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Palästina · 1935-05-01 · Heft 5 (Mai 1935) · p. Seite 236

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 5 (Mai 1935)
Article
Zur Frage der Wirtschaftsplanung in Palästina
Date
1935-05-01
Page
Seite 236 (sequence 10)
Language
German
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wir aber die Zitrus-Ausfuhr nicht, um bei Versiegen der Kapitalseinfuhr die notwendige Wareneinfuhr bezahlen zu können? Zur Beantwortung dieser Frage müßte man die Zahlungsbilanz Palästinas einer Prüfung unterziehen und auf Grund der Analyse veranschlagen, welche Anbaufläche, zur Beschaffung der im Wirtschaftsplan vorgesehenen Einfuhren erfordert würde. Dabei ist weiter zu fragen, ob nicht die nötigen Devisen durch Forcierung der Touristik beschaffbar wären. Diese sogenannte unsichtbare Ausfuhr hat vor der sichtbaren den Vorzug, daß sie auf keine. Zollmauern stößt. Protektionismus: ähnliche Hemmungen erwachsen ihr erst dann, wenn die Herkunftsländer der Reisenden die Devisenzuteilung beschränken, was erfahrungsgemäß erst in einem ziemlich späten Stadium der Devisenknappheit vorgenommen zu werden pflegt, wenn die Mittel des Protektionismus sich als zur Verbesserung der Devisenbilanz unwirksam hexausgestellt haben. Neben der Frage der Devisenbeschaffung ist für die Wahl zwischen Zitrusanbau und gemischter Landwirtschaft das Problem von vielleicht noch größerer Bedeutung, welche Kulturart mehr Existenzmöglichkeiten auf der Flächeneinheit bietet. Diese Frage bedürfte einer Sonderuntersuchung. Nehmen wir einmal rein theoretisch an, daß Ergebnis laute für die Plantagenwirtschaft ungünstig, doch sei deren Nettoergiebigkeit größer, als die der gemischten Wirtschaft. Dann ist dieser Vorzug nicht ausschlaggebend. Wir haben schon oben (Abschnitt IV, Seite 232 f.) an dem Beispiel des Wasserkraftwerks dargelegt, daß für ein Land, das möglichst Vielen eine »nationale Heimstätte« sein soll, die Forderung nach einem möglichst großen Sozialprodukt zurückzutreten hat hinter der Forderung größter Arbeitsstellendichte. — Aber auch bei Annahme des entgegengesetzten Ergebnisses, daß die Plantagenwirtschaft mehr Arbeitsstellen je Flächeneinheit biete, als die gemischte Wirtschaft, erheben sich Einwände gegen die Plantagenwirtschaft. Im großen und ganzen ist diese auf Fremdarbeit, die gemischte Wirtschaft auf Selbstarbeit der Siedler eingestellt. Das Problem der »jüdischen Arbeit«, das heißt des niedrigeren Lohnes des arabischen Arbeiters infolge seines niedrigeren Lebensstandards, wird nur bei Fremdarbeit akut. Insoweit daher gemischte Wirtschaft an die Stelle von Plantagen tritt, wird einer der übelsten nationalen und sozialen Unruheherde ausgeräumt. Vielleicht wendet man ein, viele Kibbuzim seien darauf angewiesen, ihre Leute in die Pflanzungen zu schicken, um Geldeinnahmen zu bekommen. Sie brauchen diese Einnahmen aber im wesentlichen deshalb, weil sie nicht genügend eigenen Boden haben. Wenn — schematisch ausgedrückt — der Boden der Zitruskulturen in Farmerbesitz ihnen überlassen worden wäre, bzw. neuerworbener Boden ihnen zur Verfügung gestellt wird, so schwindet die Notwendigkeit der Außenarbeit in gleichem Maße. — Weiter spricht für die gemischte Wirtschaft, daß sie infolge ihrer potentiellen Vielfältigkeit ganz anderen Spielraum für persönliche Initiative und damit höhere Arbeitsfreude bietet, als die mehr fabrikähnliche Monokultur. Dieses Moment ist gerade für Juden mit ihrer hohen Intelligenz und Anpassungsfähigkeit von Bedeutung. — Die gemischte Wirtschaft ist ferner nicht so rein marktabhängig, geschweige so weitmarkt-

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