Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Veränderungen im arabischen Parteileben
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 513 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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man sich damit, die Föderation als einen der Hauptparagraphen zu erklären, den Namen näherte man der Wirklichkeit —- Palästina. Der Name der Nashashibi-Partei (Nationale Verteidigung) ist ein klingender, wie eine Antwort auf das, was im Lande vorgeht, vor allem auf die jüdische Einwanderung. Darauf antwortete die neue Mufti-Partei mit ihrem ersten Paragraphen: Kampf gegen die Juden im Lande. Im allgemeinen blieb sich die Nashashibi-Partei treu, indem sie innerhalb der bestehenden Grenzen des Landes blieb (unter Einbeziehung Transjordaniens; siehe weiter unten), und an der Nichteinmischung in die panarabischen Fragen festhielt. Der neue Namen der Mufti-Partei und der Eintritt der Christen in ihre Reihen beweisen ebenfalls, daß ihr Schwerpunkt von nun an im Lande und nicht in der phantastischen hohen Politik liegt. In der Einstellung zu den nationalen arabischen Forderungen in Palästina besteht fast kein Unterschied zwischen den beiden Programmen. Die beiden erneuerten Parteien streben danach, die Massen, besonders die Jugend zu gewinnen. Die Mufti-Partei hat in dieser Hinsicht bessere Chancen als die Nashashibi-Partei: Der Mufti hat bei der Jugend einen großen Namen und seit jeher Einfluß auf die moslemischen Jugendbünde, auf gewisse Sportvereine, auf die moslemischen Pfadfinder und auf die Zentralorganisation der Jugend. Bei der Gründungsversammlung der Mufti-Partei erklärte die Zentralorganisation der Jugend, der Partei in corpore beizutreten und ihre eigene Sonderorganisation nur zu bestimmten praktischen Zwecken aufrechtzuerhalten. Die alte Nashashibi-Partei hatte auf die Jugend kaum Einfluß, und ihr Name war der Menge nicht bekannt. Daher beschritt ihr Organisator, Fachri Nashashibi, den Weg der Organisierung der arabischen Arbeiter unter dem Schutz der Nashashibi-Partei. Die Organisierung beider Parteien stand unter dem Einfluß der faschistischen und der Nazimethoden. Die »Schwarzhemden« und die »Sturmscharen« machten auf Fachri Nashashibi wie auf Dschemal Husseini Eindruck. Fachri will seine Arbeiterorganisation in faschistische Regimenter verwandeln. Die Grundlage dieser Arbeiterorganisation ist, Friede zwischen den Klassen und Konkurrenz gegen den organisierten jüdischen Arbeiter durch Herabsetzung der Löhne und Einschränkung der Forderungen. In welchem Ausmaß immer Fachri diese Organisierung fortführen und wie weit er darin Erfolg haben wird, kann man bei dieser jungen Organisation nicht feststellen. Ein besonders treuer und ergebener Schüler des Faschismus und Nazitums ist Dschemal El Husseini, der offizielle Führer der neuen Mufti-Partei (dem Mufti ist es als offiziellen Beamten nicht genehm, Führer seiner politischen Partei zu sein). Die Aufstellung derartiger Sturmscharen ist ein Hauptpunkt im Aktionsprogramm der Partei. Die Gründer der Mufti- Partei betrachten die Entwicklung der Dinge vom weltpolitischen Gesichtspunkt aus und stellen den künftigen Weltkrieg in ihre Rechnungen ein. Ihre Berechnung und ihre Hoffnung geht dahin, daß sie beim Ausbruch eines neuen Weltkrieges, gestützt auf die militärische Macht, die sie sich inzwischen geschaffen haben werden, von England werden verlangen können, daß es mit dem Zionismus im Lande Schluß mache und ihre Forderung nach einer nationalen Regierung erfülle. Daher wünscht diese Partei aus vollem Herzen den Ausbruch eines neuen Weltkrieges. Inzwischen will die Mufti-Partei den Schauplatz ihres Kampfes gegen die Politik der Nationalen Jüdischen Heimstätte von Jerusalem nach London verlegen. Auch das ist eine Folge des beschleunigten Prozesses der Verwirklichung des Zionismus, eines Prozesses, dessen Ursachen in Weltereignissen liegen, auf die die englischen Beamten in Palästina — auch die mit den Arabern sympathisierenden — keinen Einfluß haben. Darin liegt vielleicht eine Art Kritik an der ablehnenden Haltung der Araber gegenüber dem Antrag Herbert Samuels (zur Zeit, da er High Commissioner in Palästina war)