Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1935)
- Article
- Die natürliche Bevölkerungsbewegung als Grundlage sozialbiologischer Betrachtung des Judenproblems in Palästina
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 297 (sequence 7)
- Language
- German
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Gruppe der eingewanderten Aschkenasinnen älter als unter den eingeborenen Aschkenasinnen. Nach rechnerischer Ausschaltung der Altersunterschiede haben die einen zwei, die anderen drei Kinder geboren. In den orientalischen Gruppen macht sich der Altersfaktor in umgekehrter Richtung störend bemerkbar, daher werden die Unterschiede durch die Standardrechnung viel kleiner, ja erhalten sogar bei den »sonstigen Orientalinnen« das umgekehrte Vorzeichen, Würden alle Gruppen die gleiche Altersgliederung der Gebärenden aufweisen, dann wären die Unterschiede in der Gebärhäufigkeit bei Aschkenasim und Sepharden gleichsinnig, aber verschieden groß. Sie wären größer bei den Aschkenasinnen (2.1 gegen 2.95 Geburten), kleiner bei den Sephardinnen (3.67 gegen 3.93 Geburten). Bei den sonstigen orientalischen Jüdinnen sehen wir beinahe keinen Unterschied (5.05 gegen 5.15 Geburten). Wir wollen den Umfang unserer Untersuchung nicht übersehen. Wir müssen also die Differenzen, die wir für die Jahre 1932/33 berechnet haben, mit großer Vorsicht beurteilen. In anderen Jahren könnten sie größer oder kleiner ausfallen. Aber wir wollen auch nicht an diesen Zahlen kommentarlos vorbeigehen. Wir wollen sie bloß so weit werten, als sie uns Tendenzen anzeigen. Die aus Europa eingewanderten Aschkenasinnen kamen in ein — bis vor kurzem — primitiveres und in ein — heute noch — geburtenfreudigeres Land als es ihr europäisches Ursprungsland ist. Je länger sie in Palästina leben, um so mehr wirken neben den Sitten und Gewohnheiten des europäischen Herkunftslandes die palästinensischen Verhältnisse auf sie ein. Die hier geborenen Aschkenasinnen haben Europas Geburtlichkeitssitten nur noch indirekt kennen gelernt, die aus, Europa eingewanderten haben sich diesen Einflüssen weniger entzogen. Bei den Sephardinnen sind die Verhältnisse etwas komplizierter. Soweit sie aus Europa kommen, handelt es sich um die noch geburtenreichen Balkanländer, soweit sie aus Asien und Nordafrika kommen, aus noch geburtenfreudigeren Ländern, aber trotzdem ist Palästina bis vor kurzem weniger von der europäischen Zivilisation angegriffen gewesen als Saloniki, Belgrad, Sarajewo oder Konstantinopel. Die sonstigen Orientalen sind kulturell eine tiefstehende Masse von Analphabeten, die aus Ländern kommen, wo die Frau bloß als Fortpflanzungs- und Arbeitswesen gilt. In Palästina leben sie in abgesonderten Quartieren, treu ihren Traditionen — auch auf dem generativen Gebiete. Ihre Armut und Unbildung schützt sie vor zu innigem Kontakt mit den europäischen und sephardischen Elementen. Das gilt naturgemäß für die älteren Personen viel mehr als für die jungen. Die jungen, eindrucks- und lernfähigeren unter ihnen sind keinesfalls von der Entwicklung in Palästina unberührt geblieben. Wir haben bereits die jugendlichen Jemeniten erwähnt, in geringerem Ausmaß gilt dies auch für die kaukasischen, persischen, mesopotamischen und sonstigen asiatischen Juden. Die in Palästina seit ihrer Geburt lebenden Angehörigen dieser Volksgruppe sind daher im Alter bis 24 Jahre geburtenärmer als die Eingewanderten; bei den 25—34jährigen finden wir keinen Unterschied.