Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Hygienische Streifzüge in Palästina
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 528 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein besonderer Mißstand ist aber das noch fast völlige Fehlen einer Gewerbeh y g i e n e. Über die Einrichtung von Gastwirts-, Arbeits- und Fabriksstätten bestehen eingehende Vorschriften, die zum Teil vielleicht zu weitgehend sind. Aber auch hier macht sich der Mangel an genügendem Personal des Gesundheitsamtes zur Überwachung der Betriebe bemerkbar. Es fehlt auch die Kontrolle der Frauen- und Kinderarbeit, wie überhaupt von einer Berufs- und Gewerbehygiene noch kaum die Rede ist. Und doch wäre diese gerade in Palästina besonders vonnöten, da die in den Betrieben tätigen Personen vielfach keine gelernten Arbeiter sind, und ebenso oft auch die Leiter und Besitzer der Fabriken über keine genügende praktische Erfahrung und theoretisches Fachwissen verfügen. Es kommen so leider noch mehrfach Unglücksfälle vor, die bei hinreichender Aufklärung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vermeiden wären. Schon die Anlage mancher Betriebe entspricht gar nicht den modernen Anforderungen an Luft, Licht und Raumverteilung; bei rationellerer Anordnung könnte manche Fabrik auch mehr leisten als bei der vielfach ganz unpraktischen Aufstellung der Apparate und Einrichtungen, die oft ohne Hinzuziehung von Fachleuten geschieht. Es gibt natürlich auch in Palästina moderne Musterfabriken, aber bei der Mehrzahl der Arbeitsstätten, den Kleinst- und Kleinbetrieben, bestehen noch oft ungesunde, unrationelle Verhältnisse. Auch in manchen Lebensmittelgeschäften vermißt man die einfachsten Forderungen der Hygiene, und erst jüngst gab in einer Zuschrift an die »Palestine Post« jemand seinem Erstaunen Ausdruck, daß die palästinensischen Hausfrauen sich mit solchem Mut in Fliegenschwärme usw. bei dem Einkauf von Lebensmitteln stürzen, und daß die so zahlreich »illegal einwandernden Bakterien« der palästinensischen Bevölkerung verhältnismäßig wenig schaden. Die Überwindung der geschilderten hygienischen Mißstände kann nur mit der Mitarbeit des Publikums, namentlich auch der Hausfrauen, geschehen. Die jüdischen Behörden und Institutionen haben die weit höhere Aufgabe, den gesamten Aufbau Palästinas zu fördern, wobei allerdings die öffentliche Gesundheitspflege, die Bevölkerungshygiene und der Arbeiterschutz nicht zu vernachlässigen sind. Bericht der Abteilung für landwirtschaftliche Kolonisation der Jewish Agency Dem Zionistenkongreß in Luzern lagen umfangreiche Berichte der Exekutive vor, von denen jener des Departements für Landwirtschaft der ausführlichste war. Da wir über die wichtigsten Arbeiten und den Stand der Probleme laufend referieren, entnehmen wir dem Bericht nur einige charakteristische Daten. (Einige andere werden unter »Nachrichten und Daten« angeführt.) In der zweijährigen Berichtsperiode gingen etwa 100.000 Dunam Boden zum Preis von etwa 2 Millionen Pfund in jüdische Hände über. Die Regierung ließ es fast vollständig an Unterstützung fehlen. Insbesondere sind die Wege und der Verkehr zu den Kolonien schlecht, die Katastrierung geht viel zu langsam vorwärts, für die Untersuchung auf Wasser gab die Regierung nur minimale Hilfe, die Erschließung neuer Absatzgebiete für landwirtschaftliche Produkte und die Bestrebungen für Zollbefreiungen werden von ihr nicht unterstützt. Einen Fortschritt bedeutet die Reform der Agrarsteuern und die Subventionierung der landwirtschaftlichen Versuchsstation.