Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 11 (November 1935)
- Article
- Die jüdische Tätigkeit in Palästina und ihr Einfluss auf das arabische Wirtschaftsleben
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 578 (sequence 14)
- Language
- German
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Für die Quote pro Kopf der arabischen Bevölkerung in Palästina ergibt sich im übrigen noch eine höhere Ziffer als die Durchschnittsziffer für das ganze Land, nachdem ein beträchtlicher Teil des jüdischen Erziehungs- und Gesundheitsbudgets nicht aus der Regierungskasse, sondern von jüdischen Institutionen getragen wird. Das Ergebnis des Vergleichs ist also auch hier — obwohl unter innerpalästinensischem Gesichtspunkt betrachtet, die Finanzpolitik der Regierung zur Kritik herausfordert — eine eindeutige Besserstellung der arabischen Bevölkerung in Palästina gegenüber der Bevölkerung der Nachbarländer. Der Aufschwung des Landes findet auch in anderer Hinsicht noch seinen Ausdruck in der öffentlichen Wirtschaft. Er bewirkt nämlich einen weiteren Ausbau und eine Differenzierung der öffentlichen Verwaltung. Auch in dieser Hinsicht ist die arabische Bevölkerung keineswegs benachteiligt. Die Zahl der arabischen Beamten im Regierungsdienst stieg von 1633 im Jahre 1921 auf 2244 im Jahre 1929 und auf rund 2500 im Jahre 1934. Steigerung des Lebensstandards. Auch ohne daß besondere Untersuchungen auf induktiver Grundlage angestellt würden, ergibt sich aus all dem Vorangehenden schon, daß die arabische Bevölkerung im Laufe der Nachkriegs jähre ihren Lebensstandard beträchtlich erhöhen konnte. Das Beispiel der Einwanderer und der Kapitalsstrom, der sich seit Kriegsende fortdauernd in das Land ergoß, bildeten die wichtigsten Voraussetzungen für diese Steigerung. Hinsichtlich der erhöhten Ansprüche an die Wohnkultur sei auf die schon zitierten Bemerkungen im Bericht des Health Departments verwiesen. Die Erhöhung des Realeinkommens der Arbeiter, die gestiegenen Erlöse aus dem Verkauf von Boden und aus dem Verkauf von Agrarprodukten bieten einen dauernden Anreiz zu erhöhten Ansprüchen und geben gleichzeitig die Möglichkeit einer leichten Befriedigung. Die Zahl der Automobile in arabischem Besitz hat sich in wenigen Jahren vervielfacht. Die Verkehrsfrequenz der Stationen arabischer Ortschaften zeigt dieselbe Steigerung wie alle Verkehrsziffern im Lande. In den arabischen Dörfern werden ständig neue Transportunternehmungen zur Beförderung von Menschen und Waren mit Automobilen begründet. Während noch vor wenigen Jahren eine Automobilverbindung des arabischen Dorfes mit der Stadt eine Seltenheit war, befahren heute nicht weniger als 360 Autobusse in arabischem Besitze 99 Routen, die arabische Ortschaften verbinden. Die Verwendung von Nähmaschinen und anderen wichtigen häuslichen Inventargegenständen bürgert sich in vielen ländlichen Haushalten ein. Sieht man jedoch von allem statistischen Material ab und versucht auf rein empirischem Wege Eindrücke über die Entwicklung der arabischen Bevölkerung zu sammeln —- eine Methode, die hier nicht befolgt wurde —, so kommt man zu den gleichen Ergebnissen, die ihren Niederschlag häufig in der Presse finden. Die arabische und die hebräische Presse veröffentlichen fortgesetzt Berichte von Korrespondenten und Einsendungen, in denen immer wieder Vergleiche gezogen werden zwischen der Lage in den arabischen Orten, die ohne jede Berührung mit der jüdischen Einwanderung geblieben sind, und arabischen Dörfern in jüdischen Gegenden, respektive in Städten mit gemischter Bevölkerung. Immer wieder kehren selbst in der arabischen Presse Schilderungen über den Verfall von Hebron, Nablus und Safed wieder, über die Abwanderung der Jugend aus diesen Orten nach den Städten mit jüdisch-arabischer Bevölkerung, über die Verlegung von Gewerbezweigen, über die trostlose Stagnation des Gewerbes, der Bautätigkeit usw. in jenen Gegenden. Umgekehrt wird auch in der arabischen Presse häufig mit großer Genugtuung auf den Fortschritt der arabischen Dörfer in der Pflan-