Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 11 (November 1935)
- Article
- Die jüdische Tätigkeit in Palästina und ihr Einfluss auf das arabische Wirtschaftsleben
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
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arabische Bevölkerungsvermehrung betrachten und angesichts der zunehmenden Bevölkerungsdichte zu beängstigenden Schlüssen für die Existenzmöglichkeiten der arabischen Landbewohner gelangen. Glücklicherweise pflegen die Autoren dieser Bemerkungen bei der Kompilation der jeweils neu fälligen Berichte ihre früheren Ausführungen nicht mehr mit den neuen zu vergleichen. Dadurch sind sie der Notwendigkeit enthoben, auf Fragen zu antworten, die sie selbst in früheren Berichten gestellt haben und die nicht nur charakteristisch für die Beurteilungsmethoden des Departments sind, sondern gleichzeitig auch eine interessante Beleuchtung der eingangs erwähnten Fragestellung gewähren. So ist z. B. in dem Bericht des Health Departments noch für das Jahr 1931 auf Seite 7 unter der Rubrik »General Considerations« folgendes zu lesen: Der Senior-Bezirksarzt schreibt: »Probleme des Elends und der Arbeitslosigkeit als Folge der natürlichen Vermehrung der Bevölkerung, verschlimmert durch die wirtschaftliche Depression, müssen sich bald zeigen. Wie soll ihnen begegnet werden? Die Depression macht sich zuerst und am schärfsten in den großen Städten fühlbar. Daher wird es Sache unserer Stadtverwaltungen sein, die sich ergebende schwere Lage zu meistern.« Werden diese Körperschaften fähig sein, ernste Probleme dieser Art zu bewältigen? Angesichts einer so ernsten Situation, verursacht durch Arbeitslosigkeit und Armut, werden sie machtlos sein; es muß daher eine bestimmte Politik für die Munizipien ausgearbeitet und konsequent von ihnen befolgt werden, wenn ein annehmbarer Gesundheitszustand und Immunität gegenüber Verbreitung von Epidemien erzielt werden soll. In dem gleichen Abschnitt wagt der Autor des Berichtes einen anderen Satz, in welchem gleichermaßen eine bedrohliche Verschlechterung der Kindersterblichkeit vorausgesagt wird, falls die Zahl der Säuglingsfürsorgeanstalten nicht erheblich vermehrt wird. Dieser Notruf kommt nebenbei bemerkt von einer Stelle, die selbst für diesen Zweig der öffentlichen Gesundheitspflege verantwortlich ist und es wohl in der Hand hätte, diese ihre eigenen Forderungen zu erfüllen. Man hätte nun erwarten dürfen, daß entweder diese beängstigenden Voraussagen einer Stelle, die doch gewiß unterrichtet ist, eintreffen oder aber daß die Abhilfemaßnahmen, die von ihr als allein wirksam vorgeschlagen werden, durchgeführt worden wären. Was ist statt dessen geschehen? Keine der pessimistischen Voraussagen hat sich erfüllt, kaum eine vorbeugende Maßnahme ist durchgeführt worden, noch ist schließlich die falsche Prognose zurückgenommen worden. Vergebens sucht man in den späteren Berichten des Departments eine Antwort auf die recht klar gestellten Fragen. Hat sich die wirtschaftliche Depression, die angeblich durch die Bevölkerungsvermehrung verursacht wird, seit 1932, dem Erscheinungsjahr des Berichtes, in den Städten immer stärker fühlbar gemacht, haben die Stadtverwaltungen irgend etwas unternommen, um die daraus entstehende schwierige Situation zu meistern, sind soziale Zustände aufgetreten, die aus einer Kombination von Arbeitslosigkeit mit Armut resultieren, und sind insbesondere die Krankheiten und Epidemien ausgebrochen, die man normalerweise in anderen Ländern als Folgen von schwerster Verelendung der Bevölkerung beobachten kann? Der Verfasser des Berichtes für das Jahr 1933 hat seine Fragestellung von 1931 vergessen. Sonst könnte er nicht plötzlich von der Verbesserung d&r Gesundheitsbedingungen im Lande als einem der Faktoren für die allgemeine schnelle Vermehrung der Bevölkerung sprechen, während er umgekehrt früher die Vermehrung der Bevölkerung als Anlaß zur vorauszusehenden Verelendung und gesundheitlichen Degenerierungder Bevölkerung hinstellte. Ein anderer, nicht weniger bemerkenswerter Punkt: Die Zahl der Säuglingsfürsorgezentren hat sich von 1931 bis 1933 nicht nennenswert vermehrt. Trotz-