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Palästina · 1935-10-01 · Heft 10 (Oktober 1935) · p. Seite 509

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 10 (Oktober 1935)
Article
Die Veränderungen im arabischen Parteileben
Date
1935-10-01
Page
Seite 509 (sequence 5)
Language
German
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in dem dem Suezkanal benachbarten Ägypten; die heftige bolschewistische Propaganda; die Tendenzen zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit im Empire selbst; die Konkurrenz der großen imperialistischen Länder gegeneinander — all dies weckte in den Lenkern des britischen Imperiums schwere Sorgen und nötigte sie, nach Gegenmitteln gegen diese zerstörenden Tendenzen zu suchen. Als eines dieser Gegenmittel betrachtete England die panislamitische Bewegung, die kraftlos ihr Leben fristete, zuweilen aber laut ihre Stimme erhob — und das seit Jahrzehnten. Ihr erwuchsen im moslemischen Indien starke Sympathien, denn der Kampf, den dort die moslemische Minderheit führte, zwang sie, Hilfe bei ihren Glaubensgenossen in der Welt zu suchen und sei es auch nur eine geistig-abstrakte Hilfe. Da die Moslems Indiens als stärkste geschlossene Masse in allen aktiven Epochen den größten Einfluß in der panislamitischen Idee übten, so blickt England in seiner Eigenschaft als treuer Bundesgenosse (die Stellung der Moslems Indiens als Minorität zwingt sie, an England festzuhalten) mit Wohlwollen auf die panislamitische Bewegung. England hat von dieser Schattenbewegung ohne reale Macht nichts zu fürchten, aber sie ist zuweilen nützlich als Propagandamittel und Gegengift gegen antienglische Tendenzen in Asien und Afrika (Ägypten, Sudan). Nach dem Krieg erneuerte sich die Panislambewegung durch die Umwälzung in der Türkei, das Werk Mustapha Kemal Paschas (heute Kemal Ata Türk), und die Vernichtung des ottomanischen Kalifats (1924). Dieses1 Ereignis war für die mohammedanische Welt ein schwerer Schlag, aber zugleich ließ es verschiedene Kandidaten auf das Kalifat erstehen und erzeugte Bestrebungen, sich des verwaisten Thrones zu bemächtigen. Die Kandidaten waren: König Hussein, König (Sultan) Ibn Saud, König Fuad, ferner der abgesetzte und aus der Türkei vertriebene Kalif (das hieße die Wahl einer neuen Residenz für das alte Kalifat), der indisch-mohammedanische Fürst von Haiderabad und einige unbedeutendere Prätendenten. Die Kandidatenliste beweist, welche Spaltung die Vernichtung des ottomanischen Kalifats in der Welt des Islam hervorgerufen hat. Die imperialistischen Mächte, England vor allem, profitierten im nachhinein von dieser Spaltung, die die moslemitische Welt vollkommen schwächte. Die Fahne des Panislam dient bei diesem Zustand der Dinge eher als Panier des inneren Krieges als der Einigung und Sammlung. Jeder Kandidat auf den Stuhl des Kalifats betrachtete die Erneuerung der panislamitischen Bewegung als eine Verschwörung seiner Feinde. So hatte England kein Interesse daran, das Aufleben dieser Bewegung zu stören und vor allem nicht dann, wenn die Mohammedaner Indiens dieses Wiederaufleben wünschten. England wußte genau, daß die Führer der indischen Moslems ihm durch ihre Agitation nicht schaden würden, sondern im Gegenteil: neben der panislamitischen Agitation würden sie die antienglischen Tendenzen in den mohammedanischen Ländern bekämpfen. Diese Bewegung würde die panarabische Tendenz, die England viel gefährlicher war als die panislamitische (die panarabische Idee strebte nach dem geeinten Länderblock, der für den Zusammenhalt des Imperiums ungemein wichtig ist) bekämpfen; angesichts der Gefahr, daß einer der Prätendenten den Thron des Kalifats erlangen könnte, gerieten alle Gegner in Abhängigkeit vom Willen Englands, das die Macht hatte. An die Spitze der erneuerten Bewegung in Indien stellten sich die zwei Brüder A 1 i, die sich nach langem Zwist mit England ausgesöhnt hatten. Beide waren, wie es scheint, Bundesgenossen des Fürsten von Haiderabad und arbeiteten in seinem Interesse. Der Fürst hatte sich inzwischen durch seinen Sohn mit. dem abgesetzten Kalifen Abd El Medschid verschwägert und zwei Kandidaten hatten sich damit in einen starken verwandelt (entweder der Kalif selbst oder sein Schwiegersohn, der Sohn des Fürsten von Haiderabad).

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