Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Die natürliche Bevölkerungsbewegung als Grundlage sozialbiologischer Betrachtung des Judenproblems in Palästina
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
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242 hatten Kinder und 3.6% mehr als 4 Kinder. — Ich habe gewisse Bedenken gegen manche Ergebnisse dieser Erhebung, aber die Erhebungsfehler sind in dem uns hier interessierenden Teil nicht so groß gewesen» daß die Wirklichkeit nennenswert entstellt worden wäre. Zwei Drittel Null- bis E i n kinderehen sind eine exorbitant hohe Ziffer, wenn es sich um eine normal wachsende Bevölkerung handelt. Hier in Palästina war die durchschnittliche Ehedauer der erfaßten Arbeiterehen zweifellos kurz. 38% steriler Ehen entsprechen nach älteren europäischen Statistiken etwa dem 2. bis 3. Ehejahr, also einer durchschnittlichen Ehedauer von 0 bis 3 Jahren. Aber die durchschnittliche Ehedauer der im Jahre 1926 erfaßten Ehen dürfte größer gewesen sein (die Erhebung hat diesen Faktor leider nicht berücksichtigt), weswegen wir 38% als hoch betrachten. — Es ist klar, daß diese Erscheinung nicht biopathologisch bedingt war. Es ist nicht anzunehmen, daß unter den Arbeiterehen des Jahres 1926 mehr als 10% aus medizinischen Gründen, also ungewollt, steril war und daß ein größerer Bruchteil als in europäischen Mittel- oder Großstädten krankheitshalber sekundär steril geworden ist. Es handelt sich vielmehr nebst kurzer Ehedauer um rein soziale Gründe, um ausgeprägten Willen zur Geburtendrosselung. Ob hiebei Konzeptionsverhütung oder Abortus die Hauptrolle spielten — weiß ich nicht. Es gibt keine Untersuchung, die sich mit dieser Seite der palästinensisch-jüdischen Bevölkerungspolitik befaßt hätte. Allem Anschein nach war schon damals der Abortus in Palästina keine Seltenheit, und zwar in den Städten und auf dem Lande, wie ich aus meinen Aufzeichnungen und unterbrochenen Erhebungen ersehe. Aber inwieweit der Abortus an der Geburtenregelung beteiligt war, welche Altersklassen und Bevölkerungskreise sich seiner häufiger bedienten •— das läßt sich nicht beurteilen. Das eine kann bloß gesagt werden, daß der Abortus zu jener Zeit weder Krankheitsfolge noch Sterilitätsursache im nennenswerten Umfang gewesen ist. Die geringe Fruchtbarkeit der Arbeiterehen geht auch aus einer Erhebung hervor, die ich Ende des Jahres 1926 an dem Material der Krankenkasse durchgeführt habe. Am 31. Dezember 1926 zählte diese Kasse 14.571 Mitglieder, darunter 4419 verheiratete (plus verwitwete) Männer und 1068 verheiratete (plus verwitwete) Frauen. Insgesamt wurden 5478 Kinder gezählt, das heißt 1.24 pro Ehe. Diese Zahl deckt sich gut mit der der anderen, Erhebung (1.29 Kinder pro Ehe). — Interessant ist die Aufteilung 'des Materials nach dem Alter und dem Wohnort des Ehemannes. Tabelle VII. Kinderzahl pro Ehe unter den Mitgliedern der Krankenkasse am 31. Dezember 1926. Alter des Ehemannes in Städten in Landsiedlungen im ganzen Lande 20—24 Jahre....... 0.39 0.66 0.48 25—29 Jahre....... 0.63 1.00 0.73 30—34 Jahre....... 1.31 1.71 1.43 35—39 Jahre....... 1.88 2.22 1.99 40—44 Jahre....... 2.47 2.72 2.56 45—49 6 Jahre....... 2.91 2.94 2.92 6 Die noch höheren Altersgruppen waren zahlenmäßig schwach vertreten. Ich habe sie daher hier nicht berücksichtigt.