Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 3 (März 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
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hinaus im Wirtschaftsleben des Landes und im Aufbauwerk der Arbeiterschaft zu verwurzeln, so müßte ihre Tätigkeit in beiden Richtungen, sowohl als Spar-', wie auch als Darlehenstätigikeit, bedeutend ausgebaut werden. Zunächst müßte es den Kassen gelingen, die Ersparnisse der Arbeiter in einem, größeren Ausmaß heranzuziehen, als es gegenwärtig der Fall ist Wie imposant auch die Summe von 160.000 £ an Depositen und Spareinlagen aussehen mag, die heute in den Kassen konzentriert ist, sie bedeutet doch nur einen Bruchteil der Ersparnisse der Arbeiter, die sicherlich in einem viel größeren Ausmaß an der in den palästinensischen Banken angehäuften Depositensumme von ca. 15 Millionen Pfund partizipieren. Tatsache bleibt, daß heute sehr viele Arbeiter ihre Ersparnisse nicht in eigenen Institutionen, sondern in privaten Banken investieren, was von keiner großen Verbundenheit mit dem Gesamtwerk der Arbeiterschaft zeugt. Doch ist dies nicht die einzige negative Erscheinung, die an dieser Stelle zu erwähnen wäre. Noch trauriger ist die Tatsache, daß die palästinensische Arbeiterschaft überhaupt zu wenig spart. Die günstige Wirtschaftskonjunktur im Lande hat nicht bloß die Arbeitslosigkeit zu einer Legende der Vergangenheit gemacht, sie hat auch die Löhne gewaltig in die Höhe getrieben und eine Atmosphäre des allgemeinen Wohlstandes im Lande erzeugt. Die Lohnsumme, die im Jahre 1934 in Dorf und Stadt ausgezahlt wurde, wird auf 5,500.000 £ geschätzt. Doch nur ein geringer Bruchteil dieser Summe bleibt im Sparwege dem Lande, beziehungsweise der Arbeiterwirtschart erhalten, wobei es gerade die materiell weniger fundierten Kreise, insbesondere innerhalb der Dorfarbeiterschaft sind, die einen ausgeprägten Sinn für die Spartätigkeit offenbaren. In der Stadt wird der gjrößte Teil der Lohnsumme durch das gehobene Lebensniveau, zum Teil freilich auch durch Geldüberweisungen ins Ausland an die Familien der Arbeiter aufgezehrt. Nun bedeutet dies, von einem weiteren Aspekt aus betrachtet, sicherlich keine günstige Erscheinung. Die gewaltigen Summen, die heute an Löhnen ausgezahlt werden, können, im Sparwege erfaßt, zu einem wichtigen Faktor im Ausbau der Arbeitersiedlungstätigkeit im Lande werden, die in den letzten Jahren ohnehin in einem immer größer werdenden Ausmaß auf den eigenen Mitteln der Arbeiterschaft basiert. In dieser Hinsicht müßte das Kreditgenossenschaftswesen eine erzieherische und Propagandatätigkeit entfalten, wobei nicht nur und nicht so sehr das eigene Interesse des individuellen Arbeiters, wie vielmehr der Gemeinschaftsgesichtspunkt in den Vordergrund gerückt werden sollte. Dasselbe bezieht sich auf die Darlehenstätigikeit der Kassen. Die heute durch sie gewährten Darlehen sind zumeist zu klein, um für produktive Zwecke verwendet werden zu können^ was freilich zum großen Teil auch auf die beschränkten Mittel der Genossenschaften zurückzuführen ist. Auch hier müßte dringend Abhilife gesucht werden,- da sonst durch die Genossenschaften gerade das Gegenteil dessen erreicht werden könnte, was erstrebt wird. Eine Steigerung, des unmittelbaren Konsums des Arbeiters ist heute gar nicht erwünscht, es soll ihm vielmehr ermöglicht werden, sich ein Häuschen zu bauen, eine Hilfswirtschaft anzulegen u. dg|L. und dies ist bei den heutigen Umständen nur sehr schwer im Wege der Kreditgenossenschaften zu erreichen. So ist denn also auf diesem Gebiete sicherlich noch sehr vieles zu tun, um den Gemeinschaftsgedanken dieser Institutionen seiner Realisierung näher zu bringen. Nicht minder kompliziert sind' die Fragen, die sich aus der Entwicklung der Konsumgenossenschaften ergeben. Wenngleich ihr heutiger Zustand im Vergleich mit den früheren Jahren sicherlich einen Fortschritt, bedeutet, so ist er doch noch immer weit davon entfernt, der Entwicklung etwa der deutschen oder der englischen Konsumvereine gleichzukommen. Die Zahl1 der Mitglieder der Vereine ist noch immer sehr gering, sowohl absolut, als auch relativ im Vergleich zu dem Volumen der Umsätze.