Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Veränderungen im arabischen Parteileben
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 511 (sequence 7)
- Language
- German
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1. Irak, Syrien und Palästina zu beiden Seiten des Jordan; 2. Irak und Syrien; 3. Irak, Syrien und Transjordanien; 4. Irak und Palästina. Der Panarabismus war die breite Basis des Istiklal, ebenso wie der Panislamismus die Grundlage der Mufti-Partei sein mußte, aber in der Landespolitik hatte der Istiklal ein begrenztes praktisches Programm. Dieses umfaßte den kompromißlosen Kampf gegen die englische Herrschaft als Hauptsache und den gegen den Zionismus als Nebensache. Das war ein vollkommener Gegensatz zur Kampfmethode des Mufti, der, in Abhängigkeit von den Mandatsbehörden, den Kampf gegen das Mandat selbst bis zum jüngsten Gericht aufschob und in der Gegenwart alle Kanonen gegen den Zionismus richtete. Der Istiklal sah in der Methode des Mufti ein Verwischen der Hauptsache zuliebe Englands und verwarf sie daher. Er erkannte aber auch die Ursachen dieser Methode und ihre treibenden Faktoren: Die Regierungsämter und die persönliche Ab* hängigkeit der arabischen Führer von den imperialistischen Behörden. Die beiden Führer der arabischen Parteien — Emin El Husseini (der Mufti) und Rageb Nashashibi — sind Beamte der palästinensischen Regierung, und wie können Beamte es wagen, sich dem Willen ihrer Herren zu widersetzen?! Daher die Forderung des Istiklal nach »Non Cooperation« mit der Regierung, die in erster Linie bedeutet: Enthaltung von allen Regierungsämtern, um in privater Hinsicht frei zu sein. Aber diese Realisten waren, wenn es sich um die palästinensische ökonomisch-politische Wirklichkeit handelte, Phantasten. Die politische Bedeutung des Mufti beruhte vor allem auf seiner Stellung als Vorsitzender des Moslemischen Rates und auf der Unterstützung, die er im Hinaufsteigen auf seiner Lebensleiter immer wieder von den britischen Behörden erhielt. Jenes Amt sichert ihm die Verfügung über zehntausende von Pfunden jährlich, mittels derer er seine Partei erhält und über ein umfassendes Netz von Beamten und Agenten verfügt, ja, die Herrschaft über einen großen Teil der mohammedanischen Gemeinde Palästinas gewinnt. Auch die »Familiengrundlage« der beiden älteren Parteien ist etwas, was in diesem Lande nicht ungestraft vernachlässigt werden darf. Denn die Familienverbände stellen in einem wirtschaftlich und gesellschaftlich unentwickelten Lande eine Kraft dar, die sich mit der der Klassen in entwickelten Ländern vergleichen läßt. Die Gründer und Mitglieder des Istiklal sahen nicht oder wollten nicht sehen, daß sie in der Mehrzahl nicht frei waren in ihrem Gegensatz zu den beamteten Führern. Sie sahen nicht, daß der Unterschied zwischen ihnen nur der war: Die einen waren längst Beamte und die anderen wollten es erst werden. Sie erkannten nicht, was für ein mächtiger wirtschaftlicher Faktor die Regierungsämter für die gebildeten Araber des Landes sind. Die jüdische Einwanderung gibt der Regierung große Summen in die Hand und verursacht eine Vergrößerung des arabischen Beamtenapparats. In keinem Lande der Welt besteht ein solches Zahlenverhältnis zwischen dem (großen, angeschwollenen) Staatsvermögen und den (verhältnismäßig wenigen) Anwärtern auf die Beamtenschaft wie in Palästina. Daher bilden die Beamtenstellen, die dank dieser Gelder entstehen, einen heftigen wirtschaftlichen Anreiz für die gebildeten Araber, und wer diesen Faktor vernachlässigt, wird es schließlich büßen müssen. Etwa zwei Jahre lang lag der Istiklal darnieder und war praktisch von der Bühne abgetreten. Er versammelte zwar eine Anzahl fortschrittlicher und radikaler Nationalisten um sich, aber die Behörden, und vor allem der Mufti, unterdrückten ihn. Außer einer Anzahl begeisterter junger Leute gehörte niemand ernsthaft dieser Partei an. Das Jahr 1934 bildet einen Wendepunkt im Kristallisationsprozeß des politischen Lebens der Araber Palästinas. Alte Bindungen, die sich schon gelockert hatten,