Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Veränderungen im arabischen Parteileben
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 514 (sequence 10)
- Language
- German
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auf Errichtung einer Arab Agency nach dem Vorbild der Jewish Agency. Jedenfalls kann man im Plan der Errichtung eines »Arabischen Büros« in London einen weiteren Schritt zur Emanzipation der palästinensischen Araber von der politischen Vormundschaft der lokalen englischen Behörden sehen. Nicht weniger bedeutungsvoll sind die Wandlungen innerhalb der anderen arabischen Parteien des Landes gegenüber den führenden arabischen Familien: dem Hause Hussein und dem Hause Ibn Saud. Der Mufti war ein Hussein-Gefolgsmann, unterstützend und unterstützt; einer derer, die dem König Feisal (dem Sohn des Königs Hussein) nahestanden. Die Nashashibi-Partei, die sich auf Palästina beschränkte, stand ihm fern. Aber nach dem Tode des Königs Feisal (1932) trat in der Haltung des Mufti eine Veränderung ein. Er näherte sich immer mehr dem König Ibn Saud, dem Gegner des Hauses König Husseins. Es scheint, daß er einer mächtigen Stütze in dem politischen Spiel zwischen ihm und England bedurfte. Der junge König Gasi, der Sohn Feisals, konnte ihm diese Hilfe nicht sein; König Ibn Saud aber galt viel bei den englischen Behörden. Er hat allerdings gewiß nie aufgehört, nach dem Thron des Kalifats zu streben, und da der Mufti in den moslemischen Zirkeln verschiedener Länder Einfluß hatte, so war er ein begehrter Bundesgenosse. Aber Ibn Saud hatte noch einen aktuelleren und realeren Ehrgeiz als den Thron des Kalifats: den unbesetzten Thron Syriens. Hier konnte ihm die Unterstützung und die Agitation des Mufti eine wertvolle Hilfe sein, da ihn starke Bande mit den Führern des nationalen Blocks in Syrien verknüpften. So entstand ein neues Band zwischen dem Mufti und Ibn Saud an Stelle des alten Bandes zwischen ihm und dem Hause Hussein. Aber während der Mufti das Band löste, hielt die Nashashibi-Partei am letzten Sohn der Familie Hussein fest: am Emir Abdallah von Transjordanien (inzwischen war auch der älteste Sohn Husseins: Ali, der Anwärter auf den Thron Syriens, gestorben). Der Emir hegte seit jeher den Plan, auf beiden Seiten des Jordans zu regieren — ein Plan, der die Lösung für sein eigenes Verlangen nach Herrschaft, für das Streben der arabischen Nationalisten danach; die Herren zu sein, und für die Forderung nach jüdischer Kolonisation zu beiden Seiten des Jordans bringen sollte. Dieser Gedanke war dem Mufti verhaßt, denn praktisch ist e r gegenwärtig der »Emir« über die Moslems im westlichen Palästina, und wenn der Emir Abdallah auch hier die Herrschaft antreten würde, so wäre es mit seiner eigenen Stellung vorbei; die selbständigen mohammedanischen Staaten kennen ja nicht die Institution eines »Moslemischen Rates«, der Besitz des Wakf (das Eigentum religiöser Stiftungen) wird vielmehr von einem der staatlichen Ämter (Ministerien) verwaltet; die Nashashibi-Partei hingegen, die eine praktische Lösung für das Problem des jüdischen Nationalheims und ein Mittel sucht, den Mufti zu stürzen, erblickt in dem Gedanken des Emir Abdallah die ideale Lösung. Daher freute sie sich über den Riß zwischen dem Mufti und dem Hause Husseins (der Mufti bemüht sich begreiflicherweise, diesen Riß nach Möglichkeit zu vertuschen) und setzte den Emir Abdallah und sein Programm an die Spitze ihres eigenen. So sind auf einmal die Rollen vertauscht: Die Nashashibi-Partei begünstigt augenblicklich ein vereinigtes Palästina zu beiden Seiten des Jordans unter der Bedingung, daß es unter Emir Abdallahs Herrschaft steht, die Partei des Mufti beschränkt sich (abgesehen von der augenblicklichen theoretischen Parole einer arabischen Föderation) auf das Gebiet des westlichen Palästina. In den Jahren 1934/35 verschwanden die Mittelparteien und alle politische Tätigkeit schien in den Händen der beiden herrschenden Parteien vereinigt zu sein. Aber auf dem Nährboden der einschneidenden Veränderungen, die im Lande infolge der gewaltigen jüdischen Einwanderung eintraten, erblühte eine neue politische Partei, die