Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Veränderungen im arabischen Parteileben
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 510 (sequence 6)
- Language
- German
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Der Mufti kam mit den Brüdern Ali in Mekka 1926, zusammen, als König Saud eine mohammedanische Konferenz einberief, um über die Zukunft des Landes zu beraten, das dem Islam heilig ist, und seitdem spannen sich Fäden zwischen ihnen, bis das Gewebe in den Jahren 1929/30 vollendet wurde. Der Mufti wollte seiner Bewegung und seiner Partei eine panislamitische Grundlage schaffen, als Geldquelle — gegen die zionistische Tätigkeit — und zur Stärkung seiner eigenen Position im Lande und außerhalb. Schaukat Ali (Mohammed, der Ältere, war im Jahre 1930 gestorben und auf den Rat des Mufti in Jerusalem begraben worden als Beginn eines allgemein-mohammedanischen Pantheons) strebte danach, durch den Einfluß des Mufti zum Haupt der Panislambewegung gemacht zu werden und dadurch die Pläne des Fürsten von Haiderabad zu fördern. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die »Moslemische Konferenz«, die im Dezember 1931 in Jerusalem zusammentrat und das unter der Leitung des Mufti stehende »Büro der Moslemischen Konferenz«. Nach außen hin hatte die Konferenz einen gewissen Erfolg, nach innen versagte sie vollständig. Die mohammedanischen Könige feindeten die Konferenz an und fürchteten sie; die indischen Führer stießen mit den Extremen zusammen, die die imperialistischen Länder haßten; die Meinungen platzten aufeinander und die Konferenz konnte nicht zum Handeln kommen. Der Mufti verzweifelte nicht, er begann im Lande Filialen des »Büros der Moslemischen Konferenz« zu errichten, um ihr eine feste Grundlage zu geben. Der Versuch mißlang vollkommen. Die Moslemische Konferenz, die ein Gespinst aus einander aufhebenden Intrigen war, konnte keine Begeisterung wecken, und die Zweigstellen, die im Lande gegründet worden waren, hatten keinen Bestand. Die Existenz der Moslemischen Konferenz als politische Organisation war nur durch äußersten politischen Opportunismus möglich, und dies gefährdete die Position des Mufti im arabischen Lager, seine Macht lag ja in seiner Eigenschaft als »nationaler Eiferer«. Der Islam als politischer Körper oder als Vereinigung von politischen Körperschaften hängt in unserer Zeit von England, Frankreich und Italien ab. Wer seinen Kopf in diese Politik steckt, ohne die Macht etwa der ^Türkei oder Persiens zu haben, die unabhängig sind, wird von den imperialistischen Mächten vollkommen unterjocht. Der Mufti ist in diese Schlinge geraten. Jeder Schritt, den er nach der Konferenz in der moslemischen Welt tun wollte, machte ihn von einer der imperialistischen Mächte abhängig; es war, als wenn er sich selbst gebunden hätte. Auf diesem Hintergrund entstand eine Partei mit Namen Istiklal (Selbständigkeit). In mancher Hinsicht war sie die erste moderne Partei unter den Arabern Palästinas. Das charakteristische Merkmal, das sie von ihren Vorgängerinnen unterschied, war dies: am Anfange war das Programm. Das Programm war es, das eine Gruppe von Menschen zu einem politischen Körper, »Istiklal«, zusammenfügte. Während die beiden früheren Parteien, die Mohammedanisch-Christlichen Vereinigungen und das Arabische Aktionskomitee, fleißig nach der Seite des Mandats hinschielten und es manchmal auch mit vollem oder doch halbem Munde anerkannten, so war die Grundlage des Istiklal vollständige Ablehnung des Mandats. Die Gründer der Partei standen auf dem Boden des »reinen« Nationalismus, das heißt eines Stammesnationalismus, und bekämpften daher die Vermischung des Panislamismus mit der arabischen Bewegung Palästinas aus politischen und aus Stammesgründen zugleich. Als realistische Politiker (so weit zu sein ihnen das möglich war) stellten sie die Parole von Panarabien der des Panislam gegenüber. Ihr Programm zerfiel in ein Maximalprogramm: Vereinigung aller arabischen Stammes- und Sprachgenossen, und in mehrere Minimalprogramme: Vereinigung aller arabischen Länder Vorderasiens oder Vereinigung eines Teiles von ihnen zu Gruppen: