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Palästina · 1935-07-01 · Heft 7 (Juli 1935) · p. Seite 360

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 7 (Juli 1935)
Article
Anfänge jüdischer Schiffahrt
Date
1935-07-01
Page
Seite 360 (sequence 3)
Language
German
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erst dann ihr Ende findet, wenn es wirklich gelungen ist, das Bewußtsein von der Notwendigkeit jüdischer Schiffahrt ebenso ins Volk zu tragen wie von der einer jüdischen Landwirtschaft oder einer jüdischen Industrie. Es handelt sich hier tatsächlieh um einen sehr bedeutsamen Teil des »Tozereth-Haaretz«-Gedankens, wenn auch in abgewandelter Form. Nun sind Ansätze für den Durchbruch dieser Erkenntnis zweifellos vorhanden. Es ist wichtig, daß beispielsweise die Haifaer Histadruth auf den Gedanken jüdischer Schiffahrt sofort eingegangen ist und daß sie alle Anstrengungen dazu macht, um kombiniert mit einer systematischen Erfassung der sich im Hafen ergebenden Arbeitsmögltchkeiten auch nach Kräften eine solche der im jüdischen Überseeverkehr liegenden zu erreichen. Aber darüber hinaus hat sich bis jetzt im jüdischen Publikum innerhalb und außerhalb Palästinas noch nicht sehr viel Verständnis für die Notwendigkeit einer jüdischen Schiffahrt gezeigt, es wird noch einer sehr intensiven Arbeit bedürfen, um dieses Verständnis zu wecken, und wenn wir heute einige Reedereien haben, die den Versuch machen, zunächst mit der winzigen Gesamttonnage von etwa 15.000 Tonnen die wichtige Aufgabe der Entwicklung jüdischer Schiffahrt zu lösen, so ist das ein Beginnen, welches einer größeren Popularität und einer stärkeren Unterstützung von Seiten aller Volkskreise würdig ist. Nun ist aber die Breite und Dichte der oben bereits erwähnten ökonomischen Gefahrenzone, durch welche die Anfänge der jüdischen Schiffahrt hindurch müssen, keineswegs nur von uns abhängig, sondern auch von der Tätigkeit der konkurrierenden Schiffahrtslinien. Es ist selbstverständlich, daß ein solches neues Unternehmen eines Volkes, das bisher auf diesem internationalen »Markt« in keiner Weise in die Erscheinung trat, Reaktionen auslösen muß bei denjenigen Schiffahrtslinien, die bisher diesen Markt beherrscht haben. Es sind insbesondere die Linien der italienischen »Vereinigten Flotte«, der auch der Lloyd Triestino angehört, die den weitaus größten Teil des Schiffsverkehrs nach Palästina in der Hand haben. Gewiß konnte man erwarten, daß diese Linien von ihrem Konkurrentenstandpunkt aus den Versuch dazu machen würden, die Entstehung einer jüdischen Schiffahrt zu bekämpfen. Was man aber nicht erwarten konnte, das ist die erstaunliche Heftigkeit der Reaktion von italienischer Seite auf die winzigen Anfänge dieser Schiffahrt, die bis jetzt mit der oben erwähnten Gesamttonnage von zirka 15.000 Tonnen nur ungefähr den dritten Teil der Tonnage eines einzigen Schiffes vom Umfange des »Conte di Savoia« auf sich vereinigt und die auch mengenmäßig im Gesamtrahmen des Schiffsverkehrs mit Palästina, der ja immer größer zu werden scheint, kaum eine Rolle spielt. Liest man Äußerungen gewisser italienischer Blätter über den Versuch, der jetzt von jüdischer Seite gemacht wird — besonders die Einsetzung des Dampfers »Tel Aviv« hat den Unwillen dieser Kreise erregt so kann man den Eindruck haben, als ob man auf jüdischer Seite versuche, den italienischen Linien das Geschäft mit Palästina abzujagen. Davon ist natürlich gar keine Rede. Man ist hier nicht so kritiklos, um von derartigen Dingen auch nur zu träumen, man weiß, daß die italienische Schiffahrt für das Land wichtig ist, man hat keinerlei Ambitionen auf das östliche Mittelmeerbecken als ein jüdisches »mare nostrum« und man hat auch gar kein Interesse daran, die Italiener irgendwie zu verärgern.1 Aber auf der anderen Seite ist es unbegreiflich, weshalb man auf italienischer Seite mit so groben Kanonen nach dem Spatz der jüdischen Schiffahrt schießt. In den Kreisen des Jischuw, die sich bisher überhaupt für die Dinge interessieren, hat das um so mehr 1 Das geht so weit, daß jüdische Reisebüros und zionistische Zeitungen aus Rücksicht für den Lloyd das Schiff »Tel Aviv« boykottieren, ein Vorgehen, das nicht zu billigen ist. «— Die Red.

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