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Palästina · 1935-08-01 · Heft 8-9 (August 1935) · p. Seite 437

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 8-9 (August 1935)
Article
Produktivierung der Juden in Palästina - ein Irrweg?
Date
1935-08-01
Page
Seite 437 (sequence 2)
Language
German
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sieht sind, als Horowitz, sondern auch unabhängig davon vielfache Bedenken gegen seine Argumentation, die übrigens für zahlreiche Erörterungen ähnlicher Themen in wissenschaftlichen und journalistischen Schriften typisch ist, haben, so erscheint uns eine Auseinandersetzung mit dem zitierten Aufsatz sowohl vom praktisch-jüdischen, wie vom allgemein-wirtschaftswissenschaftlichen Standpunkt aus notwendig und fruchtbar, Horowitz geht von der Imperialismus-Theorie Rosa Luxemburgs aus, wonach die unternehmerische Marktwirtschaft (der »Kapitalismus«) an zunehmender Verengung des Weltmarktes zusammenbrechen wird. Nach Horowitz schafft sich der »Kapitalismus« neben dem Weltmarktventil und schließlich an seiner Stelle einen zweiten Ausweg, nämlich die »Deproduktivierung«. Darunter versteht er zweierlei: erstens die Arten des Interventionismus, durch die der Staat mit öffentlichen Geldern die in der Krise geschrumpfte »Massenkaufkraft« hebt, ohne daß zusätzliches Warenangebot auf die ja schon ohnehin verstopften Märkte stößt Hieher gehören: Arbeitslosenunterstützung und öffentliche Aufträge aller Art, auch Rüstungsaufträge. Zweitens nennt er »Deproduktivierung« die spontane Änderung der Berufsgliederung in Richtung der Verstärkung des Anteils der sogenannten sekundären Berufe, wie Handel und Verkehr, Beamte, Heer, Dienstleistungsberufe, freie Berufe. L Deproduktivierung als Wirtschaftspolitik* Wenn der Staat die Arbeitslosen, ohne Gegenleistung zu fordern, unterstützt, oder wenn er sie durch öffentliche Arbeiten beschäftigt, so tut er das, um bereits eingetretene Notstände zu mildern oder zu beheben. Warum nennt Horowitz diesen Interventionismus »Deproduktivierung«? Offenbar zielt er darauf ab, daß die neuversorgten Arbeiter überhaupt nicht oder nicht für den Markt produzieren. Aber die Ursache des Umstandes, daß die Arbeiter aus dem normalen Produktionsprozeß herausgeworfen worden sind, ist doch nicht der Staats-Interventionismus, sondern schuld sind andere Umstände: die Arbeiter werden freigesetzt, weil die Verengung des Weltmarktes eine Absatzausweitung, die der Steigerung der Arbeitsergiebigkeit entspräche und darüber hinaus auch den natürlichen Bevölkerungszuwachs absorbierte, unmöglich macht. Diese Ursachenreihe ist die eigentliche »Deproduktivierung« und es sind nicht die erwähnten staatlichen Maßnahmen. Die Namengebung von Horowitz ist auch noch aus einer anderen Perspektive wenig glücklich. Horowitz gibt nirgends eine Definition für »produktiv« und seine Ableitungen; doch muß man aus den Zusammenhängen schließen, daß er darunter versteht: »zur Produktion gehörig; die Produktion fördernd« — Produktion im Gegensatz zu Distribution und Konsumtion verstanden. Nun verbindet man aber im allgemeinen mit »produktiv« einen anderen, weiter gefaßten, Sinn, nämlich »die Gesamtwirschaft fördernd«. Diese Bedeutung schwingt nun wie ein Oberton immer mit und übertönt die andere, engere, sogar, wie wir gleich sehen werden, — ein Mißverständnis, dem Horowitz auch noch Vorschub leistet, wenn er etwa die nicht der Produktion zuge-

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