Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Hygienische Streifzüge in Palästina
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 527 (sequence 2)
- Language
- German
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billigeren Preis als bisher in Jerusalem abgegeben werden —ist eine große Leistung, nicht bloß in technischer, sondern auch in hygienischer Hinsicht. Über die Gesundheitsverhältnisse in Palästina, die herrschenden Tropenkrankheiten, über die Sterblichkeits- und Geburtenziffern, über Krankenhäuser, über Krankenversicherung usw. und die noch vorhandenen Mängel ist auf dem Luzerner Kongreß eingehend berichtet und in Resolutionen die Forderung aufgestellt worden, allen diesen zum Teil noch ungünstigen Verhältnissen mehr Aufmerksamkeit und Abhilfe als bisher zuzuwenden. Das englische Gesundheitsamt arbeitet, wie die meisten Behörden in Palästina, mit zu wenig Personal, das für die Ausdehnungen, die die Städte und die Kolonien heute genommen, und für die damit gestiegenen Anforderungen durchaus nicht mehr genügt. So müssen vielfach Besichtigungen durch Beamte des Gesundheitsamtes aus Mangel an Zeit ausfallen, was natürlich eine Verzögerung bedeutet, wenn die Angelegenheit erst durch ein Gesuch und auf schriftlichem Wege erledigt wird. Die Müllabfuhr und -beseitigung ist für alle größeren Städte bekanntlich ein schweres Problem. Daß sie hier im heißen Klima noch ihre besonderen Schwierigkeiten bietet, ist leicht einzusehen. Aber es müßte doch erreicht werden, daß — der Anfang ist allerdings vielfach schon gemacht —- möglichst bald überall verschlossene Mülleimer und Müllkästen aufgestellt werden, daü es nicht mehr möglich ist, wie es z. B. noch in Haifa der Fall, daß in verkehrsreichen Straßen Kühe regelmäßig die offen stehenden Mülltonnen auf Freßbares durchsuchen, sie zu diesem Zweck umstülpen und diese dann längere Zeit umgeworfen liegen bleiben, wodurch die ohnehin oft schwer passierbaren Straßen kaum an Passierbarkeit gewinnen. An diesen Durchsuchungen beteiligen sich auch die so zahlreich hier vertretenen wilden Katzen. Daß dadurch, namentlich in den noch nicht asphaltierten Straßen, wo ohnehin durch den Bau neuer Häuser die Staubplage kaum zu ertragen ist, besonders bei dem meist großen Autoverkehr, die Hygiene zu wünschen läßt, ist zu begreifen. Leider muß man auch den Einzelpersonen vielfach den Vorwurf machen, daß sie sich hier zu leicht »zugewöhnen«. Ist es unbedingt nötig, ausgekämmte Haare, Zigarrenasche, Streichhölzer, Obstreste und dergleichen —- vom Ausklopfen von Teppichen auf den Balkons gar nicht zu reden *— auf die Straße oder auf die Terrasse des Darunterwohnenden zu werfen? In Europa gab es darüber polizeiliche hygienische Vorschriften, die hier noch nicht bestehen, die aber eigentlich selbstverständlich sind. Mehr Rücksicht aufeinander müßten überhaupt die Einzelnen nehmen. Es geht nicht an, daß z. B. jemand sein Radio um 1 Uhr nachts mit der größten Lautstärke — es geschieht hier ja alles bei offenem Fenster — anstellt oder daß noch später drei bis vier Personen auf der sonst ganz stillen Straße eine lebhafte, laute, langandauernde Diskussion vor einem Hause führen, oder daß abends über zwei bis drei Balkone hinweg Unterhaltungen geschrien werden. Etwas mehr Rücksicht auf die doch meist sehr früh aufstehende, schwer arbeitende Bevölkerung müßte unbedingt genommen werden. Behördliche Bestimmungen über den Gebrauch des Radios gibt es ebenfalls nicht, und es ist z. B. auch jüngst erst von der Polizei abgelehnt worden, einzuschreiten, als jemand sich darüber beklagte, er könne in seinem Büro nicht arbeiten, da gleichzeitig von drei Radiogeschäften fortwährend Reklamevorführungen gemacht werden. Man ist hier in solchen Sachen durchweg auf Selbsthilfe und gegenseitige Rücksichtnahme angewiesen, an der es aber noch vielfach fehlt. Das unnötige Hupen und Signalgeben in den Straßen hat nachgelassen, das Zuschnellfahren aber kaum, und es finden noch immer verhältnismäßig zu viele Autounfälle und Zusammenstöße in Palästina statt.