Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1935)
- Article
- Die Grundtypen der jüdischen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 417 (sequence 2)
- Language
- German
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als Mitglied aufgenommen und mit den gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet wie jedes andere Kwuzah-Mitglied. Dies sind die wesentlichsten Züge, die als allgemein bekannt vorauszusetzen sind. Schon bei der Aufreihung all dieser Merkmale drängt sich mitunter eine Parallel-Vorstellung von ähnlichen Gebilden auf, wie wir sie in der Gestalt des sowjetrussischen Sowchos oder Kolchos vorfinden. In Wirklichkeit ist dies nur eine täuschende Ähnlichkeit, die mehr das Äußere berührt. Für den historisch Interessierten sei überdies festgestellt, daß die Entstehung der Kwuzoth in Palästina viele Jahre eher datiert als der Sowchos, bzw. Kolchos des Nachkriegsrußland (so z. B. feiert gerade in diesem Jahre die Kwuzah Dagania Alef ihr 25jähriges Jubiläum). Eine der Grundaufgaben der Sowchosen (der sowjetrussischen Staatsgetreidegüter) ist seit ihrer Gründung vor allem in einer möglichst vollständigen Technisierung und Mechanisierung der Erzeugung erblickt worden. Die Zielsetzung war die Erreichung einer reinen Überschußproduktion, unter weitestgehender Ausschaltung des -Eigenverzehrs. Der Sowchos hat gewissermaßen die Funktion einer landwirtschaftlichen Großfabrik, die Maschine gibt hier den Ausschlag, der Mensch ist nur und nur Arbeiter. So hat diese Form eine Ähnlichkeit eher mit einem industriellen Großbetrieb und ihre Produktion eine solche mit industrieller Produktionsweise. Eine enge Beziehung zwischen Produzent und Produktion besteht hier kaum. Ganz anders bei der Kwuzah. Das Kwuzah-Mitglied ist nicht nur Arbeiter, sondern zugleich auch Betriebs-Teilhaber. Die Zusammenhänge sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozial-gesellschaftlicher Hinsicht sind bei ihr besonders ausgeprägt. Sie stellt ihrem Wesen und ihrem Sinn nach in erster Linie eine in sich geschlossene Personengemeinschaft mit durchgebildetem gemeinsamen Int er esse dar, in zweiter Linie eine Produktionsgemeinschaft in technischem Sinne. Der Sowchos strebt sinngemäß in der Bewerkstelligung seiner Produktionsaufgaben als landwirtschaftliche Großfabrik nach monumentalen Betriebsgrößen. Die Kwuzah hingegen würde nach Überschreitung eines gewissen Optimums in dieser Richtung gerade ihren wertvollsten Kern, das aufeinander abgestimmte Zusammenleben kompakter Personengruppen einbüßen müssen. Die Kwuzah ist keine landwirtschaftliche Großfabrik, sie stellt eine organische Bindung des Menschen an seine von ihm selbst gewählten Aufgaben dar, und diese Aufgaben sind weder rein technischer Natur, noch rein individuellen Einschlages, sonder gemeinsame in ihrer ideologischen Sinngebung und wirtschaftlichen Zielsetzung. Und nicht minder groß und in ihrem Gewicht bedeutungsvoll sind die Unterschiedlichkeiten zwischen Kwuzah und Kolchos (sowjetrussische Kollektivgüter). Der Begriff »Kollektivgut«, bzw. »Kollektivwirtschaft« darf nicht täuschen. Der Kolchos war von Anfang an als eine wirkungsvolle Waffe gegen den überwiegenden Einschlag des rückständigen individuell-bäuerlichen Betriebes in der Sowjet-Landwirtschaft gedacht. Die Kollektivierung war in erster .Linie in dem