Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1935)
- Article
- Die Grundtypen der jüdischen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 418 (sequence 3)
- Language
- German
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Bestreben verankert, durch fortgesetzte technische Ertragssteigerung eine wachsende Unabhängigkeit des Sowjetstaates in der Getreidebelieferung und Getreideversorgung von der individuell-bäuerlichen Betriebsform zu erzielen. Die Kwuzah ist keineswegs als Waffenträger gegenüber dem Individualbetrieb zu werten. Überdies liegt bei ihr die Betonung keinesfalls ausschließlich auf der technischen Ertragssteigerung allein, sondern zugleich und in besonderem Maße auf der Förderung des gemeinsamen Ziels des menschlichen Zusammenwirkens. Nur und nur dieses Moment gibt bei der Kwuzah den Ausschlag. Dies erhellt deutlich aus den Worten von K. Losinski (Dagania Beth), eines erfahrenen langjährigen Kwuzah-Mitgliedes in einem dieser Tage veröffentlichten Aufsatz (in der Zeitschrift »Hapoel Hazair« Nr. 28 vom 30. April 1935), in dem er u. a. ausführt: »Lassen wir den Zukunftstraum beiseite. Keine noch so grundlegende Untersuchung und kein noch so stichhaltiger Beweis über die zukünftige Gesellschaftsordnung waren es, die uns den Weg zur Schaffung unserer Lebensform gewiesen und den uns einigenden Willen zur Höchstentfaltung dieser Lebensform bestimmt haben." Unser Wegweiser war und ist unser Wollen. Eine solche Lebensform möchten wir überall in der Welt sehen, und daher gestalten wir diese Form in unserem Leben. Wir sind keine Menschen der Theorie, sondern Menschen einer Idee, die wir in die Wirklichkeit umsetzen. Wir wollen ein Leben der Gleichheit und der Gemeinschaft, nicht aus der Überzeugung, daß die Entwicklung der Welt gerade hiezu einmal führen wird, sondern weil wir der Überzeugung sind, daß nur eine solche Gesellschaftsordnung gerecht ist, und daher wollen wir sie.« »Es mag sein, daß für alle, die außerhalb der Kwuzah stehen, diese nur ein Experiment darstellt. Aber für uns, deren Haare im jahrelangen Kwuzah-Leben schon ergrauen, für uns besitzt die Kwuzah einen Lebensinhalt. Nicht gegenseitiger Wettbewerb und auch nicht gegenseitige Hilfe lediglich im Sinne eines Korrektivs der Lücken einer Organisation, sondern die volle gegenseitige Verantwortung haben wir zum Grundpfeiler unseres Lebens gewählt.« Darüber hinaus fehlt bei der Kwuzah im Gegensatz zum Kolchos oder Sowchos vollständig die zwangsweise totale Eingliederung in den Rahmen einer gesamten Staatsplanregulierung. Verfehlt wäre jedoch die Annahme, als sei eine jede Kwuzah in ihrer Wirtschaftstätigkeit einer allgemein dirigierenden Grundlinie entblößt. Vielmehr ist das Bestreben einer betonten und aufeinander abgestellten Grundlinie in der Tätigkeit der einzelnen Kwuzoth in ihrer organisatorischen Zusammenfassung vorhanden. Bei alledem verfügt indes die Kwuzah über volle Freiheit in ihrem Wirtschaftsgebaren. Der Produktionsüberschuß läßt in seinem Vertrieb aufgezwungene Richtlinien vermissen. Die Veräußerung der Warenproduktion, d. h. des nach dem Eigenverzehr verbleibenden Überschusses, ist dem eigenen Gutdünken überlassen, sowohl hinsichtlich des Umfanges, als auch der Art und der Form. Bei ihr liegt kein »Bereitstellungszwang« — aus der sowjetrussischen Kolchos-Praxis bekannt — vor. Jedoch ist der Vertrieb der Über-