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Palästina · 1935-05-01 · Heft 5 (Mai 1935) · p. Seite 234

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 5 (Mai 1935)
Article
Zur Frage der Wirtschaftsplanung in Palästina
Date
1935-05-01
Page
Seite 234 (sequence 8)
Language
German
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zum Allgemeingut des Wissens geworden. Ein Land, das wie Palästina noch vor der Industrialisierung steht, sollte daher eine Ausfuhrorientierung nach Möglichkeit vermeiden 3. Im allgemeinen sind die Produktionsmittel erzeugenden Industrien maschinenintensiver, als die Konsumgüter Sphäre» Dem entspricht es, daß der Produktionsmittelbereich im Konjunkturzyklus viel stärker in der Ausnutzung schwankt, als der Konsumgüterbereich. Der Unterschied dürfte dadurch verursacht sein, daß der Verbrauch, und also auch der Kauf, von Konsumgütern, soweit es sich nicht um ausgesprochene Luxusgüter handelt, verhältnismäßig stetig ist. Dagegen werden Produktionsmittel in Zeiten, wo der Unternehmer höhere Gewinne aus der Produktion erwartet, sehr stark gekauft, in Zeiten der Gewinnschrumpfung nur wenig. Wenn sich also aus unseren früheren Ausführungen die Forderung möglichst geringer Maschinenintensität zwecks Minderung der Krisenanfälligkeit der Gesamtwirtschaft ergab, so läuft das ungefähr auf die Forderung hinaus, daß im Lande möglichst keine Produktionsmittelindustrien, sondern Konsumgüterindustrien angesetzt werden sollen. Die notwendigen Produktionsmittel werden besser importiert, und die gesamtwirtschaftlichen Risiken, die ihre Herstellung wie wir sahen, birgt, werden dann auf die Lieferländer abgewälzt. Aus der Not, daß Palästina über wichtige industrielle Rohstoffe, wie Kohle und Eisen, nicht verfügt, wird eine Tugend. Ein heute öfters erörtertes Beispiel: es wird, häufig bedauert, daß Palästina den überwiegenden Teil seines Betonbedarfs für Bauzwecke importieren muß. Nun ist die Betonfabrikation eine der maschinenintensivsten Industrien überhaupt. Die Abschreibung dieses Realkapitals erfordert daher eine ziemlich lange Zeit. Ob die Neubautenbewegung so lange anhält, ist gänzlich ungewiß. Eine vorsichtige Wirtschaftsplanung wird deshalb die Produktionskapazität im Inlande auf den Umfang beschränken, der für die laufende Erneuerung der Häuser und Straßen notwendig ist, und wird die für Neubauten nötigen Mengen lieber aus dem Auslande beschaffen. Die Verwechselung eines einmaligen Neuinvestitionsbedarfs mit dem dauerhaften Erneuerungs¬ und Instandhaltungsbedarf ist eine typische Ursache von Kapitalfehlleitungen durch Errichtung übergroßer Produktionsanlagen in Industrieländern, — typisch deshalb, weil der einzelne Unternehmer den Unterschied gar nicht merken kann, sondern nur eine das Gesamtbild überschauende Stelle. Könnte Beton so hergestellt werden, wie etwa Steine im Steinbruch gewonnen werden, nämlich fast nur durch Aufwand menschlicher Arbeit, also proportionaler Kosten, dann allerdings wäre es unvernünftig, das Baumaterial zu importieren. Denn wenn die Neubautenkonjunktur aufhören würde, brauchte man keine kostspieligen Anlagen zu opfern, sondern nur die Arbeiter einer anderen Beschäftigung zuzuführen. 3 Wer sich über die bisherigen in diesem Abschnitt behandelten Probleme genauer zu unterrichten wünscht, sei auf mein Buch »Arbeitsbeschaffung und Siedlung«, Berlin, deutsch, 1934, verwiesen. Dort habe ich meine im Text notwendigerweise mxr skizzenhaft entwickelten Ansichten über die Kompensation- und Imperialismustheorie genauer begründet.

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