Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Article
- Die Veränderungen im arabischen Parteileben
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 506 (sequence 2)
- Language
- German
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Um dieses Ziel zu sichern war es den Behörden erwünscht, daß^ irgendwelche organisierte Gruppen und Parteien entstehen, mit deren Hilfe es leicht sein würde, zu lenken und zu führen. Im arabischen Lager selbst ging eine bedeutsame Veränderung vor sich. In der Epoche der Begeisterung waren die alten und ■ erprobten Führer in den Winkel gestellt worden, jene, deren Rücken gewohnt war, sich vor den (türkischen) Behörden zu bücken, und auf der Bühne erschienen junge Männer, hervorgegangen aus der Kriegszeit, vor allem aus der Zeit des Kriegsendes. Von Oktober 1918 bis Juli 1920 konzentrierte sich das ganze politische Leben von Arabien, Syrien und Palästina in Damaskus, in der Residenz des Emir-Königs Feisal, und die Vertreter des arabischen Palästinas in Damaskus waren fast durchweg neue Gesichter, jung an Alter und in der Politik, kleine Planeten rings um den großen Fixstern, der damals am arabischen Himmel leuchtete: Feisal. 20 bis 30 Jahre alt, traten einige von ihnen in das Heer Feisals ein, Vornehme, die aus dem türkischen Heer geflohen waren oder Neulinge im Heer und in der Beamtenschaft der Araber. Sie waren glühende Patrioten, extrem in ihren Bestrebungen und haßten alles Fremde. Sie waren die Hefe im Teig der Radikalen in Damaskus, denn die Balfour-Deklaration war ihnen ein Dorn im Auge. Diese jungen Leute erzeugten im Lande eine Atmosphäre glühenden Hasses gegen das Mandat und den Zionismus, eine Atmosphäre, die direkt oder indirekt von einem Teil der englischen Beamtenschaft genährt wurde. Die alten erprobten Führer sahen die Wirklichkeit und glaubten nicht daran, daß die Jungen die Kraft haben würden, Wunder zu wirken, aber sie wagten nicht, offen gegen sie aufzutreten; sie warteten auf den Augenblick der Entscheidung, um ihren Platz wieder einzunehmen. Die Entscheidung brachte die Konferenz von San Remo (April 1920). Sie war ein schwerer Schlag für die Extremen in Damaskus, vor allem für die extremen Palästinenser. Für die alten arabischen Führer des Landes war der Beschluß von San Remo das Signal, aus ihrem Winkel hervorzukommen. Jetzt war es klar: nur die Dekoration war eine andere geworden: an die Stelle des türkischen Paschas war der englische Sir getreten. Mit der Fremdherrschaft war es nicht vorbei, daher trat der Rücken, der es verstand, sich zu beugen, wieder sein Amt an. Im Augenblick, da Emin El Husseini (der gegenwärtige Mufti von Jerusalem), ein junger Radikaler von 24 Jahren, aus Jerusalem floh, weil er die Strafe wegen Aufreizung zu Unruhen in Jerusalem fürchtete, begann wieder der Stern von Rageb Nashashibi zu steigen, eines aktiven Führers aus der letzten Periode der türkischen Herrschaft. Auf die politische Gestaltung des arabischen Lagers in Palästina in der Übergangszeit blieb die »Abrechnung« zwischen England und dem Hause Hussein nicht ohne Einfluß. Feisal wurde König des Irak und Abdallah Emir von Transjordanien, das zur Freude der arabischen Radikalen aus dem Rahmen der jüdischen Heimstätte herausgenommen wurde, das heißt, England trug einen beträchtlichen Teil seiner Verpflichtungen gegenüber den Arabern aus der wirren Zeit des Krieges ab und fundierte und stärkte sein Bündnis mit den Häuptern der arabischen Bewegung. Die Radikalen Palästinas sahen sich vereinsamt und verlassen. Feisal, der stets dazu neigte, die realen Verhältnisse zu beachten, konnte nur einen Rat geben: Schließt wie ich ein Kompromiß; unser bester Vertragspartner ist England. Unter diesen Umständen entstanden die ersten beiden Parteiorganisationen in Palästina nach dem Kriege: eine reale, gemäßigte, die trachtete, vom Partner, der Mandatsbehörde, möglichst viel herauszuschlagen, und die zweite, die sich gegen die Realität auflehnte, extrem und den Krieg wünschend. Die eine akzeptierte die im Friedensvertrag festgesetzen Grenzen als Grenzen für das Feld ihrer Tätigkeit, die zweite über-