Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1935-04-01 · Heft 4 (April 1935) · p. Seite 190

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 4 (April 1935)
Article
Die Urbarmachung des Huleh-Gebietes
Date
1935-04-01
Page
Seite 190 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379926-2379931-2404131--19909-2404315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

folgt — auch diese in Rechnung gestellt werden. Aber alle diese Aufwendungen zusammen erreichen jedenfalls nicht den normalen Arbeitslohn. Die Erfahrungen, die z. B. in Deutschland und Österreich bei der Errichtung von Siedlungsanlagen mit ausschließlicher Verwendung von F. A. D. gemacht wurden, beweisen, daß bei richtiger Organisation Ersparungen von 25—30 % der Gesamtbaukosten möglich sind. Da aber bei solchen Bauvorhaben die Materialquote durchschnittlich mit 40% anzusetzen ist, macht die Ersparnis, bloß vom Lohnaufwande berechnet, 42—50% aus. Das trifft allerdings nur dann zu, wenn die Arbeit wirklich freiwillig geleistet wird und die Arbeiter sich mit ihr durch eigenes Interesse oder ideell verbunden fühlen. In anderen Fällen, wo die freiwilligen Arbeiter keine andere Verbindung mit der Arbeit haben, als das Gefühl, zu ihr aus Mangel an etwas besserem gezwungen zu sein, ist der quantitative und qualitative Leistungseffekt vielfach so gering, daß die freiwillige Arbeit teuerer zu stehen kommt als bezahlte. Gerade bei der vorliegenden Aufgabe aber ist sowohl durch die seelischen Voraussetzungen, unter denen sie übernommen wird, als auch durch den hohen Lohn, der den Legionären winkt, die Gewähr geboten, daß ihre Leistung hinter der bezahlter Arbeiter nicht zurückbleiben wird. Man darf sogar erwarten, daß die unvermeidlichen Aklimatisationsschwierigkeiten des Anfanges durch den größeren Eifer der Chaluzim und durch den Wettbewerb der verschiedenen Gruppen kompensiert werden können. Da zudem der Materialaufwand bei den mit der Urbarmachung zusammenhängenden Arbeiten verhältnismäßig noch beträchtlich kleiner ist als bei Siedlungsbauten, etwa 35—40%, wird man im Endeffekte wohl mit ziemlicher Sicherheit auf eine Endersparnis von mindestens 40% des rechnungsmäßigen Lohnaufwandes rechnen dürfen. Bei Zugrundelegung einer durchschnittlichen Schätzung von 500.000 £ für die Gesamtarbeitskosten macht das immerhin einen Betrag von 130.000 bis 140.000 £ aus, der für andere Kolonisationsaufgaben freigemacht werden kann. Zu den beiden bisher dargestellten Vorteilen des freiwilligen nationalen Arbeitsdienstes kommen aber noch andere, die zwar nicht bloß wirtschaftlicher Natur sind, aber doch in ihrer Bedeutung nicht gering eingesetzt werden dürfen. Zunächst ergibt sich durch die notwendigen Hilfsbetriebe (Zimmereien, Tischlereien, Schmiede-, Schlosser- und Wagnerwerkstätten usw.) die Möglichkeit, zahlreichen Legionären eine intensive praktische Ausbildung oder Anlehre in wichtigen Gewerben zu bieten. Dann aber gewährt die mehrjährige Zusammenfassung der Legionäre in den Lagern auch die Gelegenheit, sie in der reichlichen Freizeit, die ihnen zur Verfügung stehen wird, geistig auszubilden, sie insbesondere mit der Sprache, Geographie, Geschichte und Bürgerkunde des Landes vertraut zu machen und so zu vollwertigen Bürgern Palästinas heranzuziehen. Ich halte es darüber hinaus für durchaus nicht unwichtig, daß der jüdischen Jugend, deren ideologischer Schwung in den letzten Jahren allem Anscheine nach durch die unablässige Beschäftigung mit innerpolitischen Streitfragen (und wohl auch durch die Glaubenslehre, daß Gott und der Antisemitismus, nachdem sie schon einmal das »Wirtschaftswunder« Palästinas bewirkt haben,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.