Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1935-08-01 · Heft 8-9 (August 1935) · p. Seite 421

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 8-9 (August 1935)
Article
Die Grundtypen der jüdischen Kolonisation in Palästina
Date
1935-08-01
Page
Seite 421 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2379786-2379926-2379935-2405387--20825-2405662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gegenseitige Hilfe stellt den dritten Grundsatz dieses Ansiedlungstypus dar. Seinen Sinn formuliert }. Uri (Mitglied des Moschaw Nahalal) als Prinzip in doppelter Hinsicht (»Tlamin«, April 1934) : a) Dem Mitglied des Moschaw im Falle von Krankheit oder Invalidität die notwendige Arbeitshilfe zu sichern, damit sein Betrieb nicht unter Arbeitsausfall leidet; b) dem Mitglied des Moschaw, dessen Betrieb sich in einer wirtschaftlich ungünstigen Lage befindet, durch gegenseitige Hilfe vor einem Verfall zu bewahren. Die Verwirklichung dieses Prinzips ist Jahre hindurch erheblichen Schwierigkeiten verschiedenster Art begegnet, hat sich aber in seiner Modifizierung und Verbesserung immer mehr durchgesetzt und spielt nunmehr im wirtschaftlichen und sozialen Leben des- Moschaw eine überragende Rolle. Der vierte Hauptgrundsatz ist der kollektive Ein- und Verkauf, dessen Wesen dahin formuliert wird: eine gegenseitige Konkurrenz im Vertrieb der Produktion auszuschließen und damit einheitlich geregelte Preise für die gelieferten Erzeugnisse zu gewährleisten; Konzentration der Produktionsveräußerung und Verbilligung des Produktenversandes; eine Übersichtlichkeit und Vereinheitlichung in der Organisation der Produktion und des Vertriebs überhaupt zu gewinnen. Außerdem wird hiedurch angestrebt, den kollektiven Zug als solchen im Betriebsgebaren des Moschaw aufrechtzuerhalten und zu fördern. Die Produktionsausrüstung ist zum erheblichen Teil ebenfalls gemeinschaftlich verfügbar und wird gemeinsam erworben. Auch hier figurieren die bereits obengenannten Belieferungs¬ und Vertriebsstellen, der »Hamaschbir Hamerkasi« und die »Tnuva« als Instrumente in der Bewerkstelligung des gemeinsamen Ein- und Verkaufs. »Die Tnuva,« — heißt es im Organ der Moschawim (»Tlamim«) — »die die Produktion der Arbeiterwirtschaften veräußert, verbindet uns und ordnet uns in einen festgefügten Rahmen ein. Für uns alle ist gegenwärtig nunmehr klar, daß nur dank der ,Tnuva* ein für uns befriedigender Verkauf unserer Erzeugnisse möglich ist. Die ,Tnuva* ist heute der wichtigste und grundlegende Nerv unserer wirtschaftlichen Existenz.« . . . »Wir machen auch Fortschritte in der Organisation des gemeinsamen Einkaufs durch Gründung eines Netzes von lokalen Konsumgenossenschaften, die mit dem ,Hamaschbir Hamerkasi' verbunden sind. . . . Die mitunter noch auftauchenden Mängel und Lücken im Produktionsvertrieb und Materialeinkauf beweisen jedoch, daß in Zukunft der Organisationsapparat mit noch mehr Energie und Initiative seine technische Vervollkommnung und kaufmännische Ausgestaltung voranzutreiben hat.« Der Kolonisationstypus des Moschaw Owdim zählt 16 Einheiten in seiner organisatorischen Zugehörigkeit zur Gewerkschaft der landwirtschaftlichen Arbeiter (Histadruth Hapoalim Hachaklaim; Merkas Hachaklai) mit einem Mitgliederbestand von 1708 zu Ende 1934. Im Verlauf der Entwicklung hat sich bei diesem Ansiedlungstypus eine wirtschaftliche Differenzierung durchgesetzt, deren Lösung eines der wichtigsten Probleme des Moschaw Owdim in seiner zukünftigen Entwicklung ist. Gedacht ist hier nicht nur eine Differenzierung in regionalem Sinne, d. h. zwischen den einzelnen Moschawim unterein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.