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Palästina · 1935-10-01 · Heft 10 (Oktober 1935) · p. Seite 508

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 10 (Oktober 1935)
Article
Die Veränderungen im arabischen Parteileben
Date
1935-10-01
Page
Seite 508 (sequence 4)
Language
German
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ihrer Abteilungen bildete! Die Opposition ließ sich nicht beirren und hörte nicht auf, den Rat anzugreifen, selbstverständlich mit Einwilligung der Regierung. Durch diesen Krieg hielt die Regierung beide Parteien in Abhängigkeit: sie befriedigte die Opposition durch Ernennung einer Kommission zur Festsetzung der gesetzlichen und absoluten Ver^ fassung des Rates und den Mufti befriedigte sie, indem sie die Tätigkeit der Kommission verschleppte, und von ihren Empfehlungen keinen Gebrauch machte. Das Ergebnis war, daß der Mufti als Vorsitzender des Rates von einem Tag zum anderen von der Regierung abhing, denn sobald es der Regierung passen würde, sobald der Mufti ihr mißliebig würde, konnte sie jenen Teil der Empfehlungen, die ihm nicht genehm waren, aus der Verborgenheit hervorziehen. (Die brennendste Frage war, ob er lebenslänglich» für neun oder für drei Jahre in seinem Amt bleiben soll.) Zehn Jahre etwa herrschten im arabischen Lager Palästinas die beiden obgenannten Parteien. Während dieser Zeit fehlte es nicht an Versuchen, neue Parteien und Gruppen zu organisieren (Fellachenpartei, Liberale Partei usw.), aber sie glichen dem Kikajon des Jonah. Das Fehlen eines entwickelten Wirtschaftssystems, die soziale Undifferenziertheit der arabischen Oberschichte, der Mangel geistiger Entwicklung und eines parlamentarischen Systems, dies alles verhinderte das Entstehen weiterer Gruppen und Parteien. Nur Untergruppen, deren Mehrzahl dazu diente, dem Mufti zu helfen, konnten bestehen, insofern ihr Bestand der herrschenden Partei erwünscht und nützlich schien. So etwa die Vereinigung mohammedanischer junger Männer, die zu verschiede^ nen Zeiten dem Mufti in den großen Städten und Dörfern des Landes als Agenten dienten. Eine der wichtigsten derartigen Filialorganisationen war in den letzten Jahren, das »Zentrum junger Araber«, eine palästinensische christlich-mohammedanische Gruppe, die in ihrer Agitation gegen Bodenverkauf an Juden, gegen jüdische Einwanderung und für wirtschaftliche Tätigkeit der arabischen Bank sehr aktiv war. Ende 1931 machte der Mufti einen kühnen Versuch, sein Tätigkeitsfeld zu erweitern, Immer schon hatte er zum Panarabismus geneigt, und seit er zum Vorsitzenden des Obersten Moslemischen Rates ernannt worden war, hatte sich seine Neigung zum Panislam verstärkt. Sein erstes großes Werk war die Restauration der El-Aksa^ Moschee in Jerusalem (die nächste nach der Omarmoschee auf dem Tempelplatz), die große Summen erforderte und ihn dadurch mit der mohammedanischen Welt (Ägypten, Indien) in Berührung brachte. Aber diese Tätigkeit weckte keine politischen Impulse und brachte keine weiteren Aktionen hervor. Mit der Einweihung der erneuerten El-Aksa-Moschee (1928) war das Werk völlig abgeschlossen. Aber die Suche nach. Kriegsmitteln gegen den Zionismus und das Bedürfnis nach starken Bundesgenossen erweckte in den Kreisen des Mufti wieder den panislamitischen Gedanken. Auch das Beispiel des Zionismus und seiner Mittel beeinflußte das arabische Parteileben in Palästina immer mehr. Die Zionistische W e 11 Organisation öffnete den extremen arabischen Parteiführern die Augen und ließ, sie den Quell der zionistischen Kraft und Wirkung, der politischen wie der finanziellen, begreifen. Dieser Quell wurde vor allem im Jahre 1929 mit der Gründung der Jewish Agency sichtbar. Die Araber glaubten das ganze Weltjudentum zur »Eroberung« Palästinas mobilisiert, das Weltjudentum sozusagen als einen einzigen Körper mit jener sagenhaften finanziellen Macht, die die Hasser Israels ihm in allen Zeiten und Ländern zugeschrieben haben. Und die Stunde war dem Mufti günstig. Der politische Kampf um die Erhaltung des weiten britischen Imperiums war nach dem Weltkrieg von Jahr zu Jahr schwerer geworden. Die Entwicklung der nationalen Bewegungen in Indien und in jenen arabi* sehen Ländern, die England zugefallen waren; die Entfaltung der nationalen Bewegung

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