Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 11 (November 1935)
- Article
- Gemüsegärtnerei
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 606 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Haus auf dem Grundstück wohnen werden. Noch mehr kann das Leben verbilligt werden, wenn einige Hühner und eine Kuh oder Ziege gehalten werden, wofür die Abfälle des Gartens das Futter liefern und der Mist gleichzeitig wieder produktiv verwendet werden kann. Sie sehen an dieser ungefähren Rechnung, daß Reichtümer im Gemüsebau nicht zu erwerben sind. Trotzdem sichert er strebsamen Familien, sogar wenn man die Einnahmen minimal und die Unkosten sehr hoch einsetzt, eine bescheidene und unabhängige Existenz, denn er entspricht einem Verdienst von 10 £P in der Stadt, ganz abgesehen von den Kompensationen» die unser Beruf als solcher bringt, ein naturhaftes Leben, Unabhängigkeit in der Arbeit, Produktivität usw. Der Vollständigkeit halber möchte ich auch die Frage streifen, wieviel Kapital zur Gründung einer 5 Dunam-Gemüsegärtnerei gehört. Das hängt zuerst vom Preise des Bodens ab. Für jeden Anfänger, dem nicht viel Kapital zur Verfügung steht, wäre es empfehlenswert, Boden vom Keren Kajemeth oder auch privat zu pachten, wenn er den Boden im letzteren Falle zu erträglichen Bedingungen auf mindestens 10 bis 12 Jahre bekommen kann. Muß er den Boden kaufen, so setze er in Rechnung, daß, wie schon erwähnt, mindestens 20 £P außer dem Bodenpreis fest investiert werden müssen. Auch beim Bau des Hauses soll der Anfänger von dem Grundsatz ausgehen, je einfacher desto besser. Je mehr Kapital festgelegt wird, desto schwerer ist es, den Betrieb rentabel zu gestalten. Dagegen ist jede Ausgabe, die auf Arbeitsersparnis hinausläuft (natürlich nur bis zu der wirtschaftlichen Grenze) gerechtfertigt und zu empfehlen. Ich denke an den Kauf einer Feldbahn im Betriebe, an das kooperative Halten einer Bodenfräse und eines Autos usw. Ebenso soll man bei der Anschaffung von Geräten nicht sparen und immer nur das beste kaufen, womit natürlich noch nicht gesagt sein soll, daß immer das teuerste das beste sein muß. Wie gesagt, richtet sich also der Preis der Ansiedlung nach dem Preis von Boden und Haus. Die billigste Ansiedlung, von der ich gehört habe, ist die auf dem Fedja-Böden bei Petach Tikwah.. Zu ihr sind 260 £ nötig. Allerdings ist der Boden vom Keren Kajemeth und die meisten Anlagen werden kooperativ gemacht. Im allgemeinen wird sich eine Ansiedlung auf 5 Dunam zum intensiven Gemüsebau auf 400 bis 600 £ stellen. Zum Schluß möchte ich Ihnen noch einen allgemeinen Ausblick auf die Entwicklung des Gemüsebaus geben. Palästina ist ein Gemüseland par excellence, wofür der beste Beweis ist, daß die meisten unserer Kulturpflanzen hier (das heißt im Mittelmeerbecken) beheimatet sind. Darum sind auch Gemüse sehr leicht zu erzeugen. Das bringt eine große Gefahr mit sich, die wie ein Damokelesschwert über dem palästinensischen Gemüsebau schwebt — die Überproduktion. Lassen Sie sich nicht von den heutigen hohen Preisen und der großen Nachfrage irre machen. Einige tausend Dunam mehr angebaut genügen, die kleine Stadtbevölkerung Palästinas mit Gemüsen zu überschwemmen. Wann die Überproduktion einsetzen wird, ist natürlich unmöglich zu sagen, aber kommen wird sie früher oder später, und wir wollen in unserem eigenen Interesse hoffen, daß es später sein wird. Gegen Überproduktion kann auf zweierlei Wegen angekämpft werden, auf Öffentlichen und privaten. Die privaten, das heißt die Eigenmaßnahmen bestehen in einer konsequenten Rationalisierung des Betriebes. Einer der ersten Grundsätze wäre, kein Gemüse anzubauen, das der Feldgemüsebau ebenso gut und darum billiger anbauen kann. Es ist nämlich das Hauptprinzip des Feldgemüsebaus, die Gemüse sehr billig zu erzeugen. Er erreicht das genau wie in der Industrie durch Massenproduktion und Mechanisierung der Arbeit durch breiteste Anwendung von Maschinen. Gemüsegärten werden in Zeiten der Überproduktion nur dort existieren, wo sie den Feldgemüsebau ergänzen. Das ist auf vier Arten möglich. 1. Durch Kultur der Gemüse außerhalb der Saison, also Treiberei der wärmeliebenden