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Palästina · 1935-03-01 · Heft 3 (März 1935) · p. Seite 155

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 3 (März 1935)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
Date
1935-03-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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So umfaßt zum Beispiel der Konsumier ein in Tel-Aviv kaum 200 Mitglieder (auf 15.000 jüdische Arbeiter in der Stadt!), in Haifa 75 Mitglieder (auf 10.000 Arbeiter) u. d^l. Der palästinensische Arbeiter (wie übrigens auch der jüdische Arbeiter in den Galuthiändern) hat keine innerliche Beziehung zum Konsumgenossenschaftswesen. Heute wird durch eine rege Propaganda versucht, in erster Reihe die Arbeiterfrauen für diesen Gedanken zu gewinnen. Wieweit es gelingen wird, bleibt noch abzuwarten. Auch die bekannten Rochdaler Prinzipien des Konsumgenossenschaftswesens', insbesondere der Verkauf gegen bar und zu Marktpreisen mit nachfolgender Verteilung der Reingewinne nach Maßgabe der Einkäufe, kommen in den palästinensischen Konsumgenossenschaften nur wenig zum Ausdruck. Erst jetzt wird darüber debattiert, ob und inwiefern die Verteilung des Reingewinnes eingeführt werden soll, wobei allerdings nur ein sehr mäßiger Perzentsatz (zwei bis vier) in Aussicht genommen wird. Anderseits kommt weder in den einzelnen Genossenschaften, noch auch im »Hamaschbir«, als der Großeinkaufsstelle, die Tendenz zum Ausdruck, über den unmittelbaren Versorgungszweck hinauszugehen und' sich nach dem Beispiel der großen Konsumorganisationen Europas Produktionsbetriebe anzugliedern. Ja nicht einmal mit den bestehenden Prcdüktivgenossenschaften in Dorf und Stadt sind die Beziehungen in einer zufriedenstellenden Weise geregelt. Freilich sind daran zum großen Teil auch die Produktivgenossenschaften (insbesondere die landwirtschaftlichen) schuld, die oft geneigt sind, den Absatz ihrer Produkte unter Außerachtlassung der Konsumvereine zu organisieren, was angesichts der starken Nachfrage keine schwere Aufgabe darstellt. So ist es zum Beispiel charakteristisch, daß die große Absatzkooperative »Tenuvah« ihre lokalen Vertretungen an Privatpersonen übergibt, ohne die Dienste der Konsumvereine 'in Anspruch zu nehmen. Auch darin kommt eine Verkennung des Prinzips des Konsumgenossenschaftsweseos zum Ausdruck, die psychologisch erklärlich sein mag, doch für die Zukunft des Arbeitersiedlungswerks in Palästina sicherlich unerwünscht ist. Handelt es sich nun bei den Kredit- und bei den Konsumgenossenschaften um mehr oder weniger fühlbare Mängel, die abgeschafft werden müssen, um eine gesunde Entwicklung der Institutionen möglich zu machen, immerhin aber das Wesen der Genossenschaften unberührt lassen, so bedeutet die gewerbliche Produktivgenossenschaft ein wahres Schmerzenskind des Arbeitergenossenschaftswesens in Palästina. Das Oppenheimersche eiserne Transformationsgesetz, wonach jede gewerbliche Produktivgenossenschaft schließlich ihren Prinzipien untreu werden muß, scheint sich auch in Palästina bewahrheiten zu wollen. Es sei zunächst darauf aufmerksam gemacht, daß die gewerblichen Produktivgenossenschaften in Palästina, was ihre Bedeutung im Wirtschaftsleben des Landes betrifft, mit den übrigen Genossenschaftsarten, insbesondere aber mit den landwirtschaftlichen Genossenschaften gar nicht zu vergleichen sind. Gegenüber den Tausenden Industriebetrieben des Landes, die ihren Wirkungskreis von Tag zu Tag ausbreiten, bedeueten die wenigen gewerblichen Genossenschaften nur sehr wenig. Der einzige Zweig dieses Genossenschaftswesens, der zu einer bedeutenden Entwicklung gelangt ist, ist das genossenschaftliche Transportwesen und gerade hier treten innere Verfallserscheinungen besonders stark zutage. Die Genossenschaften der Chauffeure nützen die Tatsache aus, daß die Ausgabe von neuen Konzessionen für den Autodienst durch die Regierung an beschränkende Bestimmungen geknüpft worden ist und es wird ein schwunghafter Handel mit Konzessionen getrieben, der einen groben Unfug bedeutet. Von den neu eintretenden Mitgliedern werden exorbitante Eintrittspreise (bis 800 £) verlangt, die in gar keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Investitionskosten der Genossenschaften stehen und

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