Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 536 (sequence 6)
- Language
- German
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Dr. Weizmanns und Ben Gurions, war deutlich die Befürchtung herauszuhören, daß eine Erklärung, die Kooperation mit der Mandatarmacht in dieser wichtigen Frage abzulehnen, von Konsequenzen begleitet sein könnte, die jetzt gar nicht vorauszusehen sind. Darum unterstrichen diese beiden verantwortlichen Führer mit allem Nachdruck, daß die Kooperation nur auf diesem Gebiete abgelehnt wird, im übrigen aber voll aufrechterhalten werden müsse. Es ist nicht unsere Sache, jetzt Prognosen über die möglichen Wirkungen der Kongreßbeschlüsse nach außen und nach innen aufzustellen. Aber unmittelbar drängt sich die Ansicht auf, daß diese Beschlüsse nicht jenen Grad politischer Weisheit zeigen, den man in einem solchen Augenblick beim Zionistenkongreß gewünscht hätte. Der Kongreß ist in allen seinen Handlungen davon ausgegangen, daß die wirtschaftliche Blüte in Palästina anhalten wird und demgemäß auch die Einwanderung. Daß schon während der Kongreßzeit alarmierende Nachrichten über eine durch die Kriegsbefürchtungen erzeugte — also gar nicht mit palästinensischen Verhältnissen zusammenhängende — Bankenkrise in Luzern eintrafen, wußten nur wenige. Es ist natürlich, daß die Leitung ihr Programm nicht nach solchen Schwankungen einrichten konnte, zumal da alle Sachverständigen zuversichtlich erwarten, daß bald wieder normale Verhältnisse eintreten werden. Aber man hätte doch gewünscht, daß der Kongreß in seinen Beschlüssen etwas elastischer gewesen und der Exekutive mehr Bewegungsfreiheit gegeben hätte. Die Wahl W eizmanns zum Präsidenten der Organisation beendet eine etwas abnormale Zeit, in der die stärkste zionistische Kraft außerhalb der Leitung stand und trotzdem als Führer in, wichtigen Momenten handelte. Weizmann hat sehr delikate politische Aufgaben vor sich, daneben aber muß er sich jetzt in weit höherem Maße als in seiner ersten Amtsperiode als Führer der Bewegung bewähren. Man erwartet von ihm, daß er mit seiner Autorität die Konsolidierung nach innen vollenden wird. Wer Weizmann kennt, weiß, daß es bei ihm eines besonderen Entschlusses bedürfte, um sich dieser Mission wirklich zuzuwenden. Er ist zwar der Schöpfer der gemischten Agency, aber in der inneren Durchbildung und straffen Führung der Bewegung ist er bisher oft auf halbem Wege stehengeblieben. Eine wichtige Frage ist, ob er die richtigen Mitarbeiter finden wird. Die Mitglieder der Exekutive sind mit anderen Sorgen genug beschäftigt. Die Exekutive besteht aus Ben Gurion, Schertok, Kaplan, Grünbaum, Brodetsky, Rottenstreich und Rabbi Fischmann; mit Ausnahme von Bn> detsky werden alle in Palästina domizilieren und mit Ressortarbeit überlastet sein. Für die eigentlichen inneren Aufgaben, deren Notwendigkeit dieser Kongreß wiederholt betont hat, müssen also die Kräfte erst noch herangezogen werden. Der Kongreß hat eine Reihe von Personen außerhalb der Exekutive mit Ämtern betraut, und zwar abgesehen von Sokolow und Ussischkin sind es Dr. Goldmann als Vertreter der Jewish Agency in Genf, Dr. Ruppin als Leiter einer Kommission für Wirtschaftsplanung, Lipsky als amerikanischer Repräsentant. Es handelt sich nun darum, einen Weg zu finden, um auch für die Reorganisation der Bewegung einen Apparat zu schaffen; wird das verabsäumt, dann sind die guten Vorsätze und Ansätze des Kongresses umsonst gewesen. Die Tagung des Jewish-Agency-Council, die sich an den Kongreß anschloß, hat dessen Beschlüsse bestätigt. Diese zweite Kammer der Palästina-Bewegung erweist sich gleichfalls als sehr reformbedürftig. Auch hier wurden Ansätze gemacht: Man will den nichtzionistischen Teil besser organisieren und dann auch die Bezeichnung Nichtzionisten, die sehr unglücklich gewählt ist, durch eine andere, positive Fassung ersetzen. Es wird dann möglich sein, für diese Sache zu werben. Denn es