Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1935-06-01 · Heft 6 (Juni 1935) · p. Seite 283

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 6 (Juni 1935)
Article
Zu den pflanzensoziologischen Vorarbeiten im Hule-Gebiet
Date
1935-06-01
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2379786-2379926-2379933-2404697--20302-2404909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

langen vor der immer wiederkehrenden Überschwemmungsgefahr zu sichern, führten endlich dazu, daß nach Stocker (11) »von der 67,000 Katastraljoch großen Gemarkung der Stadt Karzag, die nach einer Beschreibung aus dem Jahre 1699 fast nur aus versumpftem Ödland bestand, 1853 schon 15.000 Joch als Ackerland trockengelegt waren, 1897 33.000 Joch und 1925 gar 55.000 Joch«. Bald aber zeigten sich die negativen Auswirkungen der Entwässerung, die ohne genügende Berücksichtigung des optimalen Grundwasserstandes vorgenommen worden waren, so daß der Grundwasserspiegel zu tief gelegt wurde. »Von dem gewonnen Ackerland sind heute etwa 30.000 Joch derart versalzt und ausgetrocknet, daß sie nur noch als schlechte Weide benützbar sind .. . und daß zahlreiche frühere Meierhöfe unbenützt wieder verfallen.« Es ist vielleicht gut, hier ganz allgemein auf die Ursachen derartiger Erscheinungen mit ein paar Sätzen einzugehen, damit auch derjenige, der mit der Bodenkunde weniger vertraut ist, sich ein Bild von der Tragweite solcher Eingriffe in die Natur machen kann. Während in humiden Gebieten die Strömungsr ichtung des Kapillar - wasserstromes im Boden von oben nach unten gerichtet ist, also zum Grundwasser hinführt, verhält sie sich genau umgekehrt in ariden und semiariden Gebieten, da in diesen die Verdunstungsintensität sehr groß ist. (Alle die zum Vergleich herangezogenen Gebiete gehören ebenso wie das Hule-Gebiet selbst zu den semiariden.) Die Folge einer derartigen Strömungsrichtung, durch die auch die gelösten Bodensalze mitgeführt werden, ist nun eine Auswaschung des Bodens von unten nach oben. Diese nach aufwärts führende Salzbewegung im Boden führt unter gewissen Umständen zu einer so starken Salzanreicherung in der oberen Schichte, daß sie für den ganzen Pflanzenwuchs vernichtend werden kann. In den erwähnten Steppengebieten wurde eine solche Verschlechterung des Bodens nach der zu weit gehenden Entwässerung dadurch herbeigeführt, daß die zur Regenzeit erfolgenden heftigen Güsse die nunmehr oben angereicherten Kolloide wegschwemmen und fortführen konnten und so allmählich dadurch nicht nur eine Veränderung der chemischen, sondern auch der physikalischen Eigenschaften des Bodens bewirkten. Die Lagerung der einzelnen Bodenteilchen wurde zü dicht und die Krümelstruktur, die für die notwendige Durchlüftung und die Wasseraufnahme besonders wichtig ist, ging verloren. Diese Vorgänge sind natürlich im einzelnen bei weitem komplizierter, als sie hier zum Ausdruck gebracht werden können, an diesem Orte genügt es aber, auf sie hingewiesen zu haben. In der Hortobägy-Steppe führte jedenfalls das zu tiefe Legen der Entwässerungskanäle dazu, daß heute die entgegengesetzten technischen Arbeiten notwendig sind und große und auch äußerst kostspielige Wiederbewässerungsanlagen eingesetzt werden müssen, um der fortschreitenden Verschlechterung des Bodens Einhalt zu tun und den Rest der guten Ackerböden als solche zu erhalten. An dieses Kernproblem der Entwässerungstechnik traten nun die erst zu einem Teile veröffentlichten pflanzensoziologischen Arbeiten im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.