Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Zur Frage der Wirtschaftsplanung in Palästina
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 233 (sequence 7)
- Language
- German
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weniger Arbeiter. Wäre das darin investierte Kapital dazu verwendet worden, bäuerliche Familien wirtschaften zu schaffen, so wären dadurch auf die Dauer mehr Arbeitsplätze geschaffen worden. Vielleicht wendet man ein, der »ökonomische Effekt« des Kraftwerks sei größer, d. h. es erzeuge eine größere Tauschwertsumme, als die Siedlerstellen. Das ist zwar richtig, wenigstens solange der Strom zu dem vorgesehenen Preis Absatz findet, aber diese Überlegung liegt auf einer anderen Ebene. Entweder strebt man nach einem möglichst großen Sozialprodukt, oder man schafft möglichst viel Menschen dauerhaften Erwerb. Man hat bisher in Theorie und Praxis — nach unserer Überzeugung zu Unrecht — sich allein an dem maximalem Sozialprodukt ausgerichtet, weil man wähnte, je mehr Güter man erzeuge; desto mehr müßten auf den Einzelnen entfallen. In Wahrheit kommt es aber ebenso sehr darauf an, daß der Einzelne genug verdient, um die Güter kaufen zu können, sonst verkommen die Güter eben in den Lagerhallen der Fabriken. Und dieses Ziel ist heute nur unter Verzicht auf eine größere Ergiebigkeit der Gesamtproduktion zu erreichen. Es handelt sich also bei den Postulaten: maximales Sozialprodukt — maximale Zahl von Arbeitsstellen nicht um ein Sowohl — Als auch, sondern um ein Entweder — Oder! Wieviel Schaden die gegenteilige, herrschende, Ansicht angerichtet hat, wird einmal der Geschichtsschreiber der Wirtschaftsepoche nach dem Krieg aufzeigen. Gegen diesen Gedankengang wird der Leser, der sich schon etwas eingehender mit der Wirtschaftswissenschaft befaßt hat, einwenden, daß nach der Kompensationstheorie die durch die Maschinen verdrängten oder ersetzten Arbeiter zum Teil in den Produktionsvorstufen, also z. B. in der Maschinenfabrik, zum Teil durch Mehrabsatz des ja gerade durch die Maschinenherstellung verbilligten Produktes Beschäftigung finden. Von diesen beiden Argumenten ist nur das erste zutreffend. Es besagt für Palästina, daß durch die Mechanisierung unserer Produktion Arbeitsstellen in — englischen Bergwerken, schwedischen, deutschen, italienischen Maschinenfabriken geschaffen werden! Das zweite Argument ist unzutreffend, weil ein Mehrabsatz des verbilligten Produktes im Inland entweder nur im Verhältnis der Verbilligung, also ohne Erhöhung des Gesamterlöses, oder aber unter Verdrängung anderer Produkte möglich ist, denn die Maschineneinführung hat die Einkommenssumme nicht vergrößert, sondern nur ihre Verteilung geändert. Aus nicht erhöhtem Erlös können bestenfalls an ebensoviele Arbeiter Löhne gezahlt werden, wie vorher. Wird der Erlös durch Verdrängung anderer Produkte erhöht, so werden in den' niederkonkurrierten Erwerbszweigen ebensoviele Arbeiter freigesetzt, wie in der siegreichen Fabrik neueingestellt worden sind. Kann aber nicht Mehrabsatz zu unvermindertem Stückpreis, also mit höherem Erlös, durch Ausfuhrsteigerung erzielt werden? Der Weltmarkt brachte ja früher infolge seiner Größe und Vielfältigkeit einen erwünschten Risikoausgleich und diente gerade den Industrieländern als Krisenventil. Aber dieses Ventil hat sich insbesondere seit dem Krieg verstopft. Industrialisierung wird nahezu überall erstrebt und durch protektionistische Maßnahmen gegen Auslandskonkurrenz geschützt. Das ist heute bereits