Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 258 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379932-2404432--20145-2404609- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vod 50^—60.000^ Menschen im Jahr übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen. Wenn man bedenkt, daß die Revisionisten als Maximalisten, mit dem Wunsche, durch utopische Zielsetzung die gegenwärtige' Leitung bloßzustellen, eine Jahres-Einwanderung von 25.000 postuliert haben, erkennt man den Wandel der Zeiten. Das Mitglied der Palästina-Exekutive Ben Gurion hat in einer Rede im A. C. darauf hingewiesen, daß bei Amtsantritt des jetzigen High Commissioners als Halbjahrs-Schedule 315 Zertifikate bewilligt wurden, während die Exekutive 1200 gefordert hatte; demgegenüber steht jetzt eine von der Regierung bewilligte Schedule von 10.800. Diese Masseneinwanderung ändert aber den ganzen Charakter des palästinensischen Gemeinwesens. Die alten Siedler und die alten Ideale werden in die Minorität gedrängt. Die Erkenntnis, daß die Landwirtschaft die Basis des ganzen bilden müsse, ist zwar theoretisch nicht bestritten, praktisch aber verschiebt sich die Proportion immer mehr zugunsten der Städte. Es ist daher begreiflich, daß allgemein als eines der Hauptprobleme die Frage der jüdischen Arbeit auf dem Dorf empfunden wird. Jüdische Plantagen, die von Arabern bearbeitet werden, bieten nicht die Möglichkeit der Entwicklung eines jüdischen Landvolkes. Dies ist kein neues Problem. Bereits 1905 hat man sich vergeblich um seine Lösung bemüht, die Gründung der ersten Genossenschafts-Siedlungen sollte ihm abhelfen, aber heute steht es in weit größerer Dimension auf der Tagesordnung. Nicht nur der Wunsch des privatwirtschaftlich denkenden jüdischen Kolonisten, billige (und das heißt arabische) Arbeiter zu beschäftigen und dadurch seine Produktionskosten herabzudrücken, ist ein Hindernis der Beschäftigung jüdischer Arbeiter in den Plantagen, sondern auch der dem jüdischen Menschen, insbesondere wenn er aus Europa kommt, unausrottbar innewohnende Wunsch, seine materielle und soziale Position zu verbessern, das heißt also nicht für immer schlecht bezahlter Landarbeiter zu bleiben, selbst wenn der Kolonist ihn höher entlohnt als den Araber. In Zeiten der Konjunktur insbesondere auf dem Baumarkt strebt der jüdische Arbeiter in die Stadt. Auf dem Lande bleiben nur solche Elemente, die aus tief empfundenen weltanschaulichen Gründen sich dazu entschließen oder solche, denen aus Not nichts anderes übrig bleibt. Diejenigen Landarbeiter, die aus nationaler und sozialer Überzeugung zur Landwirtschaft streben, gehen aber lieber in die Arbeitersiedlungen (Kwuzoth und Kibbuzim) als in die Kolonien, wo sie Lohnarbeiter sein müssen. Eine gewisse Erleichterung ist dadurch gegeben, daß Mitglieder solcher Kibbuzim Außenarbeit in den Kolonien leisten, wie denn überhaupt das Problem nur dadurch lösbar ist, daß die Arbeiter gleichzeitig ihre eigene Siedlung besitzen. Aber quantitativ reicht das nicht aus. Angesichts dieser Sachlage scheint es uns freilich ungenügend, wenn man bei allen Gelegenheiten und insbesondere auch bei Tagungen an die Kolonisten appelliert, sie mögen jüdische Arbeiter beschäftigen, und sie im Verweigerungsfall als nationale Verräter brandmarkt. Auch die letzte Sitzung des A. C. konnte sich nicht enthalten, über diese Frage, die ja tatsächlich äußerst wichtig ist, eine längere Debatte abzuhalten, wobei sich die Tatsache ergab, daß alle Mitglieder des A. C. sich emphatisch —- einer den anderen übertrumpfend — für das Prinzip der hundertprozentigen jüdischen Arbeit aussprach. Es ging soweit, daß ein Beschluß angenommen wurde, wonach Arbeitgeber, die nicht jüdische Arbeiter beschäftigen, aus der Zionistischen Organisation ausgeschlossen werden können. Dies ist nach unserer Meinung keine Lösung des Problems, sondern ein höchst bedenklicher Beschluß, der das Wesen der Sache verschiebt. Denn für die Außenwelt (und auch für große Teile der eigenen Weit) ist es nicht unbedingt deutlich, daß hiemit auf das fundamentale Erfordernis der Schaffung eines jüdischen Landvolkes hingearbeitet werden soll. Für den Außenstehenden wird hier vielmehr der Eindruck erzeugt, als ob ein Boykott