Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Zur Frage der Wirtschaftsplanung in Palästina
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 228 (sequence 2)
- Language
- German
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der jüdischen Autoritäten und auf die politische Zerklüftung des Jischuw. Der staatliche Zwang kann durch freiwillige Ein- und Unterordnung ersetzt werden, und politische Gegensätze reichen gar nicht bis auf unser Problem hinab, — es sei denn, man wolle erst zerstören, ehe man an einen Aufbau denkt. Als stichhaltig anerkennen können wir nur den einen Einwand, daß eine totale Planwirtschaft politischen Sozialismus erfordern würde, und daß dieser aus den verschiedensten Gründen in weiter Ferne liegt. Mit der Unmöglichkeit totaler Planwirtschaft ist aber die Undurchführbarkeit von Planungen in großen und wichtigen Wirtschaftssektoren noch nicht erwiesen. Hat doch die unternehmerische Verkehrswirtschaft selbst Ansätze zu solchen Teilplanungen entwickelt. Von solchen Einsatzpunkten behandeln wir im folgenden eingehender das Geld- und Kreditwesen (II) und die Außenhandelslenkung (III). Dagegen erörtern wir nicht das Genossenschaftswesen, die Kartellierungstendenz, das große Gebiet der Sozialpolitik und die ebenfalls hieher gehörende Frage einer einheitlichen Bodenpolitik. Diese Probleme sind teils für Palästina nicht akut, teils erfordern sie eine Behandlung, die aus dem Rahmen dieser Ausführungen herausfallen würde, teils sind sie bereits von anderer Seite genügend erörtert. II. Schon in der klassischen Zeit des liberalen Kapitalismus hat sein bedeutendster Theoretiker, der Jude Ricardo, für e i n Gebiet das freie Walten des Privatunternehmers abgelehnt und zentrale Regelung gefordert, weil es für die Gesamtheit von zu großer Wichtigkeit ist und seine Fehllenkung zu schwerwiegende Folgen hat, nämlich für das Geldwesen. In allen normalen Staaten dient die Währung dem Kredit des Landes, derart, daß die Notenbank mit ihren neugeschaffenen Zahlungsmitteln Wechsel und andere Wertpapiere kauft, also Kredite gibt. In Palästina fließen diese Kredite nicht der eigenen, sondern fremden Wirtschaften zu; denn der Currency-Board in London kauft ja zur Deckung des Zahlungsmittelumlaufs im wesentlichen Wertpapiere des britischen Empire. Es ist nur ein schwacher Trost, daß dieses System hinsichtlich der Aufrechterhaltung des inneren Geldwertes bisher im großen und ganzen befriedigend funktioniert hat, und daß die palästinensische Regierung aus den Zinserträgen der Deckungsanlagen gewisse Summen erhält. Die gleichen Wirkungen könnten auch von einer nationalen Notenbank erreicht werden, und diese könnte überdies mit der Krediterteilung an die heimische Wirtschaft den Aufbau eines geordneten Wechsel- und Effektenmarktes verbinden. Die, wenn nicht entscheidende, so doch wichtige Rolle, die eine solche zentrale Währungs- und Kreditinstanz für die Wirtschaftslenkung spielen könnte, zeigt die Geschichte z. B. der englischen und der amerikanischen Wirtschaftsankurbelung in den letzten Jahren. Wir müssen uns jedoch damit abfinden, daß das Kreditwesen unseres Landes auf absehbare Zeit noch der Führerschaft einer einheimischen Notenbank entbehren muß. Leider ist es auch außerdem ziemlich zersplittert. Da gibt es vor allem die Großfilialen von Auslandsinstituten, wie Barclay's Bank, Banco di Roma, die für eine