Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Die natürliche Bevölkerungsbewegung als Grundlage sozialbiologischer Betrachtung des Judenproblems in Palästina
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
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Aus dieser Tabelle gewinnt man einen ganz anderen Eindruck als aus den Natalitätsraten der offiziellen Statistik« Wohlgemerkt, die Zahlen sind nicht etwa deswegen so klein, weil in einem Teil der Ehen auch die Frau Kassenmitglied war und diese Ehe irrtümlicherweise doppelt gezählt worden wären. Die Kinder sind bloß auf die verheirateten und verwitweten Männer bezogen worden. Eine Ehe muß mehr als 2 Kinder hervorbringen, wenn sie die Bestanderhaltung des Volkes garantieren solL Da nicht jeder Erwachsene heiratet und da nicht jedes geborene Kind am Leben bleibt, muß die durchschnittliche Kinderzahl pro Ehe größer sein als 2, soll die Volksmenge nicht zurückgehen. Je nach den besonderen Verhältnissen sind es 2.6, 2.9 und über 3 Kinder pro Ehe. Die Ehen der VII. Tabelle hatten zur Zeit der Erhebung ihre Fortpflanzungstätigkeit noch nicht abgeschlossen. Bis zur Lösung dieser Ehen durch Tod eines Ehegatten oder bis zum Klimakterium der Frau werden diese Ehen ihre Kinderzahl vermehrt haben. Aber Ehen sind in den ersten Jahren am fruchtbarsten; in späteren Jahren tragen sie um so weniger zur Vermehrung bei, je stärker der Wille zur Geburtenregelung ist7. Daher können wir aus diesen Zahlen den Schluß ziehen, daß diese Bevölkerungsgruppe effektiv kinderarm ist. — Mit dem Alter des Ehemannes steigt in der letzten Tabelle die Kinderzahl stark an. Daraus ist nicht zu folgern, daß Ehemänner, die mit 20—24, bzw. 25—29 Jahren kaum 0.4 bis durchschnittlich 1 Kind haben, später, das heißt mit 40 oder 45 Jahren, auf 2.5 bis 3 Kinder im Durchschnitt kommen würden. Wir können mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß sie kaum 1.5 bis Maximum 2 Kinder haben werden. Die Tabelle lehrt, daß in Palästina der Geburtenrückgang große Fortschritte macht. Die älteren Arbeiter, die — aus Idealismus — zum Teil schon vor dem Kriege nach Palästina gekommen sind, huldigten noch anderen Fortpflanzungssitten als die, welche in den Nachkriegsjahren als junge Menschen eingewandert sind. Der alten statistischen Erfahrung gemäß sind auch in Palästina die Ehen auf dem Lande kinderreicher als in der Stadt. Allerdings, die Erklärung, daß Landwirt und landwirtschaftlicher Arbeiter kulturell tiefer stehen und daher kinderfreudiger wären als der Städter gleicher sozialer Zugehörigkeit, trifft hier nicht zu. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas ist hinsichtlich des Kulturniveaus, der Häufigkeit des Analphabetentums und der Religiosität keinesfalls in der herkömmlichen Weise in Stadt- und Landproletariat zu trennen. Der Landarbeiter ist ebensowenig »autochthon«, wie der städtische Arbeiter seiner sozialen Provenienz nach typischer Proletarier ist. Es ist nicht erst für die Hitlerära charakteristisch, daß gewesene Mittelschüler und Hochschulstudenten als Maurer, Straßenarbeiter, Schuster, Verkäufer, Landwirte und landwirtschaftliche Arbeiter ihr Brot verdienen und ihre Mußestunden mit ernster Lektüre ausfüllen. In kulturellen Niveauunterschieden werden wir daher die' Erklärung 7 Für die Berechnung der Ehedauer hatte ich keine Unterlagen. Ich mußte in der Fragestellung die Interessen der Kasse und die Mentalität der Menschen berücksichtigen.