Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1935)
- Article
- Ägyptisch-palästinensische Handelsbeziehungen
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 349 (sequence 7)
- Language
- German
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Das »arbeitslose« Handelskapital strömt zur Industrie, wo es noch ein weites Betätigungsfeld dank der protektionistischen Politik der Regierung findet» Der zweite Faktor, der den Industrialisierungsprozeß fördert, ist die direkte Unterstützung der Industrie seitens der Regierung durch Vermittlung der Misr Bank. Die Regierung nimmt auf diesem Wege auch an der Gründungstätigkeit neuer Industrien teiL Die Misr Bank in Ägypten unterstützt die Industrie auf zwei Wegen, durch: a) billigen Industriekredit, b) direkte Beteiligung durch Aktienerwerb. Die folgende Liste gibt die Töchtergesellschaften der Misr Bank mit ihrem eingezahlten Kapital an: Eingezahltes Kapital Imprimerie Misr................ 50.000 £Ä Societe Misr pour l'Industrie Papier......... 30.000 £Ä Societe Misr pour le Theatre et le Cinema ....... 15.000 £Ä Societe Misr pour le Tissage de la soie (Diametta-Fabrik) . 75.000 £Ä Societe Misr pour le la Lin............ 45.000 £Ä ' Societe Misr Airwork.............. 20.000 £Ä Societe Misr pour les Pecheries........... 75.000 £Ä Societe Misr pour l'exportation du Coton....... 160.000 £Ä Societe Misr pour l'egrenage du Coton (Fabriken in Mansourah, Mehalla el Koubra, Benha, Wasra, Fayoum, Tamia, Maghagha, Quirgueh).......... 250,000 £Ä Societe Misr pour la Filature et le Tissage du Coton (Fabrik in Mehalla el Kobra) .......... 450.000 £Ä Societe Misr pour la Transport et la Navigation..... 150.000 £Ä Der Direktor der Misr Bank ist zugleich der Vorsitzende dieser Gesellschaften. Heute existieren in Ägypten außer dem Kleingewerbe, das eine wichtige Stellung im Wirtschaftsleben des Landes einnimmt, große Industrien: Spinnereien, Webereien, Glasfabriken, chemische Industrie, Zementfabriken, Gerbereien usw. Der wichtigste Faktor dieser Entwicklung ist jedoch die Zollpolitik der ägyptischen Regierung. Diese streng protektionistische Politik wird in folgenden Worten durch den britischen Handelssekretär in Kairo in der offiziellen Ausgabe des Handelsdepartements der englischen Regierung »Economic conditions in Egypt« kritisiert: »Die Zölle, mit denen einige Waren belastet wurden, um die ägyptische Produktion zu schützen, haben den Einkauf von solchen Waren besserer Qualität aus dem Auslände verhindert. Es scheint, daß außer einigen Arten von Seiden- und Baumwollwaren die ägyptischen Industrien mehr Schutz genießen, als es für sie günstig wäre. Es ist anzunehmen, daß das niedrige Lebensniveau der ägyptischen Arbeiter, Ersparnis an Seefrachtkosten und verbilligte Eisenbahntarife für die Landesprodukte, sowie 10% Vorzug, die sie von der Regierung bei all ihren Bestellungen erhalten, die Landesproduzenten genügend schützen sollten, wenn die Produktion gut organisiert ist. Es scheint, daß ohne Konkurrenz der Auslandsindustrie die Industrie in Ägypten nie ein hohes Niveau erreichen wird.« Die Politik der Industrialisierung, die Palästina und Ägypten auf verschiedenen Wegen verfolgen, hat hier zu einem Interessengegensatz geführt, der nicht leicht zu überbrücken sein wird.