Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1935-05-01 · Heft 5 (Mai 1935) · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 5 (Mai 1935)
Article
Zur Frage der Wirtschaftsplanung in Palästina
Date
1935-05-01
Page
Seite 229 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2379786-2379926-2379932-2404427--20107-2404580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

national-jüdische Wirtschaftspolitik nur mit Einschränkungen zu haben 220 sein werden. Dagegen könnte im jüdischen Lager Einheitlichkeit durch Kooperation geschaffen werden. Der erste Schritt wäre die Gründung eines Bankenverbandes mit regelmäßigen Zusammenkünften, auf denen die Planwirtschaftsstelle ihre Richtlinien für die Kreditpolitik der Zukunft'darlegen würde. Gerade der kreditgewährende Bankier ist ja mit dem Ergehen der Gesamtwirtschaft stärker verbunden als die meisten anderen Berufsstände; denn wenn ein Pfeiler des Kreditgebäudes einstürzt, wanken auch die anderen. Daher müßten die Banken dem Gedanken planmäßiger Wirtschaftslenkung, d. h. der Krisenvorbeugung, besonders zugänglich sein. Übrigens könnte dieser Verband auch den engeren Interessen der Banken dienen; beispielsweise durch Einrichtung und Überwachung des hier schmerzlich entbehrten Clearing- Verkehrs, oder durch Unterbindung des Mißstandes, daß ein und derselbe Kunde bei mehreren Instituten Kredite aufnimmt, ohne daß eine Bank von der anderen weiß. III. Neben der monetären Sphäre ist das zweite klassische Feld zentraler Planung im Kapitalismus das Gebiet der zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen. Während aber dort, wie wir sahen, die Theorie selbst die Aufhebung der Handelsfreiheit fordert, hat sich hier die Wendung vom Freihandel zum Protektionismus — das ist nur ein anderer Ausdruck für Planregelung des Außenhandels, oder sollte es wenigstens sein — gegen die Theorie vollzogen. Daß hier die Praxis im Recht ist, haben wir an anderer Stelle zu zeigen versucht1. Die Regierung als die berufene Leiterin der Außenhandelspolitik macht von dieser ihrer Befugnis, die gleichzeitig eine Pflicht bedeutet, einen leider sehr zurückhaltenden Gebrauch. Sie durch Einzeluntersuchungen und Hinweise über die Landesinteressen aufzuklären und notfalls die öffentliche Meinung zu mobilisieren, wäre die einzige unmittelbare Einwirkungsmöglichkeit der Planstelle auf die offizielle Außenhandelspolitik. Auf zwei Problemkreise kommt es vor allem an: auf die Möglichkeit jederzeitiger Aktivierung der Handelsbilanz und auf die dem Wirtschaftsplan entsprechende Auswahl und Verteilung der Einfuhrgüter. Palästina hat gegenwärtig einen hohen Einfuhrüberschuß. Diese Tatsache an sich hat nichts Beunruhigendes, da dem Wareneinfuhrsaldo der Kapitaleinstrom entspricht, den die Einwanderer mitbringen. Würde die Handelsbilanz aktiviert, solange die Kapitalein Wanderung anhält, sei es durch Ausfuhrforcierung, sei es durch Einfuhrdrosselung, so würde eine unheilvolle Preissteigerung im Lande erfolgen. Denn Kapitaleinfuhr heißt ja Steigerung der Nachfrage nach Gütern, Protektionismus aber Drosselung des Angebots von Gütern. Die Kapitaleinwanderung wird jedoch eines Tages nachlassen oder aufhören. Für diesen Zeitabschnitt gilt es, vorzusorgen. Denn wenn dann der Wareneinstrom noch unbehindert in der bisherigen. Stärke fließt, so drückt er die Preise, überflutet die Rentabilität vieler Inlandsunter- 1 Vgl. »Hameschek Haschitufi« vom 21. März 1935.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.