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Palästina · 1935-07-01 · Heft 7 (Juli 1935) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 7 (Juli 1935)
Article
Zwei Jahre Einwanderung aus Deutschland
Date
1935-07-01
Page
Seite 355 (sequence 5)
Language
German
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und ideologisch für eine »Landwirtschaft« und »ein ländliches Leben« vorbereitet hat, die es gar nicht in den Pflanzungskolonien gibt. Denn Plantagenwirtschaft und Orangenindustrie hat mit den durch die Erziehung und Propaganda geweckten Vorstellungen eines Bauernlebens heute leider nicht das Geringste zu tun. Wer Einfühlungsvermögen für die Erlebnisse eines Neuankömmlings in der Kolonie hat, der weiß, daß Welten zusammenbrechen. Als die ersten Massen der deutschen Einwanderer ins Land kamen, versuchte man seitens der Hitachduth Olej Germania Arbeiterkooperativen, die vorhin erwähnten »Chawuroth« zu gründen. Die Erfahrungen haben gelehrt, daß der Versuch lohnend war. Doch blieb es bei zwei Gründungen dieser Art, in Chederah die »Chawurath Haschomron« und in Rischon le Zion die »Chawurath Hapoalim«. Durch beide Kooperativen gingen etwa 230 Menschen, die zum größten Teil in den Kolonien als Arbeiter in verschiedenen Zweigen geblieben sind. In jeder dieser Gruppen bildete sich ein Kern, der den Grundstock für die oben angeführten Kwuzoth »Batelem« und »Massad« abgaben. Aber die Wucht der Masseneinwanderung fand die jüdischen Gewerkschaften unvorbereitet an Erziehern, Organisatoren und Mitteln. So kam es, daß man den Weg der »Chawuroth« vernachlässigte. Aus der reichen und ernsten Aktivität zugunsten des Einordnungsprozesses seien einige Maßnahmen aufgezählt: Die Allgemeine jüdische Arbeiterorganisation »Histadruth« organisierte in allen Kolonien Aufnahmskomitees, rüstete sie mit kleinen Kassen aus, für Hilfe zur Unterkunft und für kleine Anleihen und die »Deutsche Abteilung« ermöglichte es der Histadruth und der H. O. G., besondere Vertrauensleute (»Metaplim«) für die Betreuung der deutschen Einwanderer in den Kolonien zu ernennen. Die Zentrale der H. O. G. hat einen Kreis von Vertrauensleuten aus allen Kolonien gesammelt, der regelmäßig zur Beratung über die Verwurzelung der deutschen Einwanderer in den Kolonien zusammentritt. Auf die Initiative dieses Kreises und mit Unterstützung der »Deutschen Abteilung« und der »landwirtschaftlichen Arbeiterzentrale« wurden Orangenwickler- und Packerkurse für Deutsche abgehalten. Das »Zentralbüro für Kultur und Erziehung« der H. O. G. hat in den Kolonien hebräischen Unterricht, Kurse in Landeskunde und zionistische Informationsabende vorbildlich organisiert. Die »Deutsche Abteilung« baute aus ihren Mitteln in den Kolonien sieben Häuser im Werte von 5600 £P für 240 Bodedim; ferner gründete die Histadruth und die Jewish Agency eine Baugesellschaft »Hadirah«, die die Aufgaben haben soll, weitere Unterkunftsmöglichkeiten für die Neueinwanderer und Arbeiter in den Kolonien billigst zu schaffen. Alle diese Maßnahmen werden, in ein festgefügtes System gebracht, ihre Wirkung nicht verfehlen. Einstweilen wandern freilich Einwanderer aus Deutschland von den Kolonien ab. Als Damm gegen diese Landflucht kommt nur eines in Betracht, die Errichtung von Hilfswirtschaften. Die Arbeiterorganisation hat den Gedanken der »Mischke Eser« schon vor Jahren, gleich bei Beginn ihres Kampfes um jüdische Arbeit in den Kolonien, aufgenommen, sie hat auch auf diesem Gebiet nennenswerte Resultate erzielt. Die »Deutsche Abteilung« hat zwar die Schaffung von Hilfswirtschaften dieser Art für 60 Einwandererfamilien in Ras el Ein (Fedja-Böden) bei Petach Tikwah und in der Nähe von Rechowoth ermöglicht. Aber das ist nur ein Anfang, der Bodenhunger ist sehr groß und die Aussichten sind gering. Erschwerend wirkt auch die mangelnde Kraft zur kollektiven Organisation, durch die die deutschen Einwanderer gekennzeichnet sind. Von früher an stationäre Wirtschaft gewöhnt, finden sie sich in der Dynamik der palästinensischen Wirtschaft nur langsam zurecht. Wo man für die Vorarbeiten einer Siedlungsgruppe von Arbeitern aus den östlichen Ländern

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