Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1935-11-01 · Heft 11 (November 1935) · p. Seite 566

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 11 (November 1935)
Article
Die jüdische Tätigkeit in Palästina und ihr Einfluss auf das arabische Wirtschaftsleben
Date
1935-11-01
Page
Seite 566 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379926-2379937-2406218--21402-2406369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

selten historische und nationale Faktoren die Ausbildung und Erhaltung der Differenzen begünstigen. Wenn durch äußere Ereignisse oder bestimmte wirtschaftspolitische Maßnahmen die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Landes einen entscheidenden Auftrieb erfahren» so pflegt sich dieser Auftrieb innerhalb der Grenzen eines einheitlich verwalteten Landes mit gleichem Zollsystem überall bemerkbar zu machen, am stärksten dort, wo diese Maßnahmen unmittelbar eingesetzt und durchgeführt werden, und schwächer dort, wo das Wirtschaftsleben des Landes wenig entwickelt ist. Es gibt auch jüdische Orte und Siedlungsbezirke, die von der Konjunktur weit weniger erfaßt sind als andere oder überhaupt eine rückläufige Entwicklung zeigen. Man vergleiche etwa die Lage in Tiberias oder in Akko mit der im Scharon oder betrachte gar die Entwicklung in Safed. Was für diese letztgenannten jüdischen Bezirke gilt, gilt natürlich in höherem Maße für die diesen benachbarten arabischen. Der Nachkriegsverlauf hat in Palästina aus gewissen massenpsychologischen und wirtschaftsgeographischen Gründen zu einer Bevorzugung des Küstengebietes, insbesondere der beiden Haftenstädte und ihrer Umgebung geführt und dadurch beträchtliche Differenzen in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bedingt. Für dieses so begünstigte Küstengebiet gilt aber mit besonderem Nachdruck, daß der Aufschwung nicht an den Grenzen der jüdisch bevölkerten Distrikte Halt machte, sondern kraft seiner natürlichen Dynamik wellenartig das Wirtschaftsleben der arabischen Bevölkerung in Bewegung gebracht hat. Neben den Wirkungen, die durch wirtschaftspolitische Maßnahmen der verschiedensten Art unmittelbar ausgeübt werden und die sich oft schnell bemerkbar machen, darf nicht übersehen werden jener oft viel nachhaltigere Einfluß, der durch den ständigen Kontakt der Bevölkerungsgruppen, durch Assimilation und Nachahmung erfolgt und in der Wirtschaftsgeschichte immer eine der entscheidenden Kräfte für die Neubildung wirtschaftlicher Formen und Einrichtungen, ja für die Entstehung neuer wirtschaftshistorischer Epochen gewesen ist. In Palästina läßt sich leicht der Effekt dieser doppelten Wirkung zeigen. Allerdings gelingt es häufiger, die Folgen administrativer Maßnahmen, bestimmter wirtschaftlicher Ereignisse genau zu bestimmen als einen exakten Nachweis für die Ursachen der wirtschaftlichen Entwicklung zu führen, die auf der Übernahme fortschrittlicher Formen und Methoden beruht. Die nachfolgende Untersuchung bemüht sich, beiden Gesichtspunkten gerecht zu werden und versucht daher sowohl mittels deduktiven Verfahrens als auf Grund von Nachweisen über die Zurechnung bestimmter Entwicklungen zu Ergebnissen zu gelangen. Die arabische Bevölkerungsbewegung unter dem Einfluß der jüdischen Immigration» Obwohl augenscheinlich eine Wechselwirkung zwischen der jüdischen Immigration und der arabischen Bevölkerungsentwicklung gegeben sein muß, liegen die Zusammenhänge nicht so offen als gemeinhin angenommen wird. Die Tatsache der außergewöhnlichen Bevölkerungszunahme auch unter der arabischen Bevölkerung allein genügt noch nicht, um das Vorhandensein allgemeiner ausgezeichneter Existenzbedingungen und eine unmittelbare Wirkung der jüdischen Tätigkeit aufzuzeigen. Es gibt, wie das 19. Jahrhundert gezeigt hat und wie heute noch andere orientalische Länder zeigen, wirtschaftliche und soziale Elendszustände, die mit einer enormen Bevölkerungsvermehrung parallel gehen können. Die Gesundheitsbehörden Palästinas scheinen im Hinblick auf die arabische Bevölkerung des Landes einer ähnlichen Ansicht zuzuneigen oder jedenfalls in früheren Jahren zugeneigt zu haben. In den jährlichen Berichten des Health Departments findet man immer wieder Bemerkungen und Hinweise, die mit größter Sorge die große

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.