Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 4 (April 1935)
- Article
- Zehn Jahre Hebräische Universität
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Arbeit* Bei der Eröffnung der Universität hatte das Judaistische Institut nur drei Lehrkanzeln. Heute umfaßt es die folgenden Lehrstühle, Talmud, Neuhebräische Literatur, jüdische Geschichte, Palästinaforschung: jüdische Philosophie, hebräische Sprache, talmudisches Recht, gaonäische und rabbinische Literatur, spanisch-jüdische Poesie, Bibel und Bibel-Exegese, jüdische Soziologie, Kabbala. In Verbindung mit dem Institut steht die Archäologische Abteilung, die im Laufe des verflossenen Jahrzehntes sehr schöne Ausgrabungen gemacht hat. Das Judaistische Institut ist nur ein Teil der Geisteswissenschaftlichen Fakultät. Diese umfaßt heute außer den judaistischen Fächern noch das Institut für die Wissenschaft des Orients, das sich insbesondere auch mit arabischer Sprache, Literatur und Geschichte befaßt, sowie mit der Archäologie und Zivilisation des Nahen Ostens; außerdem noch Philosophie, klassische Sprachen, allgemeine Geschichte und einen Teil der romanischen Sprachen. Das Mathematische Institut ist vorläufig der Geisteswissenschaftliche^ Fakultät angegliedert worden. Parallel mit der Geisteswissenschaftlichen Fakultät ging die Entwicklung der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Palästina ist für den Biologen ein besonders begünstigtes Forschungsgebiet. Die Lebewelten des Mittelmeergebietes treffen sich hier mit denen des großen Wüstengürtels, der von Marokko bis Turkestan reicht. Im Jordantal finden wir sogar echt tropische Einflüsse. Von den schneebedeckten Abhängen des Hermons bis zu diesen tropischen Oasen oder der reinen Wüste sind nur wenige hundert Kilometer. Der Einfluß äußerer Faktoren auf die Verbreitung und Begrenzung der Lebewesen kann bei so schroffen Übergängen besser untersucht werden, als an vielen anderen Stellen der Erde. Die Botanik hat ihre erste Aufgabe bereits im Großen erfüllt. Auf Grund des sehr umfangreichen Herbariums der Universität ist eine hebräische Flora Palästinas erschienen (eine englische Übersetzung ist in Vorbereitung), welche den Bestand der Blütenpflanzen und ihre Verteilung auf den palästinensischen Raum fast erschöpfend behandelt. Auf einem kurzen Ausflug zum Toten Meer sind sechsmal biogeographische Grenzen zu überschreiten und häufig ist der Nordabhang eines Hügels von gänzlich anderer Tier- und Pflanzenwelt eingenommen wie sein Südabhang. Der Kamm des Ölberges, auf dem die Universität steht, ist selbst Scheide zwischen mediterraner und eremischer Flora. Der neu begründete botanische Garten der Universität hat sich zur Aufgabe gestellt, den alten Waldwuchs des hiesigen Berglandes in seiner Unberührtheit wieder herzustellen und sämtliche Zerstörungsformen bis zur nackten Felswüste aufzuweisen. In den trockenen Gebieten Palästinas steht der Wasserhaushalt der Pflanzen im Mittelpunkt der pflanzenphysiologischen Forschung. Für den Besucher wird die Sammlung im Museum für biblische Botanik und palästinensische Plantlore von besonderer Anziehung sein.