Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 260 (sequence 7)
- Language
- German
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wozu auch die Regierurig geneigt zu sein scheint. Viel schwieriger liegen die Dinge in Transjordanien, wo die politischen Schwierigkeiten einer jüdischen Ansiedlung noch nicht beseitigt sind. Die politischen Fragen stehen ohnedies immer wieder gefahrdrohend vor der Zukunft. In Zeiten der Konjunktur denkt man weniger an sie, aber es ist anzunehmen, daß durch bestimmte Ereignisse die Dinge ins Rollen kommen werden. Noch immer ist das Problem des Gesetzgebenden Rates nicht gelöst. Vor einem Jahr schien es sehr aktuell, dann hat man es vergessen. Es kann aber nicht bezweifelt werden, daß der High Commissioner diese Angelegenheit dauernd im Auge behält und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird es demnächst wieder auftauchen. England hat im Weißbuch von 1930 diese Zusicherung gemacht und es ist entschlossen, sie zu halten. Die jüdische Öffentlichkeit ist scharf dagegen, und es wird sich daraus ein unerwünschter Gegensatz zwischen englischen und jüdischen Intentionen ergeben, der gerade in diesem Zeitpunkt einer harmonischen Kooperation überaus bedenklich ist. So kann man diesem Kapitel der palästinensischen Entwicklung nur mit Besorgnis entgegensehen. Im Bewußtsein eines großen Teils der palästinensischen Judenschaft und insbesondere auch der neuen Ankömmlinge hat die Tatsache, daß sie in einem orientalischen Lande leben und dieses in dem System des Vorderen Orients einen Platz finden muß, sich noch nicht durchgesetzt. Und es gibt vorläufig keine Instanz, die sich eine öffentliche Aufklärungs- und Erziehungsarbeit in diesem Sinne zum Ziel gesetzt hätte . . . Es sei schließlich hier noch eine Episode der A.-C.-Sitzung erwähnt, weil sie die selten vorhandene Gelegenheit bot, die zionistischen Prinzipien gegenüber den Problemen der Weltpolitik neu zu überprüfen. Es handelt sich um die aktuelle Frage: Wie reagiert der Zionismus auf eine Manifestation des Judenhasses? Da er die tieferen Gründe des Judenhasses und der Judenfrage kennt, ist seine Antwort der Aufbau des Jüdischen Nationalheims, dem alle Kräfte zu dienen haben. Er führt keine rein apologetischen Kämpfe, auch keine außenpolitischen Kämpfe, die der eigentümlichen Lage des jüdischen Volkes nicht angemessen sind. Der Zionismus erstrebt eine reale, sachliche Lösung der Judenfrage, bei der »politische« Gesichtspunkte anzuwenden sind (das heißt: die Abwägung gegenseitiger Interessen), nicht aber sentimentale. Nicht alle Zionisten aber sind damit einverstanden. Dies zeigte sich z. B. bei dem Kampf gegen das Abkommen mit der deutschen Regierung über den Transfer des Vermögens jüdischer Auswanderer durch Wareneinfuhr in Palästina. Diese Frage bildete den Gegenstand einer heftigen Debatte im Aktions-Komitee, wobei die Revisionisten die Wortführer des Boykott-Gedankens waren. Das Ergebnis der Aussprache war aber eine fast einheitliche Zustimmung zum Prinzip des Transfers. Dies hat gewiß eine große praktische Bedeutung, denn es kann nicht geleugnet werden, daß die Vermögensausfuhr deutscher Juden nach Palästina das Land befruchtet hat, aber ebenso groß ist die Bedeutung in bezug auf eine geistige Orientierung des Zionismus in den immer schwieriger werdenden Fragen der die Juden betreffenden Politik anderer Völker, Die Lösung der Judenfrage durch den Zionismus ist heute in einem weit größeren Umfang Realpolitik geworden als man es noch vor einigen Jahren erwartet hatte. Dementsprechend treten alle jüdischen Einzelfragen in ein neues Licht. Dessen wird auch der Kongreß eingedenk sein müssen, der im August — wahrscheinlich in der Schweiz — zusammentreten wird und dessen Hauptaufgabe es ist, aus den alten, großenteils unzeitgemäß gewordenen Requisiten der Organisation ein neues brauchbares Instrument zu schaffen, das die Pflichten der Jewish Agency wirkungsvoll erfüllen kann.