Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Veränderungen im arabischen Parteileben
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 515 (sequence 11)
- Language
- German
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im wesentlichen eine Abspaltung von der Nashashibi-Partei ist. Der lebendige Geist dieser neuen Partei (Reformpartei — Chisb al Isslach) ist der Sieger über Rageb Nashashibi bei der Wahl des Bürgermeisters von Jerusalem, Dr. Hussein Chaldi. Ihr Programm ist ein Konglomerat der Programme der beiden anderen Parteien und in der Hauptsache fordert auch sie eine arabische Herrschaft in Palästina. Was für Reform die neue Partei anstrebt, geht aus ihrem Programm nicht hervor, ebenso kann man daraus nicht entnehmen, was sie Neues bringt, wrenn man in ihr nicht bloß eine neue Familienorganisation sehen will. Verbesserungen, Reformen schlechthin, fordern auch die anderen Parteien. So dürfen wir vermuten, daß der Schaffung der neuen Partei ein verborgener Wille nach einer grundlegenden Reform in den Beziehungen zwischen den drei Faktoren des Landes zu Grunde liegt: Engländer, Juden und Araber. Aber vorläufig ist es besser, solche Gedanken in das Reich der Vermutungen zu verweisen. 25 Jahre Dagania Von Josef Baraz, Dagania. Vorb. d. Red. Der Autor ist einer der Begründer und Leiter von Dagania. Sein Aufsatz wurde aus dem hebräischen Original übersetzt und dabei möglichst die Diktion beibehalten. Am 25. Tischri 5696 wurden es 25 Jahre, seitdem eine Kwuzah von 12 Personen, 10 Männer und 2 Mädchen, mit bepackten Wagen, von Chedera nach Um-Juni gekommen waren, dem heutigen Dagania. Das Kapitel Dagania beginnt mit obigem Datum. Obwohl schon 2 Jahre vorher dieser Boden bearbeitet worden war. Von diesem Datum beginnt die feste zionistische Kolonisation, von jenem Tage an beginnt das Kapitel der »K w u z a h« in Palästina, die sich seither zu einer Bewegung entwickelt hat, die viele große, wichtige Siedlungen enthält, einer Bewegung, die in Erez Israel und in der Golah Tausende von Mitglieder zählt. Ich habe betont, daß in Dagania die dauernde zionistische Kolonisation begann, denn zwar hatten vorher die zionistische Exekutive oder der Keren Kajemeth in Chulda, in Ben Schemen und in Kinereth gearbeitet, aber all diese Arbeit bestand aus Experimenten, deren Resultate man nicht voraussah. Von Dagania begann der Abschnitt der dauernden Kwuzah, wenn es auch viele Versuche zu gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Leben zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten im Lande gab. In Dagania selbst waren dies auch nicht die ersten Versuche. Denn dieser Boden, welchen der Keren Kajemeth im Jahre 1906/07 erworben hatte, hatten schon 1909 Arbeiter unter Führung des Agronoms Bermann bebaut, und ein Jahr lang eine kleine Kwuzah von 7—8 Personen als Versuch, die Kolonisation Arbeitern auf eigene Verantwortung zu übergeben unter der Bedingung einer Teilhaberschaft der kolonisierenden Instanz. Alles oben Gesagte ist Material für historische Tatsachen, aber die Sache selbst, das Jubiläum von Dagania ist noch nicht Geschichte. Geschichte meint eine vergangene Periode, oder eine vergangene Episode. Dagania gehört noch nicht zu den Episoden dieser Art. Das Besondere an Dagania ist, daß es sich noch nach 25 Jahren im Prozeß der Entwicklung befindet, welche in den letzten 10 Jahren ein rascheres Tempo aufwies als in den ersten 15 Jahren. Es entwickelt sich das gesellschaftliche Leben, das ökonomische, es wächst die Wirtschaft, es wächst die Zahl der Mitarbeiter. Aber es bleibt Dagania, es bleibt ein kleiner Kern der ersten Personen, die vor 25 Jahren hieher gekommen waren. Mit ihnen bleibt der besondere soziale Charakter, den Dagania seither erhalten hat. Und die Bilanz? Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, die »Geschichte« Daganias liegt noch vor uns.