Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 257 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379932-2404432--20144-2404608- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
liehen psychologischen Voraussetzungen schafft. Die Versuche, durch Kompromißverhandlungen in den Besitz der Macht in der Z. O. zu kommen, sind gescheitert, was sich deutlich zeigte, als auch die sogenannte Londoner Vereinbarung zwischen Jabotinsky und Ben Gurion bei einer Abstimmung von den Mitgliedern der Arbeiterorganisation mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Die in den Vereinbarungen vorgesehene Neugruppierung, bei der die Revisionisten einen maßgeblichen Platz in der Exekutive erhalten sollten, .erschien einem großen Teil der zionistischen Öffentlichkeit und vor allem der Arbeiterpartei untragbar. Nachdem dies klar geworden war, und nachdem auch der Besuch des Revisionistenführers Jabotinsky in Amerika zu einem Mißerfolg geführt hatte, hat Jabotinsky noch aus Amerika nach Jerusalem die Weisung telegraphiert, die Z. O. zu verlassen. Aber erst einige Tage nach Abschluß der A.-C.-Sizung, und nachdem die revisionistischen A.-C.-Mitglieder unmittelbar vor Schluß der Sitzung einen nicht ganz ernstgenommenen Exodus veranstaltet hatten, würde von der revisionistischen Führung offiziell der Austritt aus der Z. O. angekündigt. Zugleich, so heißt es, soll die Gründung einer »Unabhängigen Zionistischen Organisation« vorbereitet werden, und auch die sogenannte »Petitions-Bewegung« (Sammlung von Unterschriften für eine Petition an alle Staaten, Parlamente und Völkerbund zugunsten der Gründung eines Judenstaates) wollen die Revisionisten weiterführen. Dies hat offenbar den Zweck, eine numerische Stärke der revisionistischen Organisation vorzutäuschen, denn es ist klar, daß tausende ungebildeter Juden an den Orten der Massensiedlung ohne weiteres eine solche Unterschrift, die ja nichts kostet und einen schönen Wunsch endorsiert, zu geben bereit sein würden. Es bleibt noch abzuwarten, ob der revisionistische Boykott einen starken Rückgang in der Schekelzahl bewirken wird. Wahrscheinlich werden als Erben des Revisionismus andere rechtsstehende Gruppen, wie die schon früher vom Revisionismus abgekehrte Judenstaatspartei und der rechte Flügel der Allgemeinen Zionisten, mehr Kongreßmandate erlangen. Aber ungeachtet dieser parlamentarischen Zahlenfrage scheint heute weitgehend Übereinstimmung zu herrschen, daß man den Parteikampf nicht bis zum äußersten treiben darf. In dem scheinparlamentarischen System, das der Zionistenkongreß darstellt, ist die Anwendung des bloßen Ziffernmaßstabes unhaltbar. Daher besteht auf allen Seiten die Neigung, die Exekutive, die auf dem letzten Kongreß infolge des Kampfes mit den Revisionisten weitgehend den Charakter einer Partei-Exekutive erhielt, im Sinne einer breiten Koalition aller Gruppen umzugestalten. Dabei wird ein Programm der praktischen Arbeit zugrunde gelegt werden müssen, auf das sich alle zu einigen hätten. Dieses Programm wird ausgehen vor allem von den palästinensischen Streitfragen, unter denen an erster Stelle die Einfügung der Arbeiter-Organisation in die Struktur des Jischuw steht. Denn dies ist die am meisten umkämpfte Frage, bei der auch die Anwendung von Schlagwörtern, die aus den Parteikämpfen europäischer Völker bekannt sind, üblich ist. Der Versuch verschiedener bürgerlicher Gruppen, sich ihre eigene Arbeitergruppen zu schaffen, ist einer Lösung dieses Problems gewiß nicht förderlich. Aber auch die Arbeiter-Partei wird der Versuchung, aus ihrer Machtstellung innerhalb der Gewerkschaft Vorteile oder gar ein Monopol herauszuschlagen, widerstehen müssen. Das palästinensische Leben befindet sich in einer so rapiden Umformung, daß nichts vorausgesagt werden kann, vor allem ist es unmöglich mit Sicherheit zu ermessen, welchen Grad von Einfluß und bestimmender Macht die Zionistische Organisation in dem Spiel der Kräfte haben wird. Denn jede Betrachtung der Palästina-Verhältnisse muß von der umstürzenden Tatsache der Masseneinwanderung ausgehen. Die jetzige Einwanderung