Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1935)
- Article
- Zu den pflanzensoziologischen Vorarbeiten im Hule-Gebiet
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379933-2404697--20301-2404908- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
| Bevor wir nun auf die speziellen Verwertungsmöglichkeiten im Hule- Gebiet eingehen, sei auf einige praktische Erfahrungen hingewiesen, die bei ähnlichen großzügigen Entwässerungsarbeiten in anderen Gebieten gemacht wurden. Überaus lehrreich sind für uns in dieser Beziehung die semiariden Steppengebiete zwischen Donau und Theiß und östlich des Neusiedler Sees. Weniger zu Vergleichszwecken geeignet erscheint hingegen das großartige Werk der Trockenlegung des Zuidersees, da dort wesentlich andere klimatische und edaphische2 Faktoren vorherrschen, obwohl aus den Fehlern, die dort gemacht wurden, ebenfalls manche positive Erkenntnis abzuleiten ist. Die jährliche Niederschlagsmenge ist in den beiden erstgenannten Gebieten zirka 500 mm und niedriger und nähert sich damit den diesbezüglichen Verhältnissen in Palästina, während der Zuidersee, wie ganz Holland, ausgesprochen atlantisches Klima aufweist. Die jährliche Niederschlagsmenge ist aber kein sehr geeignetes Kriterium für die Vegetationsverhältnisse, da die jahreszeitliche Verteilung der Regenmengen und vor allem die Verdunstungsintensität eine weit größere Rolle spielen. Man benützt daher zur Charakterisierung dieser die Vegetationsverhältnisse und die Bodenbildung entscheidend beeinflussenden klimatischen Faktoren das der Verdunstung proportionale Sättigungsdefizit3. Zur Illustration der oft weitgehenden Übereinstimmung zwischen diesen Zahlen und dem Vegetationscharakter diene die Anführung der Tatsache, daß beispielsweise die Südostgrenze des russischen Waldgebietes gegen die sarmatoaralokaspische Steppe im allgemeinen mit der Linie des mittleren Sättigungsdefizites von 15 mm zusammenfällt (Braun-Blanquet 1927, Seite 115). Noch instruktiver aber ist vielleicht der Quotient »Niederschlag : Sättigungsdefizit«, da man durch ihn ausgezeichnete Vergleichswerte für die Beurteilung der Vegetationsbedingungen erhält. Dieser sogenannte N—S-Quotient beträgt am Zuidersee 500—600, in den beiden genannten Steppengebieten aber 100—200, in Palästina durchschnittlich um 100 oder noch weniger. Auch in dem für Vergleichszwecke in Betracht kommenden südrussischen Steppengebiet finden wir ähnliche niedrige Zahlenwerte, in der Umgebung des Kaspischen Sees noch niedrigere. Aus dieser Gegenüberstellung ist schon ersichtlich, daß die Forschungsergebnisse und die zum Teil bereits vorliegenden praktischen Erfahrungen aus den genannten Gebieten auch für palästinensische Probleme besondere Beachtung verdienen. In der Hortobägy-Steppe haben wir eine Fläche von 1500 qkm vor uns, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem großen Teile von ausgedehnten Sümpfen bedeckt war. Die großzügigen Arbeiten, die bereits um 1750 einsetzten, um einerseits Neuland, und zwar vor allem für Ackerbau zu gewinnen, anderseits die umliegenden Sied- 2 Edaphische Faktoren heißen die physikalischen und chemischen Bodenverhältnisse, insofern sie die Verteilung und Verbreitung der Pflanzen beeinflussen. 3 Das Sättigungsdefizit erhält man, wenn man von der bei bestimmter Temperatur höchstmöglichen die tatsächlich vorhandene Dampfspannung abzieht.