Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 259 (sequence 6)
- Language
- German
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aller nichtjüdischen Arbeiter erzwungen werden soll Die Beschäftigung auch nur eines Arabers wird als Sünde angekreidet, denn man fordert »hundertprozentige« jüdische Arbeit. Dies ist ein wirtschaftlicher Chauvinismus, der weder unter palästinensischen Gesichtspunkten, noch unter dem Gesichtspunkt der jüdischen Lage in der Diaspora zu rechtfertigen ist. In einer Zeit, wo 60.000 Juden einwandern und nach Angabe der Arbeiter-Organisation so absorbiert werden, daß weitere Tausende von Zertifikaten erforderlich sind, ist es unverständlich, daß ein solcher Kampf gegen den arabischen Arbeiter entfesselt wird. Wenn freilich aus dem Hauran und anderswoher ausländische Araber einströmen, könnte man den Widerstand der Palästinenser verstehen, obwohl auch hier, wenn man an die Geschichte der jüdischen Wanderungen, die überall offene Türen verlangen, denkt, ein allzu rigoroser Maßstab nicht angelegt werden sollte. Aber der arabische Arbeiter Palästinas kann unseres Erachtens auf die Dauer nicht unter Boykott gestellt werden. Es ist vielmehr notwendig, auch diese Elemente in den Kreis der wirtschaftlichen Realitäten einzubeziehen Schon darum, weil der arabische Arbeiter ohnedies vorhanden ist, und durch seine theoretische Bekämpfung nur Rassenhaß und politische Feindschaft erzeugt wird, während das praktische Resultat doch immer von wirtschaftlichen Gegebenheiten abhängt. Ohnedies ist im heutigen Palästina die Durchsetzung bestimmter Grundsätze um so schwerer, als die Wirtschaft sich völlig anarchisch vollzieht, so ungebunden, wie in keinem anderen Land der Welt. Das Hauptübel, das auch die Hauptursache der künftigen Krise sein wird, ist die Bodenspekulation, die die Preise für städtische und Pflanzungs-Grundstücke so verteuert, daß bei sinkenden Einnahmen (wie sie sich z. B. durch die Überproduktion von Orangen ergeben können) eine Krise unvermeidlich ist. Einsichtige Beobachter, zu deren Sprecher sich in der letzten Zeit vor allem Dr. Weizmann gemacht hat, erkennen seit langem die Notwendigkeit einer Planwirtschaft, aber die Frage, wie diese ohne politische Macht durchzusetzen ist, besonders in den guten Zeiten, ist noch nicht beantwortet. Jedenfalls ist es von größter Wichtigkeit, daß die Jewish Agency durch Verwandlung ihrer gesamten schwebenden Schuld in eine langfristige Anleihe eine größere Aktionsfreiheit wiedererhalten hat. Die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Exekutive, geleitet von Elieser «Kaplan, hat in der letzten Sitzung des A. C. nur Lob und Anerkennung gefunden. Es ist sehr bemerkenswert, daß es gerade einem Mitglied der Arbeiter-Partei gelungen ist, in die Finanzen Ordnung zu bringen, während man früher immer den Arbeitern vorgeworfen hatte, daß sie die Finanzen zerrütten. Die Exekutive wird im nächsten Jahr im größeren Umfang landwirtschaftliche Ansiedlung in Angriff nehmen. Kleinbauern und Arbeiter- Genossenschaften, sind, wie es scheint, die einzige Garantie für die Existenz einer jüdischen Landbevölkerung. In immer höherem Maße findet man auch, daß das von der Jewish Agency bevorzugte System der gemischten Wirtschaft entscheidende Vorzüge vor der Monokultur hat. Das Anwachsen der Orangen-Produktion hat so große Besorgnisse hervorgerufen, daß die Pflanzer selbst kürzlich der Regierung die Forderung einer fünfjährigen Sperre für Neuanpflanzungen unterbreiteten, was die Regierung freilich ablehnte, aber als ein Symptom der Abwendung von der gänzlich ungebundenen anarchischen Wirtschaft ist dieser Schritt bemerkenswert. Angesichts des Menschenzustroms ist die Ausweitung der Bodenfläche eine der wichtigsten Sorgen der kommenden Zeit. Die Arbeiten im Hule-Gebiet werden ein neues anbaufähiges Gebiet erschließen, darüber hinaus aber findet die gewaltige Fläche Südpalästinas, die heute fast unbewohnt ist, immer mehr Interesse. Es ist anzunehmen, daß dieses Gebiet in absehbarer Zeit in den Bereich der jüdischen Arbeit treten wird,