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Palästina · 1935-11-01 · Heft 11 (November 1935) · p. Seite 604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 11 (November 1935)
Article
Gemüsegärtnerei
Date
1935-11-01
Page
Seite 604 (sequence 3)
Language
German
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absorbieren die Zeit eines kräftigen guten Arbeiters vollständig. Will er mehr bewältigen, so wird alles schlecht werden. Der Garten wird verunkrauten, die Ernte wird soviel Zeit absorbieren, daß nicht rechtzeitig Neusaaten und Pflanzungen vorgenommen werden können, die Pflegearbeiten werden aus Zeitmangel unterlassen usw. Ein solcher Garten bietet nicht nur ein sehr trauriges Bild, sondern muß auch notwendigerweise ein Verlustbetrieb sein. Ich verweile mit Absicht bei dieser Frage, da ich die Beobachtung gemacht habe, daß Neuanfänger sehr oft gerade diesen Fehler machen, sich ein Jahr lang unmenschlich quälen und dann die Sache entmutigt aufgeben. Man muß eben die Gemüsefläche genau nach der verfügbaren Arbeitskraft rechnen. Hat eine Familie z. B. 10 Dunam (mehr halte ich bei Selbstarbeit überhaupt nicht für erwünscht), so könnte sie sich z. B. 4 Kühe halten und 2l/i Dunam Gemüse anbauen, wobei man 2 Dunam Grünfutter pro Jahr und Kuh rechnet und der Garten durch seine Abfälle das Futter ergänzt. Oder man kann den Gemüsebau mit Obstbau verbinden, wobei man in den ersten Jahren auch zwischen den Obstbäumen intensive Kulturen bauen kann. Auch Hühnerwirtschaft ließe sich in einen solchen Rahmen einfügen. Das Entscheidende bleibt eben, nicht mehr Boden für intensive Gemüsegärtnerei in Betrieb nehmen als man bearbeiten kann. \ Wahrscheinlich werden Sie auch einiges über die Rentabilität der Gemüsegärtnerei erfahren wollen, wobei Sie von selbst verstehen werden, daß diese Angaben nur ungefähre sein können. Die Rentabilität richtet sich bei Selbstarbeit 1. nach dem Preis des Boden, 2. nach der Nähe und Größe des Absaztortes, 3. nach dem Preis des Wassers und 4. nach dem Preis des Düngers. Der Preis des Bodens wird von Nähe und Größe des Absatzortes unmittelbar beeinflußt. Ich bitte Sie aber, vorsichtig zu sein und nicht auf Grund der heutigen Spekulationspreise an eine Existenzgründung heranzugehen. Die oberste Preisgrenze, die ich bei einem rentablen Gemüsebau unter den günstigsten Bedingungen für tragbar halte, ist pro Dunam 40 £P. Normaler Gemüseboden mit Wasser am Grundstück soll nicht mehr als 15 bis 20 £P kosten. Sie müssen nämlich bedenken, daß es mit dem Bodenpreis allein nicht getan ist. Dazu kommt noch die Wasserinstallation mit etwa 10 £P pro Dunam, je nach System, Reinigung des Bodens von schädlichen Unkräutern, eventuell Ameliorationen (Leichtermachen von schwerem Boden, Schwerermachen von leichtem Boden usw.), dann die Umzäunung mit Netzdraht werden bestimmt auch noch 10 £P pro Dunam ausmachen, so daß zum Kaufpreis noch 20 bis 25 £P hinzukommen. Es mögen einige Palästinapfund mehr, es mögen einige Palästinapfund weniger sein, das wird sich nach den lokalen Verhältnissen richten. Vergessen Sie jedenfalls nicht, daß durch hohe Bodenpreise erstens das zur Verfügung stehende Kapital unfruchtbar festgelegt wird und eine dadurch zu hohe jährlich aufzubringende Bodenrente stark auf die Rentabilität drückt. Die Nähe des Absatzortes ist besonders deshalb wichtig, weil Gemüse leicht verderbliche Erzeugnisse sind, die durch den langen Transport leiden. Außerdem erhöhen sich mit der Entfernung die Transportkosten, was die Rentabilität ungünstig beeinflußt. Endlich kann der Erzeuger bei einem nahen Absatzort viel besser in Kontakt mit dem Markt bleiben, was für gewinnbringenden Gemüsebau außerordentlich wichtig ist. Durch kooperativen Verkauf, eventuell durch eigenes Auto, lassen sich viele der Nachteile, die durch weitere Entfernung vom Absatzort entstehen, aufheben. Trotzdem sollte jeder versuchen, Boden so nahe wie möglich am Absatzort zu erlangen, sogar wenn er etwas teurer ist. Es wäre ein Irrtum, anzunehmen, daß ein großer Absatzort immer der beste ist. Das gilt nur in gemüsearmen Jahren und für Spezialkulturen. In großen Absatzorten erzielen nämlich die Gemüse wegen der starken Konkurrenz meistens niedrigere Preise. Manchmal ist eine kleine Moschawah viel günstiger

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