Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 535 (sequence 5)
- Language
- German
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ausmachen. Jede der großen Kongreßparteien will ihre Arbeitergruppe in Palästina haben und nicht zulassen, daß die von der Arbeiterpartei beherrschte, dem Namen nach neutrale Gewerkschaft, die Histadruth, eine Art Monopolstellung im Lande besitzt. Die Gründe für und gegen diese Stellung der Histadruth sind oft dargelegt worden und haben auch die Generaldebatte des Kongresses mehr oder weniger ausgefüllt. Die Arbeiterpartei hat ihre Mehrheit auf dem Kongreß im allgemeinen nicht ausgenützt und sich um ein Kompromiß mit den anderen Parteien bemüht, aber in diesem einen Punkt ist sie intransigent, und so wurde denn auch diese Frage und die eng damit verbundene einer obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit in allen Arbeitskonflikten auf dem Kongreß nicht entschieden. Sie wurde dem Aktionskomitee überlassen, das seiner-' seits eine Kommission eingesetzt hat. Die Arbeiterfrage ist in den letzten zwei Jahren in Palästina nicht so fühlbar gewesen, weil in der Zeit der Konjunktur eher Arbeitermangel als Arbeitsmangel herrschte. In dem Augenblick aber, wo eine Stockung eintreten sollte — und gerade in den letzten Wochen rückte die Gefahr sehr nahe, daß dies im Gefolge des abessinischen Krieges der Fall sein wird —, werden sich eine Fülle von Schwierigkeiten ergeben. Man muß bedenken, daß auch das Gros der Arbeiter^ schaft in den letzten Jahren eingewandert ist und keine nationale Schulung besitzt wie die Arbeiter der zweiten Alijah von 1905. Wenn erst Arbeitslosigkeit und Not da oder dort auftreten sollte, wird es eine große Kunst sein, die Disziplin aufrechtzuerhalten. Teilweise ist schon jetzt eine Radikalisierung zu spüren, wenn auch die überwältigende Mehrheit der palästinensischen Arbeiter zweifellos national und zionistisch eingestellt ist. Die alten Führer haben aber ihre Schwierigkeiten, und es besteht kein zionistisches Interesse, die Stellung dieser Führer untergraben zu helfen. Auf ihnen wird, wenn ein Rückschlag kommt, die ganze Last der Verantwortung liegen. Es ist daher begreiflich, daß sie ihr wichtigstes Instrument, die Histadruth, nicht antasten lassen wollen. Daß man in der Frage der Ausschaltung der arabischen Arbeit den Kongreß, der im Stadium der Massenabstimmungen meist nicht mehr zu einer Prüfung der Tragweite imstande ist, Resolutionen annehmen ließ, die sehr bedenklich sind, sei nur nebenbei erwähnt. Der Beschluß, Arbeitgeber, die arabische Arbeiter beschäftigen, aus der Zionistischen Organisation auszuschließen, ist ebenso unklug als undurchführbar, und (abgesehen von allen anderen Gesichtspunkten) sollte der Kongreß keine Beschlüsse fassen, die nur Literatur sind. Ein wirklicher Ernst fehlte aber unseres Erachtens auch bei der Behandlung der politischen Fragen. Der Kongreß trat in einem sehr delikaten Zeitpunkt zusammen, denn durch den abessinischen Krieg wird der Zustand des Vorderen Orients und des östlichen Mittelmeeres aufgelockert, und es gilt, sich neu zu orientieren. Die Rede Ben Gurions, der Palästina als das »Land der zwei Meere« bezeichnete, des Mittelländischen und des Roten Meeres, deutet schon darauf hin, daß ein Krieg im Roten Meer Palästina nicht gleichgültig sein kann. Niemand kann wissen, welche Konsequenzen ein abessinischer Krieg haben wird, aber es liegt nahe, daß Abessinien versuchen wird, die Völker auf der anderen Seite des Roten Meeres im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind, den europäischen Imperailismus, für sich zu gewinnen; aber auch von italienischer Propaganda unter den Arabern sprach man schon vor längerer Zeit. Es ist klar, daß die zionistische Politik in dieser Lage frei und unbehindert operieren muß, daß sie auch unsere besten staatsmännischen Kräfte einsetzen muß, wo es darauf ankommt, die Chance eines Moments zu erfassen. Der Kongreß hat sich aber so benommen, als ob es nur darauf ankäme, seit zehn Jahren gehörte Reden zu wiederholen. Dem entsprechen auch die Beschlüsse, vor allem der Beschluß betreffend die unbedingte Ablehnung eines Legislative Council in Palästina. Aus verschiedenen Reden, vor allem aus der Rede