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Palästina · 1935-11-01 · Heft 11 (November 1935) · p. Seite 603

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 11 (November 1935)
Article
Gemüsegärtnerei
Date
1935-11-01
Page
Seite 603 (sequence 2)
Language
German
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Warum interessieren Sie sich nun für Gemüsebau? Wahrscheinlich haben Sie eine bestimmte Bodenfläche zur Verfügung und wollen darauf entweder für den eigenen Bedarf Gemüse bauen oder aber sich durch dessen Verkauf e^ne Einnahme schaffen. Zwischen beiden Alternativen besteht ein Unterschied in den Voraussetzungen. Wollen Sie nur für den eigenen Bedarf Gemüse bauen, so ist beinahe jedes Stück Boden gut, vorausgesetzt, daß es eingezäunt ist und genügend Wasser vorhanden ist. Wollen Sie dagegen von dem Ertrag Ihrer Arbeit leben, so müssen Sie sehr genau rechnen und versuchen, den Anbau unter optimalen Bedingungen zu beginnen. Es besteht nämlich ein volkswirtschaftliches Gesetz, daß der Preis für ein Produkt immer von dem Erzeugungsort bestimmt wird, an dem er am billigsten erzeugt werden kann. Welches diese optimalen Voraussetzungen sind, werden wir später kennenlernen. Kommen wir zurück zu den Zuhörern, die Gemüse nur für den eigenen Bedarf bauen wollen. Diese wird es bestimmt interessieren zu wissen, welche Fläche sie für die laufende Versorgung ihrer Familie mit Gemüse nötig haben und wieviel Arbeistkraft dafür in Anspruch genommen wird. Man rechnet für jedes erwachsene Familienmitglied bei mittelmäßigen Voraussetzungen eine Fläche von 70 bis 100 m2. Bedingung ist natürlich, daß der Boden intensiv bearbeitet wird. Dann wird diese Bodenfläche jeden Tag genügend Gemüse für eine Person liefern. Der Arbeitsbedarf ist schwer zu bestimmen. Man kann rechnen, daß ein guter Arbeiter bei reiner Handarbeit 2J^ bis 3 Dunam intensivst bei einer neunstündigen täglichen Arbeitsleistung bewirtschaften kann. Ein mittelmäßiger oder schwacher Arbeiter wird wahrscheinlich mit \l/z bis 2 Dunam ausreichend beschäftigt sein. Nehmen wir nun an, eine Familie von fünf Köpfen, davon zwei Kindern, will ihr Gemüse selbst erzeugen. Dazu wären dann roh gerechnet 300 bis 400 m2 nötig. Um diese intensiv zu bearbeiten, bedarf es einer täglichen Arbeitsleistung von etwa zwei Stunden. Steht mehr Zeit und Boden zur Verfügung, so kann man natürlich die mehrerzeugten Gemüse verkaufen und sich dadurch eine Nebeneinnahme schaffen. Es bedarf keiner Erwähnung, daß alle diese Angaben nur ungefähr gelten und sich in jedem Falle individuell ändern. Manche Familien verbrauchen viel, manche wenig Gemüse und benötigen darum mehr oder weniger Fläche, auch in der Intensität und Arbeitsleistung gibt es Unterschiede. Es sollen ja auch nur Anhaltspunkte gegeben werden. Für die Erwerbsgemüsegärtnerei stellen sich ganz andere Probleme dar. Ein Einzelner kann dabei erfahrungsgemäß überhaupt nicht existieren. Am idealsten sind Ehepaare, da es im Gemüsebau spezifische Männer- und Frauenarbeiten gibt. Auf keinen Fall darf ein Ehepaar, wenn es nur selbst arbeiten will, sogar unter Zuhilfenahme aller technischen Hilfsmittel, wie automatische Beregnung, Sämaschine, Bodenfräse usw. mehr als 5 Dunam oder % na in Bewirtschaftung nehmen. Steht eine größere Bodenfläche zur Verfügung, so muß sie entweder extensiv bearbeitet werden oder man muß fremde Arbeitskräfte zu Hilfe nehmen. Es soll aber gleich vorweggenommen werden, daß mittelintensive Gemüsewirtschaften ökonomisch sehr geringe Existenzaussichten haben. Es mag wohl Jahre geben, in denen sie sich rentieren, aber in guten Gemüsejahren werden sie die Konkurrenz des Feldgemüsebaues nicht aushalten. Auch fremde Arbeitskräfte sind ein sehr unsicherer Faktor, da es vorläufig nur sehr wenige Facharbeiter gibt, und hat man das Glück, einen zu finden, so wird der Betrieb wahrscheinlich die hohen Löhne nicht tragen können, die in der heutigen anormalen Zeit gefordert werden. Schlechte oder ungelernte Leute zu beschäftigen, lohnt sich aber für Anfänger wie Sie überhaupt nicht. Es gibt natürlich andere Möglichkeiten für eine Familie, mehr Boden zu bearbeiten, indem man Futterbau für Viehhaltung oder Obstbau dazu nimmt, die beide extensiver bearbeitet werden. Aber vergessen Sie nie: 3 Dunam intensiver Gemüsebau

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