Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 4 (April 1935)
- Article
- Zehn Jahre Hebräische Universität
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 200 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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In der Zoologie sind wir noch weit von einer Übersicht der Tierwelt Palästinas entfernt. Nur über Wirbeltiere, Mollusken und einige kleinere Insektengruppen besitzen wir eine erste Übersicht, über ihre Lebensweise aber wissen wir fast gar nichts. Das ganze Jahr über durchgeführte regelmäßige Untersuchungen an kleinen Beobachtungsflächen von den Tel-Aviver Dünen bis zum Ufer des Jordans bei Jericho gestatten zum ersten Male eine Übersicht über die Tiergesellschaften dieser Flächen und ihrer Verteilung im Jahreswie Tagesverlaufe. Besondere Aufmerksamkeit wurde der bereits in der Bibel erwähnten Wanderheuschrecke (Schistocera gregaria) anläßlich ihres letzten Auftretens geschenkt. Es gelang dabei weitgehend, das Rätsel der Massenvermehrung dieses Insektes zu klären. Auch sonst wurde den Schadinsekten der hiesigen Landwirtschaft besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In Feldstationen wurde besonders Biologie und Bekämpfung einiger Zitrusinsekten ausführlich untersucht und abgeschlossen. Dank einer Unterstützung des Empire Marketing Board in London kann der Einfluß der Pflanzenernährung auf gewissen Schadinsekten der Orangen näher untersucht werden, ein Weg, der vielleicht, ganz neue Richtungen der Schädlingsbekämpfung aufweisen wird. Das wissenschaftliche Zentralproblem des hiesigen zoologischen Laboratoriums besteht in der Grundlegung einer allgemeinen tierischen Bevölkerungslehre. Im Museum liegen die ersten Anfänge zu einer wissenschaftlichen Sammlung der palästinensischen Tierwelt vor. Die Geologie trägt ebenfalls ihr Scherflein zur Lösung dieser biologischen Probleme bei. Sie gesattet eine Analyse des Klimas von Palästina seit seiner Festlandwerdung (Miozaen) und auf dieser Basis läßt sich die Geschichte der Besiedlung unseres Landes mit Pflanzen, Tieren und Menschen voll verstehen. Neben den Aufgaben der biologischen Landesaufnahme, der Lösung der Wasserversorgung, den angewandt geologischen Problemen (Phosphatlager, Petroleumquellen usw.), bietet z. B. das Jordantal eine einzigartige Gelegenheit zum Studium allgemeiner Fragen der Tektonik wie der Grabenbrüche. Mannigfach sind die wissenschaftlichen Aufgaben, welche den Forscher locken und mannigfach die praktischen Probleme, welche die Erschließung des Landes erfordert. Auch die chemische Forschung an der Universität bestrebt sich, den Erfordernissen des Landes zu dienen. Die Natur des Landes, seine Produkte, sein Boden, seine Pflanzenwelt usw. liefern dazu das erwünschte Material. Die heute bestehenden, modernsten Fragen der Bodenbildung und Bodenchemie, der künstlichen Dünger (Kalisalze des Toten Meeres, Phosphate), der Eiweißchemie, der Enzymreaktionen, der pflanzlichen Atmung, alles Probleme der modernen physikalischen Chemie, Biochemie und Kolloidchemie, stellen die dominierenden Objekte der Tätigkeit auf diesem Gebiete dar. Sie liefern auch den Studierenden der höheren Semester die Themen ihrer Spezialausbildung. Heute hat die Naturwissenschaftliche Fakultät folgende Studien- und Forschungsfächer aufzuweisen: Botanik, Zoologie, Biologische Chemie, Bakteriologie, Hygiene und Parasytologie.