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Palästina · 1935-10-01 · Heft 10 (Oktober 1935) · p. Seite 507

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 10 (Oktober 1935)
Article
Die Veränderungen im arabischen Parteileben
Date
1935-10-01
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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sprang diese Grenzen und strebte nach Pansyrien, Panarabien, Panislam. Tatsächlich aber beugte sich auch die zweite vor dem britischen Mandat, als einer unabänderlichen Tatsache, mit der man sich abfinden muß, ohne sie im Herzen anzuerkennen. Was das Bedürfnis nach politischer Tätigkeit betrifft, so war den Parteien ein genügender Spielraum gelassen: den Radikalen blieb die Freiheit, die Zionisten nach Herzenslust zu bekämpfen, und die Gemäßigten hatten als Ziel den inneren Krieg, den Krieg gegen den Obersten Moslemischen Rat, der mit der Radikalen Partei identisch war. Die Schaffung des Obersten Moslemischen Rates ist zweifellos eines der gelungensten Ergebnisse der britischen Palästina-Politik von ihrem Gesichtspunkt aus: dem Streben der Mandatsbehörden, das arabische Lager zu beherrschen. Mit seiner Schaffung war den Arabern des Landes auf viele Jahre hinaus ein Gegenstand des inneren Krieges gegeben. Der moslemische Rat spaltete die arabischen Aristokraten in zwei Lager, die einander bekriegten. Mit erstaunlicher Eile verliehen die Behörden dem Rate den Charakter einer autonomen Institution innerhalb der arabischen Gemeinde des Landes: sie ist ein Staat im Staate, und die vornehmen Araber, die nach der Herrschaft über das Land dürsteten und sie nicht erlangten, stürzten sich auf dieses Surrogat, das ihnen von der Mandatsregierung geboten wurde. Da aber diese Institution zahlreiche Ingredienzien von Autonomie enthielt, so beschlossen die Behörden, sie gerade in die Hände der radikalsten Araber zu legen, um ihrer Herrschbegier ein Ventil zu öffnen. Der junge Emin El Husseini, der wegen Aufreizung zu Unruhen zu einer langen Kerkerstrafe verurteilt worden war, stand an fünfter und letzter Stelle auf der Liste der Kandidaten für das Amt des Vorsitzenden des Obersten Moslemischen Rates, und doch beriefen die Behörden gerade ihn und setzten ihn in das Amt ein. Dies war offene Bevorzugung, die deutliche Absicht, den rebellischesten Nationalisten unter den Vornehmen des Landes an den Wagen der Regierung zu spannen. Und der Plan gelang. Die Präsidentschaft des Obersten Moslemischen Rates befestigte vor allem die überlegene Position der Familie Husseini in Jerusalem und seiner Umgebung. Sie war die Familienbasis. Wie es im Lande seit jeher Sitte gewesen war, schloß sich eine Anzahl vornehmster Familien an jene Familie an, die die Herrschaft über Ämter, Böden und verschiedene große Besitztümer hatte (alle heiligen moslemischen Güter — Wakf — werden durch den Moslemischen Rat verwaltet, neben den religiösen Gerichten, Schulen und Instituten, die ein großes Netz von verschiedenen Ämtern bilden). Zusammen mit den religiösen und administrativen Ämtern, die über das ganze Land ausgebreitet sind, gab der Rat seinem Oberhaupt — das auch Mufti von Jerusalem ist — Macht und großen Einfluß. Die Ernennung des Emin El Husseini erlaubte dem Ragib Nashashibi, dem Oberhaupt der zweiten jerusalemitischen Familie, die in den vorhergegangenen Geschlechtern durch Reichtum und Ämter zur Macht emporgestiegen war, alle Gegner der Familie Husseini um sich zu scharen. Er schuf eine Partei, die unter dem Namen »Opposition« (Muarida) gegen die Herrschaft des Rates (Medschleß) bekannt wurde. Namen und Inhalt waren identisch, denn die Gegnerschaft gegen Emin Ei Husseini (der Kürze halber werden wir ihn von nun an nach seinem Amte »Mufti« nennen) war das Hauptaktionsprogramm der Anhänger Nashashibis. Der Zionismus und die nationale Heimstätte waren für die Oppositionspartei ein fernes Kriegsziel und der Kampf gegen den Obersten Moslemischen Rat und seine Eroberung das nahe und reale Ziel. Der Mufti war bemüht, sich selbst von diesem Kampf fernzuhalten, indem er das äußere Ziel betonte, das den Arabern des Landes gesetzt ist: den Krieg gegen den Zionismus. Diesen Krieg betrachtete er als seine und des Rates erste Aufgabe, der offiziell und tatsächlich von der Regierung autorisiert war, das heißt eine

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