Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1935)
- Article
- Produktivierung der Juden in Palästina - ein Irrweg?
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 438 (sequence 3)
- Language
- German
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hörigen Berufe als »parasitär« bezeichnet Allein die Produktion als produktiv zu betrachten, kann nur einer ganz primitiven Denkweise beifallen, die sich an das grob Materielle hält. Für eine solche Anschauung wird in der Fabrik der Wert geschaffen; was mit dem Gut auf dem Wege zum Konsumenten weiter geschieht, ist, wenn nicht schädlich, so doch überflüssig und ändert den wirtschaftlichen Charakter des Gutes nicht. — In Wahrheit erhält ein Gut dadurch und in dem Maße Wert, wie es seinen Zweck erfüllt, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Daß für die verbrauchsreif in der Fabrikhalle lagernde Ware Kosten aufgewandt sind, besagt allein für ihren Wert gar nichts. Erst und nur wenn der Konsument sie begehrt und bekommt, erhält sie Wert. Das wird durch die Entwertung von aus der Mode gekommenen Waren bewiesen. Der Produzent verleiht ihr nicht dadurch Wert, daß er Kosten aufwendet, sondern er wendet Kosten auf, weil er hofft, daß sie Wert haben wird. Die Distribution, das heißt Handel, Verkehr, Versicherung usw. sind daher ebenso produktiv, wie die Produktion, denn sie alle wirken zusammen, das Gut dem Verbraucher zuzuführen und ihm dadurch Wert zu verleihen. Horowitz hat aber nicht nur den Leser nicht davor bewahrt, das Wort »produktiv« im weiteren Sinne zu verstehen, er selbst ist der Verführung erlegen: Im Schlußsatz bezeichnet er die »Deproduktivierung« als eine Untergangserscheinung des »Kapitalismus«, die den Segen des Fortschritts in unfruchtbare Arbeit und Müßiggang umkehre. Da er diese Feststellung nicht auf »Deproduktivierung« als Staatsmaßnahmen, wie Arbeitslosenunterstützung und öffentliche Arbeiten, einschränkt, muß der Leser annehmen, daß auch die sekundären (»parasitären«!) Berufe »Müßiggang und unfruchtbare Arbeit« sind. Versteht man »produktiv« im üblichen Sinne von »der Gesamtwirtschaft förderlich«, so sind die von Horowitz »deproduktiv« genannten Staatseingriffe ebenso produktiv, wie die sekundären Berufe, und zwar gerade vom Standpunkt der Unterkonsumtions-Krisentheorie aus, als deren Anhänger sich Horowitz bekennt. Denn die Unterstützungen usw. heben die »Massenkaufkraft«, ohne das Warenangebot zu steigern; sie helfen damit, die Verstopfung des Zirkulationsprozesses zu beheben. Nun ist die Gültigkeit der Unterkonsumtions-Theorie bestritten, und auch wir halten sie für widerlegt. Die Produktivität der »Deproduktivierung« als Wirtschaftspolitik läßt sich aber anders beweisen. Wenn ein Gut dadurch Wert gewinnt, daß es vom Konsumenten begehrt und verbraucht wird, so muß die Höhe des Wertes sich nach der Dringlichkeit des befriedigten Bedürfnisses richten. Das Paar Schuhe, das sich der bisher barfüßige Arbeitslose von seiner Unterstützung kauft, stellt nicht nur für ihn persönlich, sondern auch objektiv, für die Gesamtheit, einen viel höheren Wert dar, als es gehabt hätte, wenn es von einem Reichen gekauft worden wäre, der schon viele Paare im Schrank stehen hat. Arbeitslosenunterstützung und Arbeitsbeschaffung sind Mittel, den am stärksten Bedürftigen Einkommen zu verschaffen. Die Finanzierung erfolgt auf dem Steuerwege, also zu Lasten der Besitzenden. (Anleihen müssen schließlich auch auf dem Steuerwege