Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Veränderungen im arabischen Parteileben
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 512 (sequence 8)
- Language
- German
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zerrissen und an ihrer Stelle wurden neue geknüpft; wichtige Veränderungen in der politischen Organisation der Araber traten ein. Das entscheidende Ereignis des Jahres 1934 war die große jüdische Immigration; sie, die von den Arabern als Ergebnis der veränderten Haltung Englands gegenüber den Zionisten angesehen' wurde, übte auf die arabischen Führer einen starken Einfluß aus. Solange die Verwirklichung des Zionismus ein langsamer Prozeß war, dessen Ende niemand absehen konnte, war es möglich, sich auf Wunder zu verlassen, auf unvorhergesehene Ereignisse und auf das Liebäugeln mit der sympathisierenden britischen Beamtenschaft. Aber der beschleunigte Prozeß der Verwirklichung öffnete die Augen und ernüchterte: mit der Uhr in der Hand konnte man das Ende dieses Prozesses berechnen. Und dann? Das politische Spiel begann. Das arabische Aktionskomitee, das in Altersschwäche darniederlag, verschwand sang- und klanglos. (Es glich einem angesehenen Kranken, der bewußtlos in den Todesschlaf hinüberdämmert und in Dunkelheit namenlos in die unbekannten Gefilde hinübergeht.) Das Ende des Aktionskomitees bedeutete das Ende des Systems der Verständigung, das in der arabischen Öffentlichkeit 15 Jahre lang, die ganze Zeit des Mandates, geherrscht hatte. Das Spannen aller Parteien vor einen Wagen erlaubt der stärksten nicht, ihre Kraft zu zeigen. Das Aktionskomitee war seinem Wesen nach ein Institut des Kompromisses, während der jetzige Zustand die Konzentration einer großen Kraft gegenüber einer anderen großen Kraft (Zionismus, England) forderte. In den Kreisen des Mufti wurde die Parole ausgegeben: eine Partei der Majorität, die durch ihre Kraft die Mandatsbehörden zwingt, sie als einzige Vertretung der arabischen Bevölkerung anzusehen. Auch die Nashashibi-Partei kämpfte nicht um das fiktive Fortbestehen des Arabischen Aktionskomitees. Das System der Verständigung gab ihr nicht, was sie wollte: Die Absetzung des Mufti von seinem Amt als Vorsitzenden des Moslemischen Rates. Nashashibi verzweifelte, denn er überzeugte sich, daß. die Behörden einen Kampf mit dem Mufti um keinen Preis wollten. Und da dies der Hauptprogrammpunkt seiner Partei war, so war er gezwungen, eine grundlegende Änderung herbeizuführen, um nicht völlig beiseite geschoben zu werden. Der Oberste Moslemische Rat war ein viel zu fetter Bissen, als daß die Partei der Opposition gegen den Mufti auf ihn auch für die Zukunft hätte verzichten wollen. Aber zweifellos hatte diese Angelegenheit aufgehört, das Alpha und das Omega im Programm der Opposition zu sein. Beweis dafür ist auch eine organisatorische Tatsache: Die alte Nashashibi-Partei umfaßte ausschließlich Moslems, aber die »Partei der nationalen Verteidigung« (Chisb a-difa al watani), die Ende 1934 gegründet wurde, enthielt auch Christen, die es bekanntlich ablehnen, in den inneren Angelegenheiten der moslemischen Gemeinschaft Partei zu ergreifen. Diese Änderung ist ungemein wichtig, denn sie erschüttert das Ziel des inneren Krieges, den die Mandatsbehörden durch die Errichtung des Moslemischen Rates und die Betrauung des Mufti mit seiner. Führung entfacht hatten. Daher stammt eine zweite Veränderung, zumindest in der Theorie: Das Streben nach Emanzipation von den britischen Behörden durch Bestimmung der inneren Politik im arabischen Lager. Die Partei des Mufti, neu organisiert, mit dem Ziel, im Namen der überwiegenden Mehrheit der arabischen Bevölkerung zu sprechen, wurde »Arabisch-Palästinensische Partei« benannt. Auch diese Partei umfaßt zum ersten Male Christen (Präsident wurde Dschemal El Husseini; Vizepräsident der Christ Alfred Rok), das heißt: sie wendete sich vom Panislamismus ab. Lange überlegte die Mufti-Partei, welchen Namen sie wählen solle. Anfangs wollte sie sich »Arabische Föderation« nennen, dann aber begnügte