als Größenordnung aufzufassen). Da es sich um einen praktisch stationären Zustand handelte, ist dieser Abfluß gleich der Summe aller Zuflüsse, welche das Küstenebenen-Hauptgrundwasser erhält. Diese Zuflüsse sind folgende: südlich von Ramie der Teil der Regen- und Tageswässer, welche in der Küstenebene versickern, und Grundwasser in Wadischottern, welche in die Geröllschichten der Ebene übergehen, sowie ferner Grundwasser der Schichten der Vorberge in der Nähe von Um Kalkha usw. Nördlich von Ramie vertritt Gebirgsgrundwasser die Stelle der Wässer, welche aus der Gegend Um Kalkha stammen. Es steigt auf der Randverwerfung auf, bzw. hat direkten Kontakt und ist meist stärker versalzen als die anderen Zuflüsse. Diesem aufdringenden Wasser verdankt auch die Aujaquelle bei Rai es Ein ihre große Ergiebigkeit. An gewissen Stellen ist die Randverwerfung eine »Schlucklinie«. Die Sanddünen und Kurkarhöhen sind Bezirke besonders hoher Versickerung, welche das Grundwasser meist stark anreichern mit besonders salzarmen Wasser, und stellenweise Anlaß zu Sumpfbildungen und auch zu kleinen Küstenflüssen geben. Die Grundwasservorkommen in den sandigen Teilen der Sagye-Schichten sind meist stark versalzen und größtenteils ohne Bedeutung wegen ihrer geringen Ergiebigkeit. Wasserwirtschaftliches. Das Küstenebenen-Hauptgrundwasser hat die intensive, bewässerte Landwirtschaft der Küstenebene ermöglicht. Das Gebirgsgrundwasser hat eine ähnliche Bedeutung für den östlichen Rand der Küstenebene und für die westlichen Vor^ berge, nördlich von Ramie, gewonnen, bzw. scheint es zu gewinnen. Wie anderseits oben festgestellt wurde, ist die Wassermenge, welche alljährlich aus den Niederschlägen und von Osten her in das Küstenebenen-Hauptgrundwasser von neuem hineingelangt, nicht unbegrenzt. Ein gleiches gilt selbstverständlich für das Gebirgsgrundwasser, wenn auch die entsprechenden Zahlenwerte (welche natürlich nur Größenordnungen darstellen) einstweilen nicht bestimmt werden können. Falls nun dem Grundwasser dauernd mehr entzogen wird als ihm von allen Quellen zusammengenommen zuströmt, so muß im Laufe der Zeit das Grundwasser erschöpft, bzw. vorher vom Meer aus versalzen werden. Es ist daher, um diesen gefährlichen Zustand zu vermeiden, eine richtige Bewirtschaftung des Grundwassers erforderlich.