Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Zur Frage der handwerklichen Hachscharah
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 247 (sequence 2)
- Language
- German
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den hat, soll uns nicht dazu verleiten, uns sozusagen totzustellen und so zu tun, »als ob« diese Lösung bereits gefunden sei. Nichts wäre gefährlicher für die wirtschaftliche Zukunft Palästinas in ihrem industriellen und gewerblichen Sektor als ein solches Versteckspiel. Freilich kann man es sehr gut verstehen, daß vielfach der Versuch dazu gemacht wird, über die Schwierigkeiten dieses Problems hinwegzusehen. Es gehen ja hier zwei Bedingungsreihen durcheinander, die niemals in volle Übereinstimmung miteinander zu bringen sein werden. Die eine ist davon abzuleiten, daß der Mensch, der außerhalb des Landes auf handwerkliche Hachscharah geht, in sehr vielen Fällen nicht voll geeignet für einen handwerklichen Beruf und auch schon verhältnismäßig zu alt und sozial zu belastet für die Umschichtung ist. Er hat schon aus materiellen Gründen das natürliche Bestreben, die Hachscharah in ihren Fristen kurz zu bemessen und möglichst bald ins Land zu kommen. Die materiellen Gründe spielen hiebei aber noch in einem anderen Sinne sehr oft die entscheidende Rolle: Diejenigen Institutionen nämlich, die außerhalb des Landes die Hachscharah in die Wege leiten und betreuen, haben ja im allgemeinen nicht die Mittel zur Verfügung, um dem in der handwerklichen Lehrzeit befindlichen Menschen für eine angemessene Frist überhaupt Existenzmöglichkeit zu bieten, denn ein Einkommen hat der Betreffende während dieser Lehrzeit ja im allgemeinen nicht, vielfach muß sogar noch an den Betrieb, der ihm die Ausbildungsmöglichkeit gibt, ein Zuschuß bezahlt werden. Schon aus diesen Gründen drängen sowohl die verantwortliche Institution als auch der Lernende selbst auf eine möglichst kurze Frist der Ausbildung. Daneben steht dann die mehr oder minder ideologisch fundierte persönliche Tendenz des Lernenden, möglichst bald ins Land zu kommen, und diese beiden Motive sind zusammen stark genug, um die zweite Bedingungsreihe in den Hintergrund zu drängen, die nämlich, die sich aus den palästinensischen Verhältnissen und Erfordernissen ergibt. In dieser Hinsicht herrscht heute im Auslande immer noch eine merkwürdige Unkenntnis und die verhängnisvolle Neigung, die Notwendigkeit fachlicher Leistung hier,im Lande zu bagatellisieren. Die Menschen außerhalb des Landes stehen vielfach auf dem Standpunkt, ein Angelernter könne hier als Facharbeiter arbeiten und ein Ungelernter als Angelernter. Das ist ein Irrtum, der zum Teil freilich auf die herrschende »Konjunkturblindheit« zurückzuführen ist. Aber auch jetzt mitten in der Konjunktur ist es nicht so, daß die fachliche Eignung und Durchbildung hier eine Art von überflüssigem Luxus darstelle, und der Betreffende, der mit dieser Auffassung ins Land kommt, wird sehr schnell und nicht immer auf sehr sanfte Weise eines besseren belehrt, nämlich dadurch, daß er dann viel weniger verdient, als er erwartet hat und auch viel schwerer Arbeit erhält, nämlich Dauerarbeit, die einigermaßen unabhängig auch von den nur leichtesten Schwankungen des Arbeitsmarktes ist. Diese Zurückdrängung der sich aus den hiesigen Erfordernissen ergebenden Voraussetzungen für eine handwerkliche Hachscharah ist — das sei einmal in aller Schärfe ausgesprochen — ein nationales